»Jellyfish«: In die Knie gezwungen von Vandalen

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Nur noch bis zum 17. Mai geöffnet: das »Jellyfish« in Hamburg.

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Fast auf den Punkt ein Jahr ist es her, da war Hauke Neubecker hervorragend gelaunt, wenn man mit ihm sprach. Nach dem Abgang seines langjährigen Küchenchefs hatte er hervorragenden Ersatz besorgt, wie er fand: Der vielversprechende Stefan Barnhusen hatte im sterneprämierten Hamburger Restaurant »Jellyfish« begonnen, und Patron Neubecker war blendend aufgelegt, wirkte sehr zufrieden, sogar der zweite Stern schien möglich.

Das alles ist nun vorbei, neben Barnhusen verlieren auch alle anderen neun Mitarbeiter des Restaurants ihren Job. Die Kündigung hat Neubecker schon ausgesprochen. Bis zum 17. Mai soll der Betrieb noch laufen, dann ist Schluss. Das »Jellyfish«, eines der besten Fischrestaurants Deutschlands, wird dann knapp 10 Jahre nach dem ersten Konzept Geschichte sein. Nicht, weil es nicht erfolgreich gewesen wäre. Im Gegenteil: »Ich bin auf dem Zenit, noch besser kann man es nicht machen«, sagt Neubecker. Der Grund für das Aus liegt in einer haarsträubenden Serie von Vandalismus-Aktionen gegen das Restaurant. 

Immenser Schaden und Umsatzausfall

Seit dem Frühjahr ist das »Jellyfish« immer wieder Ziel von Einbrechern und Randalierern geworden. Im März war die Fensterscheibe eingeschlagen worden, seitdem hängt nur noch eine Notglasscheibe im Schaufenster. Danach folgte ein Einbruchversuch sowie mehrere Einbruchdiebstähle, bei denen den Tätern der Zugang gelang. Jedes Mal fand Neubecker am nächsten Tag Chaos vor. Demolierte Kühlschränke, schlecht gewordener Fisch, im Restaurant verteilte Vorstufen von Gerichten, die für den nächsten Tag vorbereitet waren. Der materielle Schaden zog jeweils weiteren nach sich, weil Reservierungen abgesagt werden mussten und somit Umsatzausfall hinzu kam.

Die Kriminalpolizei ermittelt, das LKA ist hinzugezogen, doch die Aussichten auf einen Ermittlungserfolg liegen Neubecker zufolge nahe null. Ein politischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es. »Einmal haben Zeugen vier junge Leute mit Kapuzenpullis in der Nähe des Tatorts gesehen«, sagt Neubecker gegenüber Falstaff. Konkrete Tatverdächtige oder Festnahmen gab es aber nicht. Stattdessen kündigten die Versicherungen ihre Verträge. »Die Rechnung für neue Fenster oder neues Mobiliar landete also immer direkt bei mir.«

»Die Freude ist komplett aufgebraucht.«

Als vor 14 Tagen erneut eingebrochen wurde, fasste Neubecker seinen Entschluss. »Die Freude ist komplett aufgebraucht.« Einen Standortwechsel kann er sich nicht vorstellen. »Weggehen – das mache ich nicht«, sagt er. Von Polizei und Stadt fühlt er sich allein gelassen. »Ich habe das Gefühl, es passiert einfach gar nichts.« Er hat abgeschlossen mit der Gastronomie, sein Geld verdient er in der Agentur-Branche. Die Marke stehe für seriöse Interessenten zum Verkauf. 

Nachbarn und langjährige Gäste spenden viel Trost, »wir kriegen viel Empathie«. Bis zum letzten Abend, so hat Neubecker seine Mitarbeiter eingeschworen, sollten alle noch einmal eine Top-Perfomance zeigen. Wie der letzte Abend dann wird? »Vielleicht gibt es eine Grabrede.« Schon jetzt kann man sagen: Schön, dass es das Jellyfish gab.

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