Nie wieder Vitello Heilbutto im Hamburger »Trific«

Drei Jahre war das »Trific« eine Empfehlung in Hamburg.

© Trific

Drei Jahre war das »Trific« eine Empfehlung in Hamburg.

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Oliver Trific wirkt gefasst, als Falstaff ihn am Telefon erreicht. Am 15. Mai hat er offiziell verkündet, dass sein Restaurant, das viele Fans in Hamburg hat, zum Ende des Monats schließen wird. »Leider hat es nicht gereicht, um das ›Trific‹ an seinem neuen Standort in ruhige finanzielle Wasser zu bringen«, schrieb er in einem Facebook-Posting. Etliche bedauernde Kommentare darunter zeugen von der Beliebtheit, die sowohl Koch als auch Restaurant genießen.

Zu Einzelheiten wollte sich Trific am Telefon nicht äußern, nur so viel steht fest: Mit einer eigenen Gastronomie habe er abgeschlossen. Er sei 54, eine weitere Restauranteröffnung plane er nicht. »Wenn das vorbei ist, werde ich erstmal ein paar Wochen Urlaub machen.«, so Trific.

Mit der Schließung verliert Hamburg einen weltläufigen Treffpunkt unweit der historischen Speicherstadt. Allein für ein paar Drinks in der unteren Etage mit Blick aufs Nikolaifleet lohnte sich ein Besuch. Während Tanja Trific sich um das stilvolle Interieur kümmerte, gab ihr Mann am Herd die Richtung vor. Seine unkomplizierte und dennoch anspruchsvolle Küche war nicht auf Effekt aus, sondern bestach durch hochwertige Zutaten. Auf einen Stil ließ er sich nie festlegen: Auf der Karte stehen sowohl verfeinerte Klassiker, etwa Spargel mit Sauerampfer und pochiertem Ei, aber auch ausgefallenere Kompositionen wie Seehecht mit Ananas-Salsa und gegrilltem Chicoree.

Vitello Heilbutto

Dafür bewertete ihn Falstaff mit 84 Punkten (1 Gabel), der Guide Michelin prämierte ihn mit einem »BibGourmand«. Eines von Trifics bekanntesten Gerichten ist der »Vitello Heilbutto«: Anstelle von Thunfisch, der diesen italienische Klassiker sonst auszeichnet, wählt Trific fetteren Heilbutt für die Sauce. Dessen Räucheraromen harmonieren wunderbar mit den gebackenen Kapern und rosa gegarten Scheiben vom Kalb.
 
Im Frühjahr 2015 eröffnete Trific sein Restaurant an diesem Standort. Zuvor hatte er sein Publikum jahrelang am Eppendorfer Weg begeistert, bevor er wegen hoher Mieten wechseln musste. Er selbst blickt bisher auf eine spannende Laufbahn: Bevor er sein eigenes Restaurant eröffnete, hat Trific unter anderem für Tim Mälzer gearbeitet, als Foodstylist Rezepte entwickelt und in diversen Restaurants gekocht.
 
Was nach der Schließung mit dem Standort an der Holzbrücke passiert, ist noch ungewiss. Trific selbst weiß nicht, wie es dort weitergeht.

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