Herbststimmung in den Weingärten von Château de Beaucastel / Foto: beigestellt
Herbststimmung in den Weingärten von Château de Beaucastel / Foto: beigestellt

Hochsommer in Châteauneuf-du-Pape: Es herrscht flirrende Hitze, mächtige Kieselsteine (»galets roulés«) verwandeln die Weingärten in wahre Back­öfen, knorrige alte Rebstöcke ducken sich unter dem kräftig wehenden Mistral, dazu gesellen sich das laute Zirpen der Zikaden und der intensive Duft von Rosmarin und Thymian. Mittags klettert das Thermometer weit über die 40-Grad-Marke. 
Dreizehn Rebsorten reifen am linken Ufer der Rhône heran, diese Vielfalt ist der markanteste Unterschied zu allen anderen Appellationen des Rhônetals. Die bestimmende Kraft ist der Grenache, ein Umstand, auf den die Winzer heute durchaus stolz sind. Aber das war nicht immer so: In den 1980er-Jahren besaßen die Rotweine eine reduktive Stilistik mit möglichst kräftiger dunkler Farbe, viele Winzer favorisierten den Syrah. Nach eingehenden Studien hat man inzwischen gelernt, mit dem Grenache besser umzugehen. Ohne die Bedeutung von Syrah und Mourvèdre zu schmälern, hat sich der Grenache als das Rückgrat des Châteauneuf-du-Pape herauskristallisiert. Allerdings zeigt der rote Châteauneuf-du-Pape seinen wahren Charakter erst im Konzert der Sorten: Bis auf sehr wenige Ausnahmen findet man Grenache zu einem Anteil von 60 bis 80 Prozent in so gut wie jedem Wein der Appellation, neben Syrah und Mourvèdre vervollständigen Cinsault, Counoise, Vaccarèse, Muscardin und Terret Noir das Bild. Vom Gesetz her sind weder ein Minimum noch ein Maximum für die Cuvée vorgesehen, reinsortiger Châteauneuf-du-Pape aus Cinsault oder Mourvèdre wäre also erlaubt, wird aber von niemandem erzeugt. Erst in jüngerer Zeit wurden kleinere Mengen ausschließlich aus Grenache hergestellt.

Kraftvoll, warmherzig und langlebig
Von allen Regionen im südlichen Rhônetal ist die Appellation Châteauneuf-du-Pape die international bekannteste. Dabei ist die Anbauzone vergleichsweise klein (kaum größer als jene von Montalcino in Italien), und doch genießen die Weine einen gewaltigen, historisch gewachsenen Ruf: Kraftvoll, warmherzig und langlebig sind sie, ihre wahre Stärke entfalten sie als vielfältige Speisenbegleiter. Geprägt wurde diese kleine, aber feine Weinregion stets von großen, sehr individuellen Winzerpersönlichkeiten wie dem unvergessenen Jacques Reynaud von Château Rayas oder dem heute 75-jährigen Henri Bonneau, der grandiose Jahrgänge der Ré­serve des Célestins kreierte. Daneben sorgten auch große, auf Qualität konzentrierte Weingüter – allen voran Château de Beaucastel – für internationale Präsenz der Weine aus Châteauneuf-du-Pape.

Typisch Châteauneuf: Knorrige alte Rebstöcke und große Kiesel wie hier bei der ­Domaine de la Mordorée / Foto: beigestellt
Typisch Châteauneuf: Knorrige alte Rebstöcke und große Kiesel wie hier bei der ­Domaine de la Mordorée / Foto: beigestellt
Individualität
Entfallen im Bereich der Côtes-du-Rhône-Weine mehr als 70 Prozent auf die Produk­tion durch Winzergenossenschaften, ist Châteauneuf-du-Pape von individuellen Winzern geprägt, die durchweg ihren Wein selbst vermarkten (bis auf die fünf Prozent der Kooperative von Courthézon). Dies führt dazu, dass sich die Erzeuger auch in hohem Maße um eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Rebflächen bemühen – die Tendenz zur biologischen Arbeitsweise ist unübersehbar. In Châteauneuf-du-Pape liegt der Bio-Anteil bereits bei 20 Prozent, der Durchschnitt in ganz Frankreich beträgt etwa 4,5 Prozent. Zur Erhaltung der Biodiversität pflanzen die Winzer verstärkt Obstbäume und legen breite Raine an, die eine Erosion der Böden verhindern und in denen eine Vielzahl von Kräutern wächst.

Feingefühl gefragt
Durch gezielte Arbeit in den Weingärten kann zudem in einem gewissen Maß die Reife der Trauben gesteuert werden – ein Punkt, der in einer relativ heißen Anbauzone von entscheidender Bedeutung ist. In sehr warmen Jahren steigt der Zuckergehalt rasch an, was einen sehr hohen Alkoholwert zur Folge hat, andererseits fehlt es den Trauben an physiologischer Reife, und die Tannine sind zu wenig ausgeprägt. Mit viel Kenntnis in den Weingärten lässt sich der Erntezeitpunkt etwas nach hinten verschieben, wodurch man eine bessere Balance in den Mosten
erreicht.

Unterschiedliche Bedingungen
Neben dem jeweiligen Jahrgang spielt die Lage der Weingärten eine wichtige Rolle. Die nördliche Zone von Grès etwa, die Richtung Orange ausgerichtet ist, verfügt über lehmigere Böden. Diese speichern sehr gut Wasser, und dort werden die Trauben oft zehn Tage später reif als im Süden Richtung Sorgues, wo die Böden durchlässiger sind und sich die Zuckerreife früher einstellt. Im Nordwesten des Anbaugebiets Châteauneuf-du-Pape sind einige Zonen oft von Hagel bedroht, sodass sich die Winzer dort nach Möglichkeit bemühen, ihre Rebflächen auf die Randgebiete zu verteilen, um das Risiko zu reduzieren.

Hintergrund: Die Appellation auf einen Blick

>> Zu den Verkostungsnotizen

Den gesamten Artikel inklusive Jahrgangsanalyse 2009-2011 und Infos zu den raren Weißen der Appellation Châteauneuf-du-Pape sowie einem Best of lesen Sie im aktuellen Falstaff Magazin Nr. 06/2013 – Jetzt im Handel!

Aus Falstaff Nr. 06/2013
Text von Peter Moser

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