Oktoberfest 2020 ist abgesagt

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Langsam, aber beharrlich häuften sich zuletzt die guten Nachrichten in der Corona-Krise. Die Infektionsrate ist deutlich gesunken, eine schrittweise Rückkehr zur Normalität scheint möglich. Die kleineren Geschäfte öffnen wieder, in Österreich, das viele deutsche Entwicklungen vorwegnimmt, sperren auch die Gastronomen nach und nach wieder auf. Aus München kommt nun jedoch ein herber Dämpfer. Am Morgen des 21. Aprils haben Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mitgeteilt: Das Oktoberfest findet im Corona-Jahr 2020 nicht statt, sondern voraussichtlich erst wieder ab 18. September 2021.

Dass die Wiesn wie geplant stattfinden würde, war zuletzt bezweifelt worden. Trotzdem hielt sich eine Resthoffnung. Doch die Gründe für eine Absage sind nachvollziehbar. Man müsse sowohl die bayerische Bevölkerung als auch die Besucher aus der ganzen Welt schützen, hieß es auf der Pressekonferenz. Söder bezeichnet sowohl das Après-Ski in Ischgl, Starkbierfeste oder auch Karnevalsveranstaltungen, die alle in der Vergangenheit ohne Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden haben, als »Virendrehscheiben«. Großveranstaltungen sind in Deutschland vorerst bis 31. August untersagt, und das Oktoberfest würde eigentlich drei Wochen nach dieser Zeit liegen. Dennoch waren sich Söder und Reiter einig, »dass das Risiko schlicht und einfach zu hoch ist«, so der Ministerpräsident in der Pressekonferenz.

Auch, wenn bis zum Taxifahrer »alle das Oktoberfest schmerzlich im Geldbeutel vermissen werden«, wie es der Oberbürgermeister formulierte. Die Wiesn bringt der Münchner Wirtschaft jedes Jahr rund 1,2 Milliarden Euro, die in diesem Herbst fehlen werden – zusätzlich zu den Einbußen, die die Schließung von Restaurants, Hotels und Pensionen auf Grund der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus mit sich bringen.

Manche Dinge lernt man erst dann wieder richtig zu schätzen, wenn man sie einmal nicht hat.
Michael Käfer zur Absage des Oktoberfest 2020

Keine Wiesn, das bedeutet auch unter anderem kein Käfer-Zelt. Doch Unternehmer Michael Käfer reagiert auf die Absage mit Verständnis: »Das Oktoberfest abzusagen, war meiner Meinung nach eine vernünftige und nachvollziehbare Entscheidung und ich bin froh, dass Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter sie jetzt schnell getroffen haben. Für uns als Unternehmen ist der Umsatzausfall trotz der allgemein schwierigen Situation noch zu verkraften, aber mir tut es besonders für die vielen Mitarbeiter und kleinere Beschicker wie Aufbaufirmen, Elektriker oder Landwirte leid, die es sicher ungleich schwerer haben. Natürlich ist es unendlich schade, da für mich sehr viel Emotion an der Wiesn hängt und sie für mich seit nunmehr 45 Jahren die schönste Zeit im Jahr ist. Aber wir denken jetzt bereits über 2021 nach und arbeiten daran, das Erlebnis für unsere Gäste noch schöner und unvergesslicher zu machen. Manche Dinge lernt man erst dann wieder richtig zu schätzen, wenn man sie einmal nicht hat – das ist mit dem Oktoberfest sicherlich auch so.«

Das Oktoberfest 2019

Im vergangenen Jahr war noch alles beim Alten, 6,3 Millionen Besucher strömten zwei Wochen lang auf die Theresienwiese. Die Top 10 Besucherländer waren USA, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Niederlande, Schweiz, Italien, Australien, Schweden und Dänemark, aber auch aus anderen Teilen der Welt reisten Gäste für eine Maß auf dem Oktoberfest an. Davon wurden insgesamt 7,3 Millionen getrunken und das, obwohl der Preis für eine Maß teilweise bei 11,80 Euro lag.

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätte, Karl Freller, hat bereits vergangene Woche via Twitter vorgeschlagen, im Falle eines Ausfalls des diesjährigen Oktoberfestes die Wiesn 2021 um eine Woche zu verlängern. Bisher wurde der Vorschlag allerdings noch nicht ernsthaft diskutiert.

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