Kroatien: Weine aus dem Paradies

Mit Blick auf das azurblaue Mittelmeer reifen die Trauben für Kroatiens beste Weine heran.

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Mit Blick auf das azurblaue Mittelmeer reifen die Trauben für Kroatiens beste Weine heran.

Mit Blick auf das azurblaue Mittelmeer reifen die Trauben für Kroatiens beste Weine heran.

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Das Geländefahrzeug – Marke ehemaliger jugoslawischer Armeebestand – taucht unter ohrenbetäubendem Röhren in einen engen, sehr spärlich beleuchteten Stollen ein. Der Tunnel entstand in den 1970er-Jahren und verbindet seither das Dorf Potomje mit Weingärten im Süden, die sich hinter einem Berg befinden. Dort ist die Sicht auf das tiefblaue Mittelmeer spektakulär.

Die steil abfallenden Bergflanken sind 
mit knorrigen, kurzstämmigen Rebstöcken gespickt, die aus hellen Bruchsteinbrocken herausragen. Es ist Juli, acht Uhr früh, das Thermometer zeigt bereits 33 Grad Celsius 
– Tendenz schnell steigend.

»Hier ist das Reich des Plavac Mali, aus dieser Rebsorte wird unser Dingač gekeltert«, sagt Marija Mrgudić, »hier wird alles noch in Handarbeit erledigt. Wenigstens haben wir heute den Tunnel. Der Vater musste mit dem Esel noch stundenlang über den Berg hin und zurück.«

Marija Mrgudić ist Winzerin aus Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Bruder Niko Bura führt sie das Weingut Mrgudić-Bura, eine der Topadressen auf der dalmatinischen Halbinsel Pelješac.
Marijas Lagenwein »Postup Mare« und Nikos »Dingač Bura« sind in dieser Region das Maß der Dinge in Sachen klassischer 
Rotwein: »Diese Steillage ist unser Backofen für die Trauben, da ernten wir im Herbst fast nur Trauben mit Beeren wie kleine Rosinen. Das heißt extreme Konzentration an Zucker und Mineralität. Die Hektarerträge sind wirklich minimal. Reich wirst du da nicht damit.«

Der Dingač ist der Grand Cru Kroatiens, nur eine kleine Zahl von Weinbauern besitzen auf dieser etwa 40 Hektar großen Lage ein Stück Land. Das lockt weinbegeisterte Investoren an.

Weinland mit Potenzial

Unser Jugo-Jeep rattert weiter und hält schließlich an einer Stelle, wo mit schwerem Gerät ein von Gebüsch überwachsener alter Weingarten in eine Neuanlage verwandelt wird. Unvermittelt klettert ein verschwitzter Mann vor uns den staubigen Weg hinauf. Zur allgemeinen Überraschung handelt es sich dabei um den Bordelaiser Starönologen Michel Rolland. Er ist Berater des neuen Weinprojekts Saints Hills, für das hier Gelände gekauft wurde. Damit wird schlagartig klar, dass Kroatien auf der Bühne der großen Weinwelt angekommen ist.

Vor noch nicht allzu langer Zeit hatten 
in Kroatien die Genossen das Sagen, Weinbau war keine Privatsache. Zumindest offiziell. Die schlauen kroatischen Winzer haben es stets verstanden, von den besten Trauben auch ein paar ins eigene Fässchen fallen zu lassen. Eigenkonsum.

Doch diese Zeiten sind vorbei, hvala Bogu – Gott sei Dank! In Windeseile ging ein markanter Qualitätsschub durch die Weinwirtschaft. Drei Faktoren lassen uns heute verstärkt nach kroatischen Weinen Ausschau halten: eine junge Generation mit gut ausgebildeten Winzern; der touristische Aufschwung, der für wachsende Inlandsnachfrage sorgt; und schließlich der Eintritt in den Europä-ischen Wirtschaftsraum, der die Exportchancen deutlich verbessert hat.

Dank regionaler Weinmessen wie der Vinistra in Poreč oder der Dalmacija Wine Expo in Split werden immer bessere Kanäle in den Markt gefunden. Denn die Messen richten sich an Restaurateure ebenso wie an den interessierten Endverbraucher.

Vielzahl an autochthonen Spezialitäten

Neben den klassischen Weißweinen aus Malvazija und Pošip oder den roten Teran- und Plavac-Mali-Weinen stehen den Winzern Hunderte autochthone Spezialitäten, aber auch die international gängigen Sorten zur Verfügung. Und im Bereich Natural Wine machen wagemutige Produzenten mit  Orange Wines und Amphorenweinen auf sich aufmerksam. Die kroatische Weinszene ist in Bewegung wie nie zuvor. »Sobald bei uns der Euro die Kuna als Zahlungsmittel ablöst, wird sich auch im Export mehr tun«,  gibt sich ein Winzer optimistisch.

Luft nach oben

Die Geschichte des kroatischen Wein
baus reicht zwar in die Antike zurück, aber die Uhren wurden hier durch die jüngste Geschichte nochmals auf null gestellt. Wer jetzt investiert, kann den Anschluss an den Weltmarkt schneller finden. Zwar ist in 
den offiziellen Statistiken bereits von einer Anbaufläche von rund 60.000 Hektar die Rede, die Produktionsmengen lagen aber zuletzt bei nur etwa 1,2 Millionen Hektoliter jährlich. Das ist im Vergleich etwa zu Österreich mit 45.000 Hektar und einer Ertragsmenge von durchschnittlich 2,3 Millionen Hektoliter noch eher ertragsschwach und hat noch viel Luft nach oben.

Andererseits erfreut sich vor allem das adriatisch geprägte Istrien bei deutschsprachigen Touristen stark wachsender Beliebtheit, nicht zuletzt weil es ein Urlaubsgebiet ist, das mit dem Auto relativ leicht erreichbar ist. Weinfreunde sind hier ebenfalls richtig, denn hier liegt eines der Hauptanbaugebiete des Landes. Es ist die Heimat der Malvazija Istarska, einer Weißweinsorte, die in Istrien zu einem veritablen Aushängeschild geworden ist.

Malvazija als Paradesorte Istriens

Die Liste der empfehlenswerten Erzeuger ist lang – stilistisch reicht das Profil der Sorte von leichtfüßigem Sommerwein über komplexen Lagenwein bis hin zu Exemplaren, die in Barriques verfeinert oder gar als Orange Wine vinifiziert wurden.

Fix ist: Greift man in einer Taverne oder 
in einem Toprestaurant zu Malvazija, kann man nichts falsch machen. Die Sorte ist gekennzeichnet von einem Hauch Akazienblüten und feiner Birnenfrucht, unterlegt mit einer animierenden Säurestruktur – sie ist der ideale Begleiter für die istrische Küche mit Fisch- und Meeresfrüchten.

Die Liste der empfehlenswerten Winzer 
für Malvazija wird mit jedem Jahr länger. Sie reicht von Kozlović, Matošević, Coronica, Degrassi, Benvenuti, Geržinić, Franc Arman und Radovan bis zu Bruno Trapan. Alternative Stile bietet das Weingut Kabola mit seinem neuen Malvazija »Amfora«, maischevergorene Varianten offerieren Roxanich mit dem »Antica« oder Giorgio Clai mit »Sveti Jakov«. Für Abwechslung sorgt auch der finessenreiche Chardonnay der jungen Domaine Koquelicot.
Nicht nur in der Trüffelzeit bieten der würzige, tiefdunkle Teran von den Karstböden und der säurereiche, sehr kraftvolle Refošk eine gute Abwechslung als Begleiter deftiger Gerichte. Spannende Weine dieser urwüchsigen Sorten produzieren Roxanich und Clai sowie das aufstrebende Weingut namens Piquentum von Dimitri Brečević, der in Frankreich geboren und ausgebildet wurde.

Wer Rotwein aus den klassischen Bordeauxsorten bevorzugt, leistet sich den roten Meneghetti, der für viele Kenner als der beste istrische Rote gilt. Sollten Sie den Winzern einen Besuch abstatten, denken Sie daran, auch Olivenöl zu probieren.

BEST OF – TOP 9 WEINE AUS KROATIEN

Spezialitäten aus der Kvarner Bucht

Die Kvarner Bucht mit ihren Inseln hat nicht nur passionierten Seglern, sondern auch Weinfreunden einige Spezialitäten zu bieten. Auf der Insel Krk widmet sich Ivica Dobrinčić vom Weingut Šipun einer lokalen Rotweinsorte namens Sansigot (Sušćan). Sie dürfte von der Insel Susak in der Kvarner Bucht stammen, die auch unter dem italienischen Namen Sansego bekannt ist. Von Krk selbst, mit dem malerischen Wein
bauhauptort Vrbnik, dürfte die leichtfüßige Weißweinsorte Žlahtina stammen. Deren beste Vertreter bringen die Produzenten Katunar, Šipun, Nada, PZ Vrbnik und Toljanić auf die Flasche. Auf Pag stattet der Weinliebhaber am besten dem Weingut Boškinac, das auch ein hervorragendes Restaurant betreibt, einen Pflichtbesuch ab. Patron Boris Šuljić, berühmt für seine rote Cuvée Boškinac aus Bordeauxsorten, pflegt dort eine uralte Weißweinsorte namens Gegić. Weitere Produzenten auf Pag sind Vina Otoka Paga und Cissa.


Peter Mosers gesamte Weinreise durch Kroatien lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Falstaff Magazins Nr. 03/2016 – Jetzt im Handel!

Top Winzer und empfehlenswerte Weine

Als Orientierungshilfe bei dem vielfältigen Angebot an Sorten und Stilen der kroatischen Weinwelt haben wir die empfehlenswerten Weingüter für Ihren Einkauf (siehe »MEHR ENTDECKEN«) zusammengestellt. In unserem Kroatien-Tasting finden Sie zudem Bezugsquellen und Preise all jener aktuell verkosteten Weine, die wir Ihnen ganz besonders ans Herz legen möchten.

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