Nominé Newcomer des Jahres 2020: Maximilian Kusterer

Im namhaften Esslinger Familienbetrieb hebt Maximilian Kusterer die Burgundersorten auf ein neues Niveau.

© Maximilian Kusterer

Im namhaften Esslinger Familienbetrieb hebt Maximilian Kusterer die Burgundersorten auf ein neues Niveau.

© Maximilian Kusterer

Maximilian Kusterer zählt zu den Winzersöhnen, die zunächst wenig Interesse daran zeigten, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Gerade mit 16 oder 17 Jahren, wenn er in den steilen Esslinger Terrassen-Weinbergen »schuften musste, war das kein Traumjob für mich«. Nach dem Abitur reizte ihn ein Sportstudium, um anschließend »vielleicht ins Management einzusteigen«. Auch eine Zukunft als Physiotherapeut konnte er sich vorstellen, aber »ein Leben lang in einem kleinen Zimmer Leute einzurenken«, das konnte es auch nicht sein. Am liebsten wäre er Profi-Handballer geworden, und obwohl er nicht gerade groß gewachsen ist, schaffte er es immerhin bis in die Landesliga mit seiner »Schnelligkeit und Flexibilität«. Aber für Profi-Sport sei er letztendlich »zu klein gewesen«, sagt der 28-Jährige rückblickend.

Als seine Eltern Monika und Hans Kusterer 2010 einen Neubau mitten in den Weinbergen der Esslinger Neckarhalde angingen, spürte er, dass »es zu Hause vorangeht«. Seinem Vater zuliebe begann er ein Praktikum »überm Berg« im Weingut Karl Haidle im Remstal, wo er schnell merkte, dass »Weinbau doch Spaß machen kann«. Beim Studium in Geisenheim, das er im Winter 2011 begann, gehörte er zur schon sagenumwobenen Gruppe mit dem ausgeprägten Burgund-Gen um Friedrich Keller, Tobias Knewitz und Julian Huber. Im Dutzend verkosteten sie an langen Abenden Pinot Noir und Chardonnay, dabei zeichneten sie auch Baupläne für eigene spätere Entwürfe. »Da wurde die Leidenschaft für Spätburgunder entfacht«, sagt Kusterer, der anschließend bewusst alle Praktika bei Pinot-Noir-Spezialisten absolvierte, bei Friedrich Becker in Schweigen, Newton Johnson in Südafrika und bei Paul Fürst in Bürgstadt.


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Im Frühjahr 2016 kehrte Maximilian Kusterer wieder nach Hause zurück, um auch die Verantwortung im Keller zu übernehmen. Aber schon davor nahm er Einfluss auf die Weine, »ich wollte unseren  Spätburgunder verändern«, sagt er, er sollte »mehr Saftigkeit und Trinkigkeit« bekommen. Er führte die Kaltmazeration ein, verlängerte die Maischestandzeiten, vor allem wollte er »weg von zu viel Holz«, und auch die Säure durfte nicht fehlen. Diese Stilistik ist auch beim Grauburgunder Gern zu beobachten, gerade der behutsame Holzeinsatz ist ihm wichtig, es störe ihn, wenn Weine aus dem Barrique »süß und vanillig schmecken«. Er wolle »Feinheit«, sagt Kusterer, es gehe um Details und Nuancen, da spiele auch der neue Gravitationskeller eine große Rolle, in dem die Schwerkraft den Pumpen die Arbeit abnimmt.

Maximilian Kusterer hat während seiner Lehrzeit genau zugehört und zugeschaut, wenn es um feine Pinot Noirs ging, er ist dabei, seine eigene Handschrift zu entwickeln, die sich beim Spätburgunder Rosenholz aus 2016 zeigt, der säureagil und raffiniert auftritt. Der Esslinger hat noch einiges vor, er sei ziemlich ehrgeizig und zielstrebig, »aber auch sein größter Kritiker«. Er sei nicht »allzu laut«, sagt Kusterer, »aber ich weiß genau, was ich will«. Trubel meidet er, in seiner Freizeit brauche er »keinen Ballermann«, lieber ziehe er die Wanderschuhe an. Als Nächstes will er sich verstärkt dem Chardonnay widmen, den er weiter verbessern will. Und im nächsten Jahr soll er das Weingut von seinen Eltern übernehmen – mit noch nicht mal 30 Jahren.


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