Parma: Kulturhauptstadt und Kulinarikhochburg

Dom von Parma

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Gegenüber der prächtigen Kathedrale von Parma steht das 700 Jahre alte, in zartrosa und cremeweißen Verona-Marmor errichtete Baptisterium. Wenn die untergehende Sonne das achteckige Gebäude in warmes Lachsrosa taucht, sitzen meist ein paar Gäste auf der kleinen Terrasse des Cafés nebenan. Insider bestellen hier den »Violet Spritz« aus Veilchen-Likör, Prosecco und Soda. Denn vergessen wir nicht: Parma ist auch die Stadt der Veilchen.

Die intensiv duftenden Blüten sind mit Marie Luise von Österreich verknüpft. Es heißt, die Herzogin habe alle Räume ihres Schlosses und viele ihrer Roben mit Veilchen geschmückt. Noch heute gibt es in Parma nostalgische Läden, die Veilchen-Honig, Veilchen-Tee, kandierte Veilchen, Veilchen-Seifen und -Parfüm anbieten. Kein Wunder, schließlich ist Parma Italiens kulinarische Kapitale: Als einzige Stadt des Landes erhielt sie von der UNESCO die Auszeichnung »Kreative Stadt für die Gastronomie«.

Parmesan, Prosciutto und viel mehr

In den Bezirken Parma, Piacenza und Reggio Emilia, die sich den Status als Kulturhaupstädte teilen, befinden sich hunderte Parmesan-Käsereien und Prosciutto-Produzenten. Es ist eine symbiotische Nutzung von vorhandenen Ressourcen, denn die nahrhafte Molke, die als Nebenprodukt bei der Parmesan-Erzeugung anfällt, wird an die Schweine verfüttert. Aber die Region bietet viel mehr als Parmesan und Prosciutto. Es gibt Naturschutzgebiete, Thermalbäder, Golfplätze, Museen, Theater, Paläste, historische Kirchen, pittoreske Altstädte, Burgen, Schlösser, Festungen und vieles mehr.

Bei Parma liegt Barilla, die weltweit größte und älteste Pasta-Fabrik mit einer Spaghetti-Produktion von 270 Kilometern pro Stunde. Die Enoteca Fontana mit rustikalem Steinboden und Holzdecke beherbergt rund 700 Weine aus Italien und dem Rest der Welt, viele davon werden glasweise ausgeschenkt. »Unsere Stammkunden trinken meist einheimische Gewächse wie den perlenden Lambrusco oder einen trockenen Malvasia«, erzählt Patron Fabrizio Fontana, »wir haben aber auch Gäste, die sich zur Trippa alla Parmigiana (Kutteln mit Tomatensauce und Parmesan) einen alten Barolo wünschen«. Die Anwälte, die in ihrer Mittagspause vom nahe gelegenen Gerichtshof kommen, setzen sich gerne auf die Terrasse und bestellen Pesto di Cavallo (Pferdefleisch-Tartar), eine Spezialität der Stadt.

Genießermeile in Parma

Die autofreie Via Farini ist ein Schlaraffenland voller Lokale und Delikatessenläden. Schräg gegenüber ist durch mannshohe Schaufenster das konkurrenzlose Angebot der Prosciutteria zu sehen – es reicht von hausgemachten Fertiggerichten wie gefülltes Huhn oder Vitello Tonnato bis zu Käsesorten aus ganz Italien, Schinken und Würsten. Bei der in den 1960er Jahren eröffneten Edel-Trattoria Sorelle Picchi gibt es ein opulentes Bollito Reale (Siedfleisch-Platte mit Kapaun, Kalbszunge, Rinderschulter und gekochter Wurst) sowie tagesfrische Ravioli, eingemachte Artischocken oder besten Culatello im angeschlossenen Feinkostladen.

Genuss-Museen

Essen und Trinken hat in Parma, Piacenza und Reggio Emilia einen derart hohen Stellenwert, dass sich gleich mehrere Museen dem Genuss verschrieben haben. Da gibt es das Museum des Parmigiano Reggiano in Soragna, das Nudel- und Tomatenmuseum im Hof von Giarola im Taro-Park in Collecchio, das Weinmuseum in Rocca San Vitale in Sala Baganza, das Museum der Felino-Salami in Felino und das Museum des Parmaschinkens in Langhirano. Eine besondere Erwähnung verdient das ganz neue Culatello und Masalén-Museum.

Der Weg ist das Ziel

Die Region ist so reichhaltig, dass an jeder Ecke hervorragende Lebensmittel zu finden sind. Ein Traum sind die Steinpilze von Borgotaro und Albareto oder der schwarze Trüffel von Fragno. Den wunderbaren Genüssen sind mehrere Themenstraßen gewidmet:

  • Strade dei Vini e dei Sapori
  • Strada del Prosciutto und Vini dei Colli di Parma
  • Strada del Culatello
  • Strada del Fungo Porcino
  • Strada del Po e dei Sapori della Bassa Piacentina

Piacenza

Die Provinz Piacenza ist die einzige in Europa, die sich im Bereich der Wurstwaren mit drei g.U.-Produkten rühmen kann: Pancetta, Coppa und Salami. Zu den Vorzeigeprodukten des Gebiets gehören 97 traditionelle Lebensmittel und 17 DOC-Weine, darunter die einheimischen Sorten Gutturnio, Malvasia und Ortrugo.

Genießer lieben die authentischen Tavernen entlang des Po, in denen die Betreiber die traditionellen Gerichte des Großen Flusses anbieten: von geräuchertem Aal über stricc' in carpion bis hin zu frittiertem Ambolina-Fisch, Wels und Fröschen. Natürlich fehlt es auf den Tischen der Bassa nie an Grana DOP und Provolone Valpadana DOP, Cacio del Po, zusammen mit den drei DOP-Salamis aus Piacenza, begleitet von grass pist, Culatello, Fiocchetto, Salame Gentile und den berühmten Anolini... Ein Traum!

Reggio Emilia

Beste Wurstwaren genießt man in Kompination mit dem prickelnden Lambrusco als typische Brotzeit. Wobei man vorausschicken muss, dass der Lambrusco vor Ort nichts mit der Qualität zu tun hat, die hierzulande in den Supermärkten landet. Gesuchte Delikatessen sind auch das Schaffleisch aus dem Hügelland zwischen Carpineti und Baiso, der Pecorino-Käse des Apennins, der aus der Milch der einheimischen Schafe hergestellt wird. Das Gebiet von Reggio Emilia bietet den Entdeckern des Geschmacks unendliche Überraschungen, bis hin zur Tradition der Kastanien und der Polenta.

 

Prolongierte Feierlichkeiten

Unter dem Titel »Culture beats time« wurde zu Jahresbeginn mit einem dreitägigen Fest in Parma das Jahr als italienische Kulturhauptstadt 2020 eingeläutet. Bedingt durch die Corona-Krise mussten jedoch im Laufe der darauffolgenden Monate zahlreiche Events und Veranstaltungen abgesagt werden. Zur Freude aller Kulturliebhaber wurde nun die Nominierung zur italienischen Kulturhauptstadt, die Parma gemeinsam mit den Nachbarstädten Reggio Emilia und Piacenza innehat, auf das kommende Jahr 2021 verlängert, um diverse verschobene Events nachzuholen und neuen Reflexionen, die sich angesichts der außergewöhnliche Zeit ergeben haben, Ausdruck zu verleihen.

»Culture beats time« – im wörtlichen Sinne.

Weitere Informationen unter:

 

 

Die Auftaktfeier zum Jahr der Kulturhauptstadt Parma im Jänner (vor Corona!)

Die Auftaktfeier zum Jahr der Kulturhauptstadt Parma im Jänner (vor Corona!)

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