Als Head of European Equity Derivates bei Merrill Lynch lernte Hauptmann von japanischen Kollegen, was guter Wein ist. Diese Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los. Er wollte in Wein investieren. / Foto: © Christof Wagner
Als Head of European Equity Derivates bei Merrill Lynch lernte Hauptmann von japanischen Kollegen, was guter Wein ist. Diese Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los. Er wollte in Wein investieren. / Foto: © Christof Wagner

In jungen Jahren trank er lieber Apfelwein und Bier, wie das in seiner Heimat Frankfurt eben üblich ist. Als Karl-Heinz Hauptmann später in London als Banker tätig war, hatte er im Juni 1987 einmal ein Mittagessen mit seinen japanischen Brokern, absolute Weinfreaks. »Wir tranken Haut-Brion 1971, einen Clos de Vougeot Grand Cru 1967 und Lafite Rothschild 1961. Das war noch in der guten alten Zeit vor dem Big Bang, wo man am Nachmittag schon was trinken konnte. Da bin ich aufgewacht und habe festgestellt: Wein ist was Tolles«, erinnert er sich mit Vergnügen.

Reise nach Bordeaux
Eine weitere Fundgrube für Weine zu moderaten Preisen in jener Zeit: die Region um den Genfer See. Hauptmann nahm an Proben bei Weinhändlern teil und fuhr irgendwann nach Bordeaux. »Mir war von Anfang an das Rechte Ufer sympathischer als das mondäne Médoc am Linken Ufer. In Saint-Émilion gibt es eine funktionierende Gesellschaft, die Leute sind noch füreinander da, die Winzer sind auch vor Ort zu Hause. Im Médoc sind es oft anonyme Eigentümer und deren Manager.«

Hauptmanns geschichtsträchtiges bulgarisches Weinguts­projekt »Bessa Valley« / Foto: beigestellt
Hauptmanns geschichtsträchtiges bulgarisches Weinguts­projekt »Bessa Valley« / Foto: beigestellt

 

Investitionen im Osten
Hauptmanns wachsende Weinleidenschaft stand in kausalem Zusammenhang mit dem Wunsch, selbst in Wein zu investieren, um guten Wein zu erzeugen. Der Zufall spielte ihm eine Gelegenheit in die Hände, allerdings nicht an den illustren Gestaden der Gironde, sondern in einer zwar ebenso geschichtsträchtigen, jedoch etwas in Ver­gessenheit geratenen Weinregion im Osten Europas.

In Bulgarien betreibt Hauptmann heute mit Partnern (darunter Stephan Graf Neipperg aus Saint-Émilion in Bordeaux) das Wein­guts­projekt »Bessa Valley«. In diesem Tal ist Weinanbau seit 3100 Jahren nachweisbar, schon die Thraker (Stamm der Bessen) kelterten hier ihren begehrten Wein. Die Anbaufläche liegt zwischen den Rhodopen und dem Fluss Mariza auf hügeligem Terrain, die Böden – von lehmig-sandig bis lehmig-steinig – liegen auf einem Sandsteinsockel. Ausgepflanzt sind hier auf 140 von insgesamt 250 Hektar rund zur Hälfte Merlot, zu einem Viertel Shiraz, schließlich noch Petit Verdot und Cabernet Sauvignon. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Produk­tion der für das Weingut wichtigsten Rotweine, dem Enira und dem Enira Reserva.

Partner im bulgarischen Weingeschäft: Karl-Heinz Hauptmann (l.) und Stephan Graf Neipperg / Foto: beigestellt
Partner im bulgarischen Weingeschäft: Karl-Heinz Hauptmann (l.) und Stephan Graf Neipperg / Foto: beigestellt


Partner im bulgarischen Weingeschäft: Karl-Heinz Hauptmann (l.) und Stephan Graf Neipperg

Gemeinsame Sache
Begonnen hat Hauptmanns Engagement in Bulgarien 1995. Zunächst beteiligte er sich über den Post-Privatization Fund an einem Weingut, das über Weingärten mit der guten Rotweinsorte Melnik 55 verfügte. Leider stellte sich heraus, dass die Partner es mit der Qualität nicht ganz so ernst nahmen und auf 20 Hektar statt 100.000 Flaschen gleich 500.000 Flaschen produzierten. Hauptmann verkaufte seine Anteile wieder. In dieser Situa­tion wandte sich Hauptmann an Neipperg und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, mit ihm gemeinsam etwas zu machen. Der Graf, ein sehr geschichtsbewusster Mensch, war fasziniert davon, in dieser Gegend auf die Suche nach einem besonders guten Terroir zu gehen. Dank der umfangreichen Rodungen von 1986 waren die Weingärten Bulgariens relativ frei von Viren – im Gegensatz zum restlichen Balkan. Denn in den ersten kapitalistischen Jahren wurden die Rebanlagen durch Misswirtschaft arg in Mitleidenschaft gezogen. Es wurde nur noch geerntet und nicht mehr investiert, die moldawischen Weinberge wurden ebenso ruiniert wie die meisten in Rumänien. Auch Bulgarien war betroffen, hier erwischte es die ausgezeichnete autochthone Rebsorte Mawrud, von der es heute kein virenfreies Rebmaterial mehr gibt.

Überzeugungstäter: Hauptmann will beweisen, dass Bulgarien ein großes Weinland ist / Foto: © Christof Wagner
Überzeugungstäter: Hauptmann will beweisen, dass Bulgarien ein großes Weinland ist / Foto: © Christof Wagner

Bewährtes aus Frankreich
Nach 80 bis 100 Bodenproben in unterschiedlichen Regionen war schließlich der passende Ort gefunden, Hauptmann und Neipperg setzten bei ihrem neuen Weingut im Bessa Valley voll und ganz auf Bewährtes aus Frankreich, woher sie auch sämtliche Rebstöcke importierten. »Die Grundidee war nachzuweisen, dass Bulgarien ein großes Weinland ist, dem es, mit den Maßnahmen und Techniken, die man in Bordeaux über die Jahre entwickelt hat, gelingen kann, die Qualität noch wesentlich zu verbessern.« Dazu kam ein nicht unwesentlicher kommerzieller Aspekt: ein großes Angebot an sehr guten Arbeitskräften bei einem relativ niedrigen Lohnniveau. Es ist kein Problem, drei- bis vierhundert Leute zum Schneiden oder Ernten zu bekommen. »So können wir hier einen hochqualitativen Wein zu sehr attraktiven Preisen produzieren, das wäre in vielen anderen Ländern nicht machbar«, da ist sich Hauptmann sicher. Von der Top-Cuvée »BV«, die Hauptmanns Partner Stephan Graf Neipperg aus den je drei besten Fässern Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Petit Verdot für Bessa Valley zusammenstellt, gibt es jährlich nur 3000 Flaschen. Ein kraftvoller, individueller Rotwein mit guter Frische. »Ein Stil, den man schätzt oder nicht, denn der Wein muss nicht mehrheitsfähig sein, beispielsweise unsere Reserva. Die kommt beim Endverbraucher in etwa zum Preis eines Cru Bourgeois an.« Was gemessen an der Qualität dieses Produktes ein tolles Preis-Leitungs-Verhältnis ist, so viel ist sicher.

Rumänien und China
Seit 2006 ist Hauptmann auch Winzer in Rumänien, in der Region von Aliman hat er 80 Hektar Land erworben. 2009 wurde der erste Jahrgang von Alira, ein samtiger Merlot, auf den Markt gebracht. Heute produziert man etwa 400.000 Flaschen jährlich, vorwiegend für den rumänischen Markt. Sein jüngstes Engagement führte den Ausnahmewinzer auch nach China, wo er auf der Halbinsel von Schandong das Weingut Qingdao Great River Hill Winery gründete. Dort hat er nach eingehender Prüfung von Boden und Kleinklima einen idealen Standort gefunden, um Reben zu pflanzen, die Trauben für höchste Ansprüche liefern werden. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen für gute Aromenausbildung. Bei der Wahl der Rebsorten hat man erneut auf die Expertise der Fachleute in Bordeaux gesetzt. Die Vinifikation liegt in den Händen des erfahrenen französischen Önologen Mark Dworkin. Das Weingut verfügt über 150 Hektar, zunächst wurden 2009 die ers­ten 16 Hektar, zwischenzeitlich weitere 60 Hektar ausgepflanzt. Das Ziel: bis 2014 alle Rebberge mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay, Viognier und Mourvèdre (alle aus Frankreich importiert) zu bestocken.

Erfolgskurs
Unter dem Etikett Château Nine Peak wurde mit dem Jahrgang 2011 ein rein­sortiger Cabernet Sauvignon abgefüllt, dazu auch eine kraftvolle Reserva. Und es haben sich erste Erfolge eingestellt: Im Juni 2012 wurde die Reserva von Falstaff mit sehr guten 90 von 100 Punkten bewertet und als bester chinesischer Teilnehmer bei den International Wine Awards in Yantai als Champion mit dem »Special Gold Award« ausgezeichnet. Karl-Heinz Hauptmann ist also auch hier auf dem richtigen Weg.

Text von Peter Moser
Fotos von Cristof Wagner

Aus Falstaff Nr. 01/2013

Mehr zum Thema

News

Gerolsteiner WeinPlaces: Leopold Restaurant

Im Pfälzer Weinort Deidesheim verwöhnt das VDP-Weingut von Winning mit einer erstklassigen Weinkarte und regionalen, hochwertigen Speisen.

Advertorial
News

Goldene Keller: Weinkeller in den Alpen

Es gibt sie, die nahezu perfekten, ja grandiosen Weinkeller in den Alpen. Weinkeller, die durch Einzigartigkeit glänzen. Falstaff hat sie gefunden.

News

Gerolsteiner WeinPlaces: Winelive

Ein herzliches Team und tolle Öffnungszeiten der Weinhandlung raten zu einem Besuch in Meerbusch.

Advertorial
News

Gerolsteiner WeinPlaces: Witwenball

Aus dem Tanzlokal der 1920er Jahre machten Julia und Axel Bode ein gastronomisches Allround-Talent.

Advertorial
News

10 Tipps: So gelingen Glühwein und Punsch

Wir haben genug von zu süßen und überwürzten Heißgetränken.

News

Chianti Classico Trophy 2018: Die Sieger

Einst der Inbegriff italienischen Lebensstils, dann viele Jahre verpönt und nun wieder zurück: Der Chianti Classico. Die Trophy geht diesmal an...

News

Menger-Krug Sekt: Keiner von »der Stange«

Vier Premium-Cuvées in »Brut« – charaktervoll, ausdrucksstark und gegen den Mainstream.

Advertorial
News

World Champions: Der Wein des Prinzen

Seit 2008 ist Prinz Robert von Luxemburg der Herrscher über die Familienweingüter in Bordeaux. Er sieht seine Rolle als Botschafter, der Weinfreunden...

News

Loire: Der Garten Frankreichs

Der »Jardin de la France« wird seinem Namen gerecht. Entlang der Loire harmonisieren die Weine mit jeder noch so facettenreichen Speisekarte.

Advertorial
News

Falstaff Selektion: Handverlesene Weine aus Bordeaux

Weingenuss auf höchstem Niveau: Mit der Falstaff-Selektion erhalten Sie die besten Weine ­bequem nach Hause geliefert. Mit Preisvorteil für...

News

Shortlist mit aktuellen Weintipps

Wein-Empfehlungen aus dem Handel, verkostet und bewertet von der Falstaff-Weinredaktion.

News

Weihnachten fürstlich feiern mit ALDI SÜD

Zu keiner Zeit des Jahres dürfen wir derart schlemmen wie zu Weihnachten – das Fest der Liebe ist auch eines der Gaumenfreuden. Genießen Sie einen...

Advertorial
News

Weingut Franz Keller hat Kollektion des Jahres

Im angesehenen Kaiserstühler Weingut vollzieht sich der Generationenwechsel – Friedrich Keller jr. spitzt die Stilistik, für die das Weingut seit...

News

Voller Genuss: Champagnergläser im Falstaff-Test

Schaumwein- und Champagnergläser gibt es in Hülle und Fülle. Angeboten werden für die sprudelnden Weine Schalen, Flöten, Kelche, aber auch...

News

Gelungene Premiere der WEINSELIG Weinmesse

Liebhaber italienischer Weine kamen bei der ersten Weinmesse von Di Gennaro in Stuttgart voll auf ihre Kosten.

Advertorial
News

Essay: Der Sommelier und der Reiseführer

Der Sommelier ist so etwas wie ein Reiseführer – nicht nur für den Weinkenner, für den sich jeder hält, sondern auch für den Weintrinker, der jeder...

News

König Brunello bei Tisch

Wein und Region sind fast nirgendwo so verflochten wie der »Brunello« mit Montalcino in der Toskana. Auf über 2.000 Hektar in der Gegend wird jedoch...

Advertorial
News

Pio Cesare: Der Vorzeigebetrieb aus dem Piemont

Pio Boffa, Mastermind des Weinguts Pio Cesare in Alba, setzt auf Tradition und Innovation für seine Weine. Seit fünf Generationen werden hier Barolo...

Advertorial
News

Die Sieger der Falstaff Nero d'Avola Trophy 2018

Nero d’Avola ist die berühmteste Rotweinsorte Siziliens. Mit ihrem harmonischem »Nére 2016« gewinnt das Weingut Feudo Maccari die Falstaff Trophy Nero...

News

The Penfolds Collection 2018

Eines der bekanntesten Weingüter Australiens, Penfolds, lud zum Tasting. Präsentiert wurden die »Penfolds Collection 2018«. Falstaff hat die Topweine...