Multikulturelle Metropole London: Königreich der Vielfalt

Nirgendwo in Europa treffen (kulinarische) Tradition und Innovation so unmittelbar aufeinander wie in der britischen Kapitale.

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Nirgendwo in Europa treffen (kulinarische) Tradition und Innovation so unmittelbar aufeinander wie in der britischen Kapitale.

Nirgendwo in Europa treffen (kulinarische) Tradition und Innovation so unmittelbar aufeinander wie in der britischen Kapitale.

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http://www.falstaff.de/nd/multikulturelle-metropole-london-koenigreich-der-vielfalt/ Multikulturelle Metropole London: Königreich der Vielfalt Ein Besuch in der britischen Hauptstadt lohnt sich immer. Das liegt auch an der gastronomischen Vielfalt. Falstaff stellt Top-Adressen für Weinliebhaber und Gourmands vor. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/8/f/csm_CityGuide-London-c-shutterstock_551334580_023f55367a.jpg

Im vornehmen »Four Seasons Hotel at Ten Trinity Square«, das sich im Gebäude der ehemaligen Hafenbehörde mit einer spektakulären Säulenfassade und in Sichtweite des Tower of London befindet, treffen die kulinarischen Welten Londons prototypisch aufeinander. Einerseits zelebriert hier Ann-Sophie Pic französische Küche auf höchstem Niveau. Andererseits kommen im »Mei Ume« traditionelle chinesische und japanische Gerichte auf den Tisch. Und für die passenden Weine sorgt mit Jan Konetzki ein Sommelier aus Deutschland. Kulinarische Völkerverständigung the London way.

Nur ein paar Straßenzüge weiter befindet sich »The Ned«, ein Art-Déco-Hoteltraum in der ehemaligen Zentrale der Midland Bank. Hier trifft sich das Publikum in einer Great-Gatsby-Atmosphäre und kann aus insgesamt zehn Restaurants und Bars auswählen, die nahezu alle kulinarischen Richtungen der Metropole widerspiegeln. Und etwas weiter nordwestlich liegt mit dem in einem alten Gerichtsgebäude einquartierten »Sessions Arts Club« eine weitere derzeit top-angesagte Gastro-Adresse der Stadt.

Am anderen Ende des finanziellen Spektrums steht derzeit vor allem der »Maltby Street Market« in Bermondsey südlich der Themse bei Foodies hoch im Kurs. Dort kann man für wenig Geld erstklassiges vietnamesisches Streetfood ebenso probieren wie äthiopische Küche, Austern oder Scotch Eggs – mit Hackfleisch ummantelte harte Eier, die man mit Senf isst.

In Shoreditch im Norden der Stadt befindet sich mit »The Clove Club« eine weitere Must-see-Adresse für Feinschmecker. Es gibt lediglich ein Degustationsmenü und Küchenchef Isaac McHale zeigt in zehn Gängen, was er unter moderner britischer Küche versteht. Da gibt es frische Orkney Scallops oder Parten Bree, ein heißes Töpfchen mit schottischer Seespinne – seine Interpretation einer traditionellen schottischen Suppe.

Als sich die gebürtige Nordirin Clare Smyth, jahrelang Chefköchin bei Gordon Ramsay, im Jahr 2017 den Traum vom eigenen Restaurant erfüllte, waren die Erwartungen sehr hoch. Schon wenige Wochen später war ihr »Core by Clare Smyth« die kulinarische Adresse in London, und es glänzten drei Michelin-Sterne über dem eleganten Restaurant in Notting Hill. Ihr Erfolgsrezept: Intensive Beschäftigung mit einfachen Zutaten. So kombiniert sie etwa eine Kartoffel mit Rogen und verleiht dem Erdapfel auf dem Teller eine zentrale Rolle neben verschiedenen Kaviarsorten.

Doch auch die klassische britische Küche hat nach wie vor ihre Berechtigung. Als George William Wilton 1742 am Haymarket einen Fischladen eröffnete, konnte er nicht ahnen, dass hier 280 Jahre später eines der besten Fischrestaurants der Stadt Gourmets begeistert. Auf der Karte des »Wiltons« stehen Klassiker wie Seezunge und Scholle oder Lammkotelett und Rinderfilet. Sensationell – die dazugehörige Oyster Bar.

Wine & Dine

London ist aber nicht nur ein kulinarischer Schmelztiegel, sondern auch die Weltweinmetropole – und das schon seit Langem: Jahrhunderte britischer Kolonialmacht und politischen Einflusses zementierten Londons Stellung als internationale Drehscheibe für Wein. Noch heute gibt es weltweit keinen Weinmarkt, der dynamischer oder diverser ist. Es gibt nichts, das es nicht gibt – von absoluten Klassikern bis hin zu schrägen Nischen; von alteingesessenen Händlern bis zu Hipster-Start-ups. Londons Weinhandel hat sogar heilige Hallen: nämlich die historische »Vintners Hall« am Themseufer in der City, die geschichtsträchtige Zunft der Weinhändler, die seit dem Jahr 1363 besteht.

Weinaffine Touristen finden in London also ein Mekka vor: Tolle Läden, originelle Weinbars, Restaurants mit enzyklopädischen Weinlisten – aber auch hippe »Urban Wineries« und mittlerweile auch ein breites und aufregendes Angebot an englischen Weinen – allen voran die englischen Schaumweine.

Gegründet vom Duo Dan Keeling und Mark Andrew, zählt das »Noble Rot« heute zu den Größten der Londoner Weinszene.

Gegründet vom Duo Dan Keeling und Mark Andrew, zählt das »Noble Rot« heute zu den Größten der Londoner Weinszene.

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Der erste Anlaufpunkt, egal zu welcher Jahreszeit, ist die originale »Noble Rot Wine Bar« in Bloomsbury. Dort gibt es reife Weine glasweise und eine Weinkarte mit Kultweinen – egal ob der Kult zwei oder 200 Jahre alt ist. Hinzu kommt feinstes, aber ungezwungenes Essen, alles in uriger, holzvertäfelter, historischer Kulisse. Eine zweite »Noble Rot Bar« gibt es nun auch in Soho, aber das Original ist besser. Mindestens 110 Weine im offenen Ausschank gibt es bei »Les 110 de Taillevent«, einem Ableger des Pariser Etablissements – die Bar ist bekannt und beliebt für den Preisrenner des »Champagne of the month« – immer hervorragend, immer preiswert, immer glasweise ausgeschenkt, ein paar Gehminuten vom Oxford Circus. Wer es absolut authentisch mag, sollte sich in »Gordon’s Wine Bar« begeben: wenige Schritte von Charing Cross entfernt, werden Portwein und Sherry bis heute vom Fass gezapft, die Preise sind günstig, das Ambiente urig. Aber Vorsicht: Taschendiebe sind dort gnadenlos. In Covent Garden gibt es ein interessantes Konzept: »The 10 Cases«jeweils zehn Kisten Wein werden gekauft und ausgeschenkt, und damit basta. Also wechselt das Angebot bunt und es gibt immer Neues zu entdecken. Wer sich durch die besten englischen Weine kosten will, ist bei »Bar Rex«, der zum Restaurant »Oxeye« gehörigen Weinbar, am richtigen Platz: die Weinkarte ist ausschließlich britisch.

»Hedonism Wines« versorgt das Londoner »Hide« mit Weinen hoch angesehener Weingüter, aber auch mit versteckten Juwelen der Weinwelt. 

»Hedonism Wines« versorgt das Londoner »Hide« mit Weinen hoch angesehener Weingüter, aber auch mit versteckten Juwelen der Weinwelt. 

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Wem der Sinn nach Shopping steht, sollte zum ältesten und immer noch feinsten Weinladen Londons gehen: bei »Berry Bros. & Rudd« grenzen historische Räume an eine zeitgenössische Boutique mit Enomatic-Maschinen zum Verkosten. Enomatic-Verkostung wird auch bei »Hedonism« groß geschrieben: Penfolds oder Yquem schluckweise kaufen? Hier ist es möglich. Außerdem gibt es auch Weinbücher und Accessoires. »Oeno House« in der City spezialisiert sich auf »rare und ikonische« Weine, schenkt aber auch Weine auf der kleinen Terrasse im Freien aus.

Natürlich hat London zahllose Restaurants mit beeindruckenden Weinkarten, einige davon sind bemerkenswert. Das »Hedonism«-Team bringt seine Weinexpertise etwa auch in die Fine Dining-Szene mit dem Weinrestaurant »Hide« am Green Park. Das Projekt mit Chefkoch Ollie Dabbous ist Michelin-besternt, Gästen wird empfohlen, die unglaubliche Weinliste bereits vor dem Besuch zu studieren. Burgunderliebhaber sollten in die City gehen, zu »Cabotte«. Das französische Restaurant wurde vom Master Sommelier-Dreamteam Xavier Rousset und Gearoid Devaney gegründet und arbeitet direkt mit burgundischen Topweingütern. Bei »Medlar« in Chelsea ist gediegene Küche und vorzüglicher Wein ein Magnet für Insider und Weinprofis, die sich hier gerne gesellen. Noch weiter im Westen, in Chiswick, können Weinliebhaber im »La Trompette« in die eklektische Weinwelt von Sommelier Donald Edwards eintauchen – das Michelin-gekürte Schwesternrestaurant »Chez Bruce« ist seit Jahren ein Dauerbrenner unter Weinliebhabern. Die hipperen Weinprofis treffen sich bei »Brat« in Shoreditch im Osten – hier gibt es Seltenes aus einer alternativen Welt, v. a. unter der Rubrik »Off the Beaten Track«. Und auch in Hackney gibt es Kultweine der Alternativszene zu finden, und zwar bei »Planque«.


Original Pub Food

»Pub« ist eine Abkürzung für »public«, also »öffentlich«. Und diese »public houses« gelten auf der Insel noch immer als Institution.

Was wäre eine London-Visite ohne einen Pub-Besuch? Mit viel dunklem Holz, Mosaikfußböden und fein geschliffenen Glasscheiben verströmen viele historische Pubs ein unvergleichliches Flair. Nach Büroschluss bilden sich Menschentrauben, bei schönem Wetter steht man auch gerne draußen. Der Gerstensaft fließt in Strömen per Handpumpe ins Pint-Glas. Bezahlt wird gleich an der Theke. Und was gibt es zu essen? Viele Pubs haben gastronomisch aufgerüstet. Sie bieten Fish & Chips und Sandwiches in ausgezeichneter Qualität. Da geht lecker-knuspriger Schellfisch im Backteig mit grob geschnitzten Pommes über den Tresen, dazu eine hausgemachte Tartar-Sauce. Die Sandwiches sind fein mit Lachs, Schinken, englischem Stilton-Käse oder Cheddar belegt. Köstlich auch Cornish Pasties – kleine Pasteten, gefüllt mit Fleisch oder knackig-frischem Gemüse. Gern bestellt werden auch leichte Garnelensalate.

Der beliebte britische Klassiker Fish & Chips.

Der beliebte britische Klassiker Fish & Chips.

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Urban Wineries

Londoner Wein gibt es mittlerweile auch: Das Ehepaar Lynsey und Sergio Verrillo keltert in seiner »Blackbook Winery« in Battersea seit 2017 Weine ausschließlich aus englischen Trauben, die wirklich überzeugen. Die erste »urban winery« war aber »London Cru« in Fulham, seit 2013 wird dort Wein gemacht, zunächst aus französischen Trauben, seit 2017 wird nur noch mit englischer Frucht gearbeitet. Ebenfalls in Battersea ist »Vagabond« – die Trauben sind allesamt von Weinbergen, die nicht mehr als zwei Stunden von London entfernt sind. In der Winery gibt es auch eine Weinbar, wo man durch Enomatic-Technik über 100 Weine aus aller Welt verkosten oder glasweise trinken kann. Im Osten in Bethnal Green ist »Renegade«, wo Trauben aus ganz Europa zu einer Vielzahl von Weinen gekeltert werden – alternativ, frech und erfrischend anders. Und eine Weinbar gibt es auch.


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2022
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