Nico Espenschied: Jungwinzer mit Leidenschaft

Der Espenhof in Flonheim. 

© Richard Bord

Der Espenhof in Flonheim. 

© Richard Bord

Flonheim hat an diesem Abend auch den letzten Vorhang aufgezogen und präsentiert sich als gigantisches Panorama mit einer auffallend vielgestaltigen Oberfläche, mit Inseln in unterschiedlichen Größen, Gestalten und Farben. Wo sich vor 30 Millionen Jahren eine subtropische Meereslandschaft ausbreitete, bestaunt man heute eine spektakuläre Naturlandschaft. Selbst mit größter Ignoranz geschlagen, lässt sich dieses bunte Vermächtnis nicht übersehen. 1971 trug man dieses Eldorado für Terroir-Winzer vorerst zu Grabe und verscharrte es auf einer Fläche von 240 Hektar mit dem Vermerk »Binger Berg«. Wie es ein Beamter tatsächlich schaffte, die Lage »La Roche« von der Regelung auszunehmen, bleibt rätselhaft und macht die Sache nicht weniger skurril. Mit seinen deutlich rot schimmernden Terra-Rossa-Böden sticht der »La Roche« deutlich aus der Landschaft hervor.

Nico Espenschied sitzt bei strahlendem Sonnenschein auf einer Bank neben dem berühmten Flonheimer  Trullo, und fast hat es den Anschein, als fühle sich der 29-Jährige ein bisschen alleingelassen. »Das Nahetal lässt sich gerade noch durch die diesige Luft erkennen«, sagt er, »an klaren Tagen kann man hinüber bis in den Rheingau zur Germania schauen.«

Die Nahe, der Rheingau sind Regionen, die über ihre Lage im Großen und Ganzen nicht klagen können. Rheinhessen schon, trotz der Dynamik. An vielen ist die auch schlicht vorbeigegangen. Espenschied weist immer wieder mit einer Mischung aus Sarkasmus und Wonne mit dem Finger auf »Kollegen« und erklärt, wie unnütz und überflüssig ihre Maßnahme zu diesem Zeitpunkt sei. Dass er sich über andere immer wieder echauffieren kann, hat nichts Herablassendes an sich, sondern zeigt, wie wichtig ihm seine Heimat ist, die von anderen schlicht ignoriert wird.

Zerzauste Träubchen, beste Weine

© Lukas Hofstätter

»Rotliegend« gehört in manch anderer Gegend zum begehrtesten Terroir überhaupt. Dazu dieser Name: »La Roche«. Kann eine Vorlage steiler sein? Rund sieben der nur 26 Hektar großen Lage, kann Espenschied heute sein Eigen nennen, wovon der größte Teil mit Riesling bepflanzt ist. Espenschied hat einen Spleen für ertragsarme Klone auf schwachwüchsigen Unterlagen entwickelt. Besonders knickrig zeigt sich einer aus der Saar-Lage, »Schlangengraben« in Wiltingen. Von einem Behang kann man nicht wirklich sprechen, und die wenigen sichtbaren Träubchen sehen arg zerzaust aus. »Das sollen sie auch«, sagt Espenschied, »Trauben, die bei der Lese so aussehen, ergeben meine besten Weine.« Denen man unbedingt anmerkt, dass bei Espenschied Terroir auch am Gaumen Vorfahrt hat. Espenschied jedenfalls zeigt sich bestens gerüstet, falls sich Rheinhessen bald dazu entschließen sollte, noch mal einen Zahn zuzulegen.

www.espenhof.de/lesen/

Tasting Best of Falstaff Talente


Aus Falstaff Deutschland 7/2016

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