Libero und Teamplayer: Oliver Donnecker

Oliver Donnecker: Sommelier und Geschäftsführer in der »Heimat«.

© Peter Niepagenkemper

Oliver Donnecker: Sommelier und Geschäftsführer in der »Heimat«.

© Peter Niepagenkemper

Am Ende des Interviews – der Journalist muss zurück zum Bahnhof – stürmt Oliver Donnecker auf die Straße vor sein Restaurant »Heimat« und winkt mit den Armen, ein Hüne im roten Shirt. Ehe man sich versieht, legt auch schon ein Taxi eine Vollbremsung auf Frankfurts vierspuriger Berliner Straße hin. Eindeutig: Der Mann erzielt Wirkung.  

Erst BWL, dann Literaturhaus

Eine Art Leuchtturm ist Donnecker heute auch beruflich, darum erkor ihn die Falstaff-Jury zum Sommelier des Jahres: 500 Weine listet die Karte des kleinen, aber feinen Restaurants »Heimat«, darunter Rares, Gereiftes  und stets mit erkennbarem Sachverstand Ausgewähltes. Dabei kam der gebürtige Frankfurter auf verschlungenen Wegen zu seinem Beruf. »Ich habe BWL studiert, Per-sonalwesen und Organisationstheorie waren mein Thema, habe dann aber wegen einer einzigen Prüfung das Diplom nicht geschafft. Ich hätte von einer Härtefallregelung profitieren können, das wollte ich aber nicht. Dann bin ich erstmal viel mit dem Motorrad durch die Gegend gefahren.«

Es ist selten, dass Menschen bei der Schilderung ihres Lebensweges so explizit über Motive des Scheiterns sprechen. Donnecker tut es – auf würdevolle Art: »Das war anfangs auch nicht leicht. Du gehst von der Uni und kriegst das Papier nicht. Aber der Bypass in die Gastronomie kam schon während der Studienzeit zustande. Ich habe in Cocktailbars angefangen. Das war interessant, weil da Mädels an der Bar waren. Wein war damals für mich nicht wirklich spannend. Die schweren Brunellos, die mein Vater trank, die waren gar nichts für mich. Dann habe ich Klaus-Peter Kofler kennengelernt, noch vor der Diplomprüfung. Bei ihm war ich Trainee, habe auch im Catering gearbeitet. Veranstaltungen für mehrere hundert Leute zu machen – das war lehrreich.«

Für Donnecker war dieses Rad jedoch auf Dauer zu hektisch. Durch seine damals neue Freundin – neunzehn Jahre später sind die beiden immer noch ein Paar – gelangte er ins Literaturhaus-Café. Der dortige Patron Franz Zlumka führte Donnecker an den Wein heran: »Er sagte: ›Hab’ keine Scheu, mach’ die Flaschen auf, probier’!‹ Das war eine wilde Zeit im Literaturhaus, Burgunder und Bordeaux wurden kistenweise aufgemacht. Da ging es los mit meiner Wein-Leidenschaft. Vielleicht war es auch da das erste Mal, dass ich wirklich große Weine probieren konnte.«

Die Entdeckung der »Heimat«

Die Eleganz der 1950er-Jahre prägt den Bau der »Heimat« – und ebenso die Inneneinrichtung.

Die Eleganz der 1950er-Jahre prägt den Bau der »Heimat« – und ebenso die Inneneinrichtung.

Foto beigestellt

Donnecker spricht mit großem Drive, wenn er von dieser Zeit erzählt. Gab es ein Schlüsselerlebnis? »Chardonnays aus Burgund, das hat mich abgeholt. Diese Kraft – und zugleich diese Finesse. Mit Burgund merkte ich, da bin ich in einer anderen Klasse.« 

Als im Literaturhaus-Café eines Tages der Betrieb wegen Baumaßnahmen ruhte, ergab sich die Gelegenheit, die »Heimat« zu pachten. »Meine Freundin Sabine und ich wohnen hier in der Gegend, sind jahrelang an dem Gebäude vorbeigelaufen, als es leerstand. Dann kam auf einmal die Gelegenheit, das zu pachten.« Seitdem ist Donnecker zu Hause. »Kontinuität«, sagt er. »Und wenn ich ›ich‹ sage, meine ich immer ›wir‹, also unsere beiden anderen Sommeliers Christian Totzek und David Roßkopf sowie in der Küche Gregor Nowak und Tanja Sönke.«

Gericht aus der »Heimat«-Küche, zubereitet von Gregor Nowak und Tanja Sönke: Kaninchenrücken mit Kartoffel Focaccia, Karotte, Olive und Kapern.

© Michael Hudler

INFO

Heimat
Berliner Straße 7060311,
Frankfurt am Main
Hessen

info@heimat-restaurant.de
www.heimat-restaurant.de

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 02/2017.

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