»Panama«: Ein Stück Mittelamerika in Berlin

© Philipp Langenheim & Corina Schadendorf

© Philipp Langenheim & Corina Schadendorf

Fernweh verspürt der Spaziergänger entlang der nicht gerade schönen Potsdamer Straße rasch. Nun vermag er der staubigen Schäbigmeile-im-Wandel noch leichter entfliehen, indem er in den Hof der Hausnummer 91 eilt. Hier eröffnete der weitgereiste Fernwehexperte Ludwig Cramer-Klett (Betreiber vom Bio-Restaurant »Katz Orange«, »Candy on Bone« und dem Contemporary Food Lab) jüngst sein neues Restaurant, das er wiederum den Fernwehgefühlen von Bär und Tiger im Jugendbüchlein »Oh, wie schön ist Panama« von Janosch widmete.

Entsprechend international lesen sich die Gerichte und ihre Zutaten im Menü und in der Barkarte. Verantwortlich für die Küchenphilosophie zeichnet Sophia Rudolph, die zuvor in der Weinbar Rutz kochte. Allzu verlockend lesen sich die Kreationen, angepriesen in Kategorien, wie »Rohes«, »Blätter & Blüten«, »Körner & Gemüse« und natürlich »Fisch & Fleisch«: Deutsche Salzwassergarnele, Heidelbeere, Vanille; Radieschen, Buttermilch, geräucherte Nüsse oder Buntes Beet, Anchovis, Wachtelei. Glücklicherweise kann die aufkeimende Neugierde genussvoll befriedigt werden. Das Panama verfolgt munter die Idee des Portionsteilens, was das verkosten möglichst vieler der aromatischen Kompositionen von den farbenfrohen Tellern ermöglicht.

Köstlich die geflämmten Felchen mit dem Crunch von Granola und der säuerlichen Frische der Wacholderbirne. Eine Gaumenexplosion löste das Tatar von Richard's Reh aus, dessen herausragende Fleischqualität lustvoll balanciert von Johannisbeere, Shiitake und Kreuzkümmel umspielt wurde.

Willkommen im Kurzurlaub

Angenehme, beinahe spielerische Entspanntheit strahlen auch die Räumlichkeiten aus. Durchquert der Besucher den historischen, typisch Berliner Industriehof, erwartet ihn die freundliche, helle  Leichtigkeit einer Hacienda. Der überaus freundliche Empfang kündigt bereits das Engagement und die Herzlichkeit des Personals an, die den gesamten Abend begleitet.

Im Erdgeschoss nehmen die Gäste inmitten von allerlei pflanzlicher Deko in entspannten Sesseln oder an der Bar Platz. Bei den sommerlichen Temperaturen ist es hier deutlich kühler als im Obergeschoss, wo helle Hölzer und weiße Wände mit modernen Kunstobjekten die offene Küche umgeben.

So schön ist Panama.
So schön ist Panama.

© Philipp Langenheim & Corina Schadendorf

Ungewöhnlich und zugleich als genial, erwies sich die Weinempfehlung des Sommeliers. Der ungarische Szepsy Tokaji Furmint 2013 schmiegte sich sehr flexibel an die unterschiedlichsten Aromen an. Selbst an die zahlreichen Raucharomen, mit denen die Küchenchefin sehr gerne spielt. Die Desserts hielten den Spannungsbogen aufrecht und forderten den Gaumen mit Rauchpaprika, Koriandersaat oder insbesondere reichlich Estragon an gebackener Banane. Hier hätte sich mancher Gaumen einen etwas entspannteren Ausklang gewünscht.

»Oh, wie schön ist Panama!«

Ist das Fernweh nun noch immer nicht bezwungen, so bietet ein sympathisches Barteam eine weitere flüssige Reise an. Auf den Spuren von Marco Polo führen die Drinks von Jerusalem Old Fashioned zum Bejing Smash.

Also: warum in die Ferne schweifen, wenn ein köstliches und entspanntes Panama gleich um die Ecke liegt. Das hätte auch Janosch gefallen.

Panama Restaurant & Bars
Potsdamer Straße 91
10785 Berlin-Tiergarten

www.oh-panama.com