Low Budget – High Class

Auf Design setzt auch das Wiener Boutique-Hotel »Lamée«. Die Rooftop-Bar des Hauses wurde 2017 runderneuert. 

© Katharina Gossow

Auf Design setzt auch das Wiener Boutique-Hotel »Lamée«. Die Rooftop-Bar des Hauses wurde 2017 runderneuert. 

© Katharina Gossow

Paradigmenwechsel sorgen üblicherweise für Bruchlinien. In Zeiten von Airbnb und Sharing Economy hat sich auch das Hotelwesen stark verändert. Einerseits, weil man auf die neuen Gegebenheiten und die »private« Konkurrenz reagieren musste. Andererseits haben sich auch die Bedürfnisse und Wünsche der Städtereisenden modifiziert. 

So entstanden in den letzten Jahren immer mehr neue Hotelmarken, die mit interessanten Konzepten junge Gäste ansprechen wollen. Mit Verve, denn als Nischenplayer wollen sich die neuen Hotels definitiv nicht etablieren. Das sieht man gut an den relativ jungen deutschen Hotelketten »25hours« und »Ruby«, die auch in Wien Häuser betreiben. Das Ziel, mit einem Top-Preis-Leistungs-Verhältnis Weekend-Tripster anzulocken, ist dasselbe, der Weg dorthin ein wenig unterschiedlich. »Ruby« Gründer Michael Struck setzt dabei voll auf, wie er es nennt, »Lean Luxury«. Dabei sucht man sich eine gute Lage im Zentrum der Metropole und bietet dann Design und hochwertige Zimmer zu einem schlanken Preis. Roomservice und Minibar werden weggelassen. In kleinen Zimmern wird höchster Komfort geboten. Ein eigenes Hotelrestaurant gibt es nicht, dafür Bars, die fast rund um die Uhr geöffnet haben. Die Rechnung geht auf. Mittlerweile führt die »Ruby« Kette drei Designhotels in Wien. 

Die Münchner Design-Hotelkette »Ruby« hat in Wien gleich drei Hotels am Start. Das »Ruby Lissi« in der Alten Post ist der neueste Zuwachs. 

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Neben dem Museumsquartier in Wien hat sich »25hours« vor vier Jahren niedergelassen. Die Kette plant 2018 eine Hoteleröffnung in Paris. 

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Design Gewinnt

Auch für Mitbewerber »25hours«, seit vier Jahren in Wien vertreten, läuft das Hotelbusiness nicht schlecht. Nicht ganz so abgespeckt im Erscheinungsbild wie »Ruby«, macht sich das deutsche Unternehmen daran, Expansionspläne zu verwirklichen. Im Vorjahr wurden 30 Prozent der Firmenanteile an die Accor-Hotels verkauft, 2018 eröffnet man die erste Dependance in Paris, Melbourne und Mumbai sollen folgen. Und je nach Stadt werden in gewohnter »25hours«-Manier die Zimmer einem Leitmotiv untergeordnet. Dabei arbeitet die Hotelkette traditionell mit hippen Innen­architektur- und Designbüros zusammen und schafft den komplizierten Spagat zwischen Wiedererkennungswert und größtmöglichem Unterschied zu den Schwesterhotels der Kette.

Design steht auch im Mittelpunkt des ­Wiener City-Hotels »Lamée«. Das Haus, das zum Immobilien-Universum des Wiener Investors Martin Lenikus gehört, war das erste nachhaltig gebaute Innenstadthotel. Ein grünes Luxushotel sozusagen, das Designanspruch und Ökobewusstsein unter einen Hut bringt. Dabei wird übrigens – auch das ist ein Erfolgsrezept – nicht nur auf Nächtigungsgäste gesetzt, das Restaurant »Bloom« und vor allem die farbenprächtige Rooftop-Bar sorgen für regen Besucherzuspruch. Man sieht: Der Hotelmarkt bewegt sich.