Languedoc: Qualitätsweine aus dem Süden Frankreichs

Die historische Stadt Carcassonne ist eines der Zentren des Languedoc.

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Die historische Stadt Carcassonne ist eines der Zentren des Languedoc.

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Das Languedoc im Süden Frankreichs ist das größte Weinbaugebiet des Landes. Es erstreckt sich über drei Départements, nämlich von der Aude über das Herault bis nach Gard, und mit den neu definierten Regional-Appellationen sogar bis an die östlichen Pyrenäen. In diesem riesigen Gebiet liegen aktuell nicht weniger als 36 AOC-geschützte Ursprungsbezeichnungen (Appellation d’Origine Contrôlée), dazu gesellt sich noch eine Vielzahl an Weinen mit IGP (Indication Géographique Protégée), also Weine mit geschützter geografischer Angabe. Diese IPG Sud de France tragen heute entweder die Namen von kulturell bedeutenden Orten, von Plätzen von besonderer Naturschönheit oder von Frauen und Männern, die einen prägenden Einfluss auf Orte in der Region hatten.

Seit den Achtziger­jahren hat sich die enorme Rebfläche des Languedoc zwar von 400.000 Hektar auf etwa 225.000 Hektar nahezu halbiert. Doch noch immer ist die Region die mit Abstand größte Weinbauzone des Landes und trägt mit etwa 13 Millionen Hekto­litern jährlich gut ein Viertel zur gesamten französischen Weinproduktion bei. Zum Vergleich: Das kleine Roussillon verfügt über gerade einmal 6000 Hektar Anbaufläche.

Im Land der 50 Sorten

Das Languedoc weist eine enorme Sortenvielfalt auf. Lässt man die Raritäten weg, die zusammen weniger als 100 Hektar einnehmen, so zählt man noch immer 50 unterschiedliche Varietäten:

  • Vier Rotweinsorten belegen die halbe Rebfläche des Languedoc, wobei der Syrah mit über 40.000 Hektar ganz oben steht, gefolgt von Grenache mit 38.000, Carignan mit 30.000, dem Merlot mit 28.000 Hektar und Cabernet Sauvignon mit 16.500 Hektar.
  • Der Chardonnay liegt mit 14.500 Hektar als meistangebaute Weißweinsorte auf Platz sechs im Gesamt-Ranking, Sauvignon Blanc mit 8500 Hektar auf Rang acht.

Positive Entwicklung

Lange war der Carignan die meistangebaute Sorte der Region – 2004 wurden noch 65.000 Hektar ausgewiesen. Aber während die anderen Top-Rotweinsorten ihre Flächen behaupten konnten, halbierte sich in den letzten 15 Jahren der Carignan-Bestand. Bemerkenswert: Der Anteil der Weißweinsorten ist ungeachtet des Klimawandels von 20 auf 25 Prozent der Gesamtproduktion angestiegen.

Herkunft über Herkunft

»Dynamic« von Château Maris

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Sämtliche Appellationen des Languedoc und ihre jeweiligen Eigenheiten an Klima und Böden aufzuzählen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Daher seien für den Moment einmal jene Crus des Languedoc angeführt, in denen in jüngerer Zeit die Dichte an wertvollen Weinen am größten ist: Corbières Boutenac, La Clape, Minervois La Livinière, Pic Saint Loup und Terrasses du Larzac. Die Appellationen dienen hierbei als Qualitätsindikatoren, denn nicht wenige der allerbesten Weine tragen nur eine »Vin de Pays«-, sprich Landwein-­Herkunft. Unter den Grands Vins du Languedoc versteht man die Produkte aus Cabardès, Clairette du Languedoc, Corbières, Faugères, Fitou, Limoux, Malepère, Minervois, die fortifizierten Muscats aus Frontignan, Lunel, Mireval und Saint-Jean-de-Minervois, Picpoul de Pinet und Saint Chinian. Regionale Herkünfte mit ­der Bezeichnung Languedoc – diese Weine wurden bis 2007 als Coteaux du Languedoc betitelt – führen die Zusatznamen von Cabrières, Grés de Montpellier, La Méjanelle, Montpeyroux, Pézenas, Quatourze, St. Christol, St. Drézéry, St. Georges d’Orques, St. Saturnin, St. Chinian Berlou, St. Chinian Roquebrun und Sommières. Dazu gesellen sich noch IGPs und Vins de Pays sonder Zahl. Gar nicht so einfach, hier den Überblick zu behalten.

Geschichte Pur

»Clos des Truffiers« von La Négly

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Den Anfang in Sachen Weinbau machten hier die Griechen. Ob auch die später im heutigen Languedoc siedelnden Kelten Wein kelterten, ist hingegen umstritten. Als gesichert gilt unter Historikern, dass die Römer in ihrer Kolonie Narbo um das Jahr 125 vor Christus erste Weinberge anlegten. Im Gebiet rund um die Städte Narbonne und Béziers wuchs bald so viel Wein, dass er bis Rom exportiert wurde. Der Pont du Gard sowie die Amphitheater in Nîmes oder Arles sind bestaunenswerte Relikte jener Blütezeit. Im Mittelalter sorgten die Mönche ­der zahlreichen Klöster für erneuten Aufschwung in den Rebbergen. Der Bau des Canal du Midi erleichterte den Transport von Wein und Spirituosen aus dem Süden in Richtung Atlantik. Dank der hohen Nachfrage nach Hochprozentigem aus den Niederlanden wurden ab dem 17. Jahrhundert riesige Menge an Brennwein erzeugt, aus denen Eau de Vie destilliert wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die südlichen Weinbaugebiete mittels Eisenbahn mit Bordeaux und über Lyon mit dem Norden Frankreichs verbunden. Innerhalb weniger Jahre vervierfachte sich danach die Produktionsmenge an Wein im Languedoc. Die Reblaus sorgte für eine unliebsame Unterbrechung der guten Geschäfte, doch dank enormer Neuauspflanzungen mit Hybrid­reben und Bouschet-Züchtungen war das Languedoc um 1900 wieder voll da und ­lieferte zeitweilig bis zu 44 Prozent der gesamten französischen Weinmenge.

Klasse statt Masse

Schritt für Schritt verkam die Region allerdings auch zum Massenproduzenten, algerischer Deckwein wurde zum Ausbessern der immer dünneren Rotweinchen importiert, und so war der Panscherei im großen Stil Tür und Tor geöffnet. Da die kleinen Winzer so nicht überleben konnten, schlossen sie sich zu Hunderten von Winzergenossenschaften zusammen, um die Nachfrage nach preiswerten Vins de Pays abzudecken. Die Vignerons des Languedoc haben schon dank ihrer beträchtlichen Zahl einiges politisches Gewicht, das sie auch lautstark und teils mit radikalen Mitteln zu nützen wissen. Das große Gebiet besitzt herausragende Bedingungen, um erstklassige Weine zu erzeugen. Und doch galten die Weine aus dem Süden Frankreichs lange als billige Massenware ohne Anspruch auf weitere Beachtung.

Das an sich gute Image des Languedoc wurde im 20. Jahrhundert durch eine Periode liebloser Behandlung der Weinberge, das Auspflanzen ertragsorientierter Rebsorten und ein ostblockähnliches Genossenschaftssystem nachhaltig ramponiert. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde mit viel Fleiß daran gearbeitet, den Ruf des Languedoc wieder auf Vordermann zu bringen. Die Rebflächen wurden drastisch reduziert, bei den Sorten auf Qualität statt auf Ertrag geachtet, der Herkunfts­charakter in den Vordergrund gerückt. Heute ist das einst geschmähte Languedoc in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterregion. Nicht zuletzt das preiswerte Land hat aber auch neue Investoren und Quereinsteiger dazu inspiriert, es mit Klasse statt Masse zu versuchen und so dazu beigetragen, einen Wandel anzustoßen. Heute gibt es in Frankreich keine Weinbauregion mit einem höheren Anteil an zertifizierten Bio-Weinen als das Languedoc.

Qualitätspioniere

Schon vor Jahrzehnten machte sich der Önologe Georges Bertrand aus Corbières als Berater von Val d’Orbieu einen guten Namen, seine Appellationsweine sind heute ein optimaler Preis-Leistungs-Einstieg in die Welt des Languedoc. Die Familie de Fournas Fabrezan stärkte mit ihrem Château ­de Pouzols das Image von Minervois, im Örtchen Aniane fand der legendäre Geologe Henri Enjalbert ein Terroir, das ihn an die Côte d’Or im Burgund erinnerte. Der Besitzer des Weinbergs, Aimé Guibert, engagierte daraufhin mit Emile Peynaud den besten Berater seiner Zeit und legte los. Sein »Mas Daumas de Gassac« zählt in Rot wie Weiß bis heute zu den besten Weinen des Languedoc. Guibert war es auch, der höchstpersönlich verhinderte, dass sich Robert Mondavi in Aniane mit einem Projekt ansiedeln konnte, weil er kein »Wein-Disneyland« haben wollte.

Preiswerte Bioweine

In unmittelbarer Nachbarschaft etablierte Anfang der Neunzigerjahre Laurent Vaillé sein biodynamisches Projekt, zehn Hektar bewirtschaftet er für den gesuchten, legendenumwobenen »La Grange des Pères«. Eine weitere Persönlichkeit in der Erfolgsgeschichte des Languedoc ist Pierre Clavel, der in La Méjanelle ein Terroir entdeckt hat, das fast ident mit dem Kiesboden von Châteauneuf-du-Pape ist. Seine überaus preiswerten, qualitätsvollen Bioweine, allen voran die »Copa Santa«, werden weltweit geschätzt. Der Informatiker Rémy Pédréno stiegt erst vor 20 Jahren in den Weinbau ein. Sein auf kalkreichen Tonböden gewachsener »Roc d’Anglade« ist der leichtfüßigste, burgundischste und zugleich trinkfreudigste aus dem Langudeoc. Vor mehr als 20 Jahren überzeugte auch Olivier Jullien seinen Vater, aus der Genossenschaft auszutreten und die wunderbaren Trauben aus der heute hochgeschätzen Appellation Terrasses du Larzac selbst zu vinifizieren. Die Weine von Mas Jullien gefallen durch ihre Eleganz und Natürlichkeit und das Fehlen jeglichen Anflugs von Konzentration.

Die größten Weine des Languedoc

Die jüngere Geschichte dieser Region beherrscht das Weingut La Pèira in Jonquieres. Vor 15 Jahren hat der australische Komponist Rob Dougan hier Weingärten erworben und seine Weine mithilfe von Audrey Bonnet-Koenig an die Spitze katapultiert. Und auf Château Maris im Minervois entstehen ebenso faszinierende Weine und Ikonen der Biodynamie wie auf Château La Négly bei La Clape, wo unter Beratung des Önologen Claude Gros die größten Weine des Languedoc heranreifen.

Zum »Languedoc 2020« Tasting

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