Landdilemma: Gutes Personal am Land ist rar

»Eder Wohlfühl Hotel«: Für Gäste ein Paradies, für die Mitarbeitersuche schwieriges Terrain.

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»Eder Wohlfühl Hotel«: Für Gäste ein Paradies, für die Mitarbeitersuche schwieriges Terrain.

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Stefan Eder ist ratlos. Wie so viele seiner Kollegen in der Branche. Der 35-Jährige führt das »Eder Wohlfühl Hotel« im steirischen St. Kathrein am Offenegg. Die Gäste lieben die Abgeschiedenheit mitten im Naturpark Almenland und den Charme des 1000-Einwohner-Dorfes. Für die Mitarbeitersuche ist die exponierte Lage jedoch eher ein Hindernis. Und eben das bereitet derzeit so vielen Sorge: Ist es in der Gastronomie und Hotellerie schon in der Stadt schwierig, gutes Personal zu finden, so scheint es am Land beinahe eine unlösbare Aufgabe zu sein. »Es sind sowieso wenig junge Menschen am Markt. Hinzu kommt, dass die Gatsro zunehmend als unattraktiv wahrgenommen wird. Wenn du dann noch in der Pampa bist, wird es richtig schwierig«, erzählt Eder. Um die 20 Mitarbeiter zählt sein Betrieb – offene Stellen in seinem 4-Sterne-Haus hat Eder fast immer zu bieten. Benefits wie freie Logis und Essen zählen inzwischen zum Standard und werden auch im »Eder Wohlfühl Hotel« angeboten. Ganz pragmatisch sieht das Eders Kollege, Tom Riederer, zu Hause in St. Andrä im Sausal und laut »Falstaff Restaurantguide« der beste Koch der Steiermark: »Zahlen muss man gut, sonst bekommt man niemanden, der Flexibilität zeigt.«

»Die Gastro ist leider nicht der attraktivste Arbeitgeber. Wenn du dann noch in der Pampa bist, wird die Mitarbeitersuche richtig knifflig.«
Stefan Eder, Hotelier

Es gibt aber eine weitere schlechte Nachricht: In Zukunft wird es noch einmal schwieriger, Personal zu finden. Vor allem hat das mit der Demografie zu tun. Die arbeitende Bevölkerung in Österreich im erwerbsfähigen Alter schrumpft. Die Statistik Austria rechnet vor, dass bis zum Jahr 2028 knapp 183.000 Personen vom Arbeitsmarkt wegfallen werden. Was die Branche bereits jetzt erlebt und was zukünftig noch härter geführt wird, ist der Kampf um jeden Mitarbeiter. Und da gibt es viele Betriebe, die allein schon aufgrund ihrer Lage eine attraktivere Ausgangsposition haben. Nicht immer muss es die Stadt sein – wichtig für junge Menschen ist, dass rund um den Arbeitsplatz etwas los ist.

Das bestätigt auch Benny Parth. Seiner Familie gehört das Hotel »Yscla« im Tiroler Skimekka Ischgl. Der 28 Jahre junge Parth selbst ist Küchenchef im Hotelrestaurant »Stüva«, aktuell ausgezeichnet mit drei Gault-Millau-Hauben und 93 Punkten im Falstaff-Guide. Um die 45 Mitarbeiter beschäftigt sein Betrieb, davon etwa 15 im Restaurant. »Wir haben den Vorteil, dass wir hier in Ischgl mitten im Geschehen sind. Hier ist immer Action. Das lockt junge Mitarbeiter an«, so Parth. Zu freier Kost und Logis kommen noch Ermäßigungen für den Skipass und für weitere Freizeitaktivitäten.

Benefits für Mitarbeiter

»Um genau diese Benefits geht es«, sagt ­Florian Schaible, Chef des internationalen Hotelberatungsunternehmens »Flospitality«. »Die meisten Betriebe sind hier noch viel zu unkreativ. Mit freier Kost und Gratis-Wohnen kommt man heute nicht mehr weit. Das bieten fast alle an. Da hebt man sich nicht ab.« Zu Schaibles Kunden zählen Betriebe wie das »Falkensteiner Schlosshotel Velden« oder das Small Luxury Hotel »Goldgasse« in Salzburg. »Betriebe brauchen heute nicht nur eine Sales-Strategie, um Gäste zu akquirieren, sondern auch eine Sales-Strategie, um an gute Mitarbeiter zu kommen. Und ja, das bedeutet, dass man dafür auch Geld ausgeben sollte«, erklärt Schaible. Investitionen, die sich aber bezahlt machen.

Vieles sei auch mit guten Ideen zu bewerkstelligen. »Die Branche hat die Stärke, attraktive Annehmlichkeiten für ihre Mitarbeiter zu bieten. Selbst kleine Häuser können das. Unter Kollegen kann man Gutscheine tauschen, die wiederum dem Personal zugutekommen. So kann man seine Mitarbeiter zum Beispiel auf ein paar Tage Urlaub einladen. Dasselbe ist mit Stages schätzung zu zeigen.« Wer dazu Fortbildungsmöglichkeiten bietet und diese auch bereit ist zu zahlen, stärkt die Bindung zu ­seinen Mitarbeitern und erhöht die Chance, dass diese dem Betrieb lang erhalten bleiben.
Und das zählt immerhin zu den wesentlichen Herausforderungen in einem Markt, in dem der Mitarbeiter beinahe frei seinen Arbeitgeber wählen kann. Jede fünfte freie Stelle, die dem Arbeitsmarktservice (AMS) in Österreich 2016 gemeldet wurde, ist der Branche Gastgewerbe/Fremdenverkehr zuzuschreiben.

»Wer Mitarbeiter haben will, die flexibel sind, muss gutes Geld zahlen. Am Land gilt das noch mehr als in der Stadt.«
Tom Riederer, Koch und Unternehmer

Dass es für Betriebe am Land schwieriger ist, geeignetes Personal zu finden, kann auch das AMS bestätigen. Die Gesamtzahlen: 71 Prozent der Unternehmen haben bereits innerhalb eines Monats die freie Stelle besetzt, 26 Prozent innerhalb von drei Monaten und drei Prozent finden innerhalb von sechs Monaten geeignetes Personal. Aber: »Zu saisonalen Spitzenzeiten greifen Betriebe am Land vor allem auf Saisonarbeitskräfte zurück. Diese kommen mittlerweile zum Großteil aus dem EU-Ausland«, sagt Beate Sprenger vom AMS Österreich. So erlebt das auch Stefan Csar, Küchenchef im Restaurant »Ratschen« am Weingut Wachter-Wiesler im burgenländischen Deutsch-Schützen. »Die Nähe zu Ungarn ist natürlich ein Vorteil für uns«, sagt er. »Obwohl wir im Restaurant nur um die acht Mitarbeiter haben, sind wir trotzdem fast ständig auf der Suche nach Verstärkung.« Diese gelingt vor allem über Empfehlungen. »Man ruft einfach die Kollegen durch«, so Csar.

»Am Land findet man noch eher die stärkeren Charaktere. Mein Tipp: Aktiv auf potenzielle Mitarbeiter zugehen.«
Silvia Trippolt »Zum Bären«, St. Leonhard

Wichtig laut Hotel-Experte Florian Schaible ist es auch, die Benefits für Mitarbeiter klar und öffentlich zu bewerben. »Die Betriebe wenden viel Zeit auf, um auf ihrer Website und mit diversen anderen Mitteln dem Gast zu präsentieren, was das Haus attraktiv macht. Bei den Stellenanzeigen fährt man dagegen das Schmalspurprogramm, anstatt auch hier alle Vorteile, die der Job bietet, detailliert aufzuzählen.« Ehrlichkeit ist auch hier gefragt: Wenn nichts los ist im Ort, dann kann man das ruhig schon mal anführen. Dazu dann aber erwähnen, was sonst möglich ist. Schaible: »Die Branche ist da noch viel zu zurückhaltend.«

Nicht alle sind übrigens der Meinung, dass die Lage am Land ein Nachteil im Finden von Mitarbeitern ist. Silvia Trippolt-Maderbacher vom Lavanttaler Restaurant »Zum Bären« erkennt auch Vorteile: »Am Land findet man eher noch die stärkeren Charaktere. Man muss in der Region schon früh genug Ausschau halten, wer sich von den Jungen für diesen Job eignen könnte, und den Spieß vielleicht sogar umdrehen und sich beim potenziellen zukünftigen Mitarbeiter als möglicher Arbeitgeber vorstellen. Für junge Menschen ist es heute schwierig, in der ­Heimat zu bleiben. Betriebe wie wir bieten sichere Stellen auch über Jahrzehnte.«

Artikel aus Falstaff Karriere 03/17.

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