Lifehack: Das große Loft-Einmaleins

Trick mit der Schiebetür: Vor allem bei kleinen Grundrissen wie hier in Moskau-Sokolniki empfiehlt es sich, mehrfach nutzbare Raummöbel einzubauen.

© korbaza.houzz.ru

Trick mit der Schiebetür: Vor allem bei kleinen Grundrissen wie hier in Moskau-Sokolniki empfiehlt es sich, mehrfach nutzbare Raummöbel einzubauen.

© korbaza.houzz.ru

Der Nordwesten Berlins ist, wie viele andere Stadtränder auch, geprägt von alten Fabrikbauten, aufgelassenen Werkstätten und riesigen, längst nicht mehr benötigten Lagerhallen. Viele der historischen Gewerbebauten wurden in den letzten Jahren zu neuem Leben erweckt und werden heute von Kreativen, Kulturschaffenden und Vintage liebenden Jungfamilien als Wohnsitz genutzt. So auch jenes Loft im Stadtteil Wedding, das das Berliner Architekturbüro Designyougo für ein junges Pärchen plante. Wo einst eine Remise und später eine Kfz-Werkstatt war, wird heute auf 220 Quadratmetern abenteuerlich gelebt und gearbeitet.

Kokon aus Holz: Hinter dieser bauchigen Holzskulptur verbirgt sich ein Gästeschlafzimmer. Über ein Oberlicht wird die ungewöhnliche Koje mit Tageslicht versorgt.

© www.designyougo.de

Inmitten der rohen Ziegelwände, dunkel lackierten Stahlträger und nackten, geschliffenen Estrichböden wölbt sich plötzlich – wie ein außerirdisches Objekt – ein hölzerner Kokon in den Raum. Die bauchige Skulptur, die aus Konstruktionsvollholz gefertigt wurde, dient als ungewöhnlich getarnte Schlafkoje für Gäste. Wie ein Rüssel streckt sich der Raum zur Decke, um dort über ein Oberlicht wertvolles Tageslicht einzufangen und zu den dösenden Besuchern nach unten zu leiten. »Das Gästezimmer haben wir als 3-D-Modell entworfen«, erklärt Mathis -Malchow, der »Designyougo« mit seinem Partner Sebastian Gmelin betreibt. »Vor allem bei so organischen, unregelmäßigen Formen wie hier hat das viele Vorteile.« Die genauen Zuschnittmaße der insgesamt 850 Einzelteile wurden generisch entwickelt. Das Programm zur Berechnung der Stückformate, Dübelpositionen und Schraubenlöcher haben die Architekten selbst geschrieben. Zusammengebaut wurde die Hightech-Skulptur schließlich von einem Bremer Zimmermannsunternehmen.

Hinter den kristallin geformten Wandscheiben aus Trockenbau verbergen sich Garderobe und Arbeitsbereiche. Die frei stehenden Elemente wurden vom Tischler gebaut und schaffen trotz n Loftigkeit etwas Privatsphäre.

© www.designyougo.de

Kontraste sorgen für Wirkung

»Wo es möglich war, haben wir die neuen Wände und Zimmerunterteilungen nicht bis zur Decke hochgezogen, sondern etwas niedriger ausgeführt«, erklärt Malchow. »Bei Renovierungen wird oft die Großzügigkeit bestehender Räume zerstört. Der Trick ist, die Decke freizuhalten. Je mehr man von ihr sehen kann, desto weiter ist das Raumgefühl. Vor allem bei Lofts ist das sehr wichtig.« Der Blick auf das historische Ziegelgewölbe, auf die sogenannte Preußische Kappe, lässt den Raum in seiner ursprünglichen Größe erscheinen, obwohl die einzelnen Funktionen klar ­unterteilt sind.

»Außerdem kann ich jedem Bauherrn raten, so viel wie möglich von der alten Bausubstanz zu erhalten und das industrielle Flair mit neuen, edlen Elementen zu kombinieren.« Meist empfiehlt es sich, den Fabriksraum zu entkernen und den Kontrast zwischen Alt und Neu, zwischen bestehendem Backstein-Look und funktionalen Eingriffen deutlich herauszuarbeiten. Im Falle des Berliner Lofts wurden die alten Wände und Gewölbe lediglich sandgestrahlt und von alten Farb- und Putzschichten befreit. Das Budget konzentriert sich auf die Neubaumaßnahmen. Wenn man das befolgt, so der Experte, könne man ein Loft bereits um ein paar hundert Euro pro Quadratmeter sanieren und revitalisieren. 

»Bei Renovierungen wird oft die Großzügigkeit zerstört. Der Trick ist, die Decke freizuhalten. Je mehr man von ihr sehen kann, desto weiter ist das Raumgefühl. Vor allem bei Lofts ist das sehr wichtig.« 

Das Daybed steht je nach Position der Schiebewände mal im Wohnzimmer, mal im Schlafzimmer.

© korbaza.houzz.ru

Fläche sparen und optisch Größe erhalten lässt sich auch mit mobilen Elementen. In einer ehemaligen Textilfabrik im Moskauer Stadtteil Sokolniki haben Ella und Nathan Korneva einen Raum im Raum gebaut. Je nach Bedarf lässt sich das Bettsofa mal dem Wohnzimmer und mal dem Schlafzimmer zuschlagen. Über hölzerne, stoffbespannte Schiebetüren kann die Funktion mit einem einzigen Handgriff gewandelt werden. »Unsere Tochter Sonja studiert in Japan und kommt nur in den Ferien zu Besuch«, sagt Ella Korneva. »Daher haben wir ihr Zimmer so gestaltet, dass wir es den Großteil des Jahres als unseren eigenen Wohnbereich nutzen können.«

In Moskau hat Crosby Studios Raumtrennungen mit Rohstahl und Glas vorgenommen. Dazu gibt es geschliffenen Estrichboden und Sichtbetondecke.

© crosby-studios.com

Mobilität schafft Raum

Obwohl das Miniloft nur 60 Quadratmeter Wohnfläche bietet, fühlt es sich luftig und großzügig an. Hinter dem raffinierten Raumimplantat lugen alte Backsteinwände und unverkleidete Installationsleitungen hervor. »Ich habe viel herumexperimentiert und verschiedene Alterungs-, Putz- und Grisaille-Techniken ausprobiert, und zwar solange, bis ich das gewünschte Ergebnis hatte«, erinnert sich Kor­neva und vergleicht ihr Loft mit New York: »Man hat das Gefühl, direkt in der 12th Avenue zu wohnen.« In der nordspanischen Küstenstadt Salinas haben die PKMN-Architekten ein ebenso wandelbares Loft gebaut, das die Bewohner mittels einer sich drehenden Wand je nach Belieben verändern können. »Das Apartment hat nur 70 Quadratmeter, und dennoch kann es vielen verschiedenen Bedürfnissen angepasst werden«, erklärt Architekt David Pérez. Der Korpus besteht aus einem Stahlrahmen, der anschließend mit weiß lackiertem Holz verkleidet wurde. Auf versteckten Rollen dreht sich das Multifunktionsmöbel um die eigene Achse. 

»Konzentriert man sich beim Sanierungsbudget auf Neubaumaßnahmen, lässt sich ein Loft bereits um ein paar hundert Euro pro Quadratmeter revitalisieren.«

Flexibilität pur: Der Spiegelschrank dient gleichzeitig als Raumtrenner für das Schlafzimmer

© korbaza.houzz.ru

In der nordspanischen Küstenstadt Salinas haben die PKMN-Architekten ein ebenso wandelbares Loft gebaut, das die Bewohner mittels einer sich drehenden Wand je nach Belieben verändern können. »Das Apartment hat nur 70 Quadratmeter, und dennoch kann es vielen verschiedenen Bedürfnissen angepasst werden«, erklärt Architekt David Pérez. Der Korpus besteht aus einem Stahlrahmen, der anschließend mit weiß lackiertem Holz verkleidet wurde. Auf versteckten Rollen dreht sich das Multifunktionsmöbel um die eigene Achse. Jenseits aller raffinierten und planungs­intensiven Methoden ist die einfachste Art, Großzügigkeit und industriellen Charme zu erhalten, immer noch der Einsatz von Rohstahl und Glas. In einem Loft in Moskau hat das renommierte russische Architekturbüro Crosby Studios den Wohn- und Schlafbereich mit einer Glaswand abgetrennt. Statt einer Couch baumelt eine mit Polstern bestückte Hängematte von der Decke. So muss Fabrik.

In Salinas in Spanien haben die PKMN-Architekten ein Loft mit einem sich drehenden Multifunktionsmöbel geplant. Auf diese Weise kann der Grundriss mit einem einzigen Handgriff verändert werden. 

© eeestudio.es

Mehr zum Thema

News

My City: Ein architektonischer Rundgang durch Brüssel

Lionel Devlieger, ein Gründungsmitglied des Brüsseler Kollektivs Rotor, sprach mit LIVING über seine persönlichen Architektur-Highlights seiner Stadt...

News

Marktstabilität International: Kopf hoch in der Immobilienbranche

Die internationalen Märkte sind ins Strudeln gekommen, überall herrscht Unsicherheit. Die Immobiliengeschäfte rund um den Globus erweisen sich...

News

Immo der Woche: »Chalet K« - ein Meisterwerk mit traumhaftem Kaiserblick

Der Name ist Programm. Denn »Chalet K« steht nämlich für die zeitgenössische und sehr elegante Interpretation des Tiroler Chalets. Es ist ein...

Advertorial
News

Immo der Woche: »Waldhäusl«, das entzückende Chalet Nähe Schilift

So stellt man sich das Leben in den Bergen vor. Das neu erbaute »Waldhäusl« mutet an, als ob es schon ewig an diesem idyllischen Platz am Waldrand...

Advertorial
News

»Winter Station«-Wettbewerb in Toronto: Wiener Design-Studio unter den Gewinnern

In der größten Stadt Kanadas fand zum siebten Mal der »Winter Station«-Wettbewerb statt. Ein internationaler Design-Contest, bei dem Künstler...

News

Ken-Fulk-Masterpiece: »Das Gefühl der Finesse vermitteln«

Eines von Ken Fulks aufwendigsten Projekten liegt in Lourmarin, einem bezaubernden Dorf in der Provence. Mit viel Engagement hat der US-Designer hier...

News

Wohnen im Schloss: Rückkehr zur Tradition

Das Interesse an Schlössern als Immobilie erlebte in den letzten zehn Jahren seine Hochs und Tiefs – doch die Kurve zeigt 2020 steil nach oben. Das...

News

Kaleidoscope, Tianshui

LIVING präsentiert die beeindruckendsten Architektur-Juwelen der Welt. Dieses Mal geht es nach Tianshui.

News

Freiheitsgefühl pur – Am Wasser und in der Stadt

Eigentums- und Mietwohnungen, dort wo Wien am schönsten ist.

Advertorial
News

Homestory: Faszination Südafrika

Atemberaubende Ausblicke: eine strahlend weiße Ferien­residenz in der unberührten Berg- und Buschlandschaft Südafrikas, inszeniert im Zusammenspiel...

News

Die schönsten Patios

Atrien und Patios sind mehr als nur Löcher im Grundriss. Quer durch die Geschichte und quer durch alle Klimata hat sich das Hofhaus zu einem...

News

Edge, New York City

LIVING präsentiert die beeindruckendsten Architektur-Juwelen der Welt. Dieses Mal geht es nach New York.

News

Architektur Trends 2020

Architekten formen die Zukunft, sie kreieren die Bühne für unser Leben. Ihnen zur Verfügung stehen immer beeindruckendere technische Errungenschaften...

News

Natürliche Baustoffe

Ökologische und klimaneutrale Baustoffe erleben derzeit einen regelrechten Hype. Nicht nur aus Holz, sondern auch aus Lehm, Stroh und sogar Bambus...

News

Homestory: Über den Dächern von Paris

Ein filmreifes Zusammenspiel aus französischem Savoir-faire, internationalem Geschmack und inspirierender Kunst – Designer Fabrice Juan inszenierte...

News

Homestory: Das Spiel mit der Poesie

Gleich mehrere Filme könnten in dem fantastischen Apartment von Interior-Designer Hervé Van der Straeten abgedreht werden. Denn jeder Winkel erzählt...

News

Architektur Icons: Amorepacific Headquarters, Seoul

LIVING präsentiert die beeindruckendsten Architektur-Juwelen der Welt. Dieses Mal geht es nach Südkorea.

News

Homeoffice leicht gemacht

Wie richte ich mein eigenes Homeoffice ein? Was sind die Vor- und Nachteile? Und worauf ist bei der Gestaltung und Möblierung besonders zu achten?

News

»Palais Principe« – das High-End-Penthouse in Wien

Wiener Flair und exquisite Ausstattungsdetails über den Dächern der Stadt. Das »Palais Principe« lässt die Herzen der Designliebhaber höher schlagen...

Advertorial
News

Luxury Works

Wie viel Komfort darf im Büro sein? Und wie definieren sich Überfluss und Überschwang im Arbeitskontext heutzutage? Ein paar aktuelle Beispiele zeigen...