Jeff Maisel: Aus Liebe zum Bier

Ein gemischtes Interieur gibt den Räumen das einzigartige Ambiente.

© gmk.de

Ein gemischtes Interieur gibt den Räumen das einzigartige Ambiente.

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Als Inhaber der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth lenkt Jeff Maisel die Geschicke des Familienunternehmens nunmehr in vierter Generation. 2016 erfüllte er sich mit dem »Liebesbier« ein Herzensprojekt: ein modernes, zukunftsorientiertes Gastronomiekonzept im ältesten Gebäude der 1887 gegründeten Brauerei, mit dem Fokus auf Bier und Handwerk. Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen gut drei Jahre. Die alten Gemäuer beherbergen nun »Maisel’s« Brauereimuseum, das Restaurant »Liebesbier« und die Brauwerkstatt »Maisel & Friends« als neue Kreativbrauerei des Familienbetriebes. 

PROFI: Welche Kompetenz bringt ein diplomierter Brauer für ein derartiges Großkonzept mit?
Jeff Maisel: Ehrlich gesagt, nicht so viel. Aber wir haben für unsere Brauerei eine Zukunftsvision, und diese besagt, dass Bayreuth die Heimat erlebbarer, handwerklicher Braukultur sein soll. Die Ideen hatte ich, aber mir fehlte die gastronomische Erfahrung. Ich allein wäre ausschließlich Bierbrauer geblieben. Doch mein Partner Thomas Wenk teilte meine Visionen und brachte die unverzichtbare Gastro-Kompetenz in das Projekt ein. 

Wer bestärkt Sie in Ihrer Vision?
Thomas Wenk sprach mit Architekten und holte sich Input von »Leaders Club« Deutschland. Wir merkten jedoch schnell, dass wir uns die Kompetenzen, die wir selbst nicht hatten, unbedingt holen mussten. Wer meint, er könne alles selber, irrt sich gewaltig.

Bei der Planung des Umbaus, saßen Gastronom und Braumeister von Anfang an zusammen.

© michaelbauerphotography.de

Aus welchen Quellen bezogen Sie Inspiration?
Das Architekturbüro »HKR« erstellte einen Entwurf. Die Idee war, das alte Gebäude zu restaurieren und einen Neubau davor zu setzen. Wir mussten uns jedoch schnell eingestehen, dass uns das Immobilien-Know-how fehlte. Thomas Wenk und ich holten deshalb die Ingenieure Peter Glenk und Stefan Lange ins Boot uns gründeten mit ihnen zusammen die Firma »Artus Ingenieure GmbH«.  

Welche bösen Überraschungen mussten Sie in den Griff bekommen?
Die Raumhöhe der ehemaligen Kellerräume war für eine Gastronomie zu niedrig, also mussten die Böden 1,5 Meter tiefer gelegt werden. Dabei stießen wir auf spröden Sandstein, der an der Luft zerbröselte. Das Gebäude wurde unterfangen und der Sandstein im Untertagebau ausgetauscht. Stahlträger wurden eingezogen, Wände gestützt. Wir mussten alte Quecksilber- und Ölschäden bekämpfen. Beim Aushub für die Anlage von Gastro-Garten und Parkplatz roch plötzlich die ganze Brauerei nach Diesel. Dieser war an der Tankstelle, die früher an gleicher Stelle stand, ausgetreten und im Lehmboden gespeichert. Zusammen mit dem Umweltamt und Gutachtern konnte unser Umwelttechniker Krasser eine vergleichsweise günstige Lösung für die Bodensanierung finden.

Hatten Sie bei der Raumkonzeption freie Hand?
Der Spielraum war – mit Ausnahme des Neubaus mit Sudhaus und Wintergarten – gering, da wir uns am Bestand orientieren mussten. Im Altbau wollten wir Bar und Restaurant nach amerikanischem Vorbild schaffen. Der Gast kommt, trinkt einen Aperitif und wird dann an seinen Platz gebracht. Im Hauptgastraum schufen wir unterschiedliche Zonen: einen Bereich um die Feuerstelle, einen Schalander zwischen Bar und Brunnen, Hochtische entlang der Holzfassreifung, in einer Ecke nahe des Gärkellers den Braumeistertisch, eine die einsehbare Küche umlaufende Bar beim Sudhaus. Als positive Begleiterscheinung entstanden infolge technischer Einbauten im zweiten Stock ein Brausaal für 200 Personen und eine Terrasse mit Ausblick auf Biergarten und Stadt. Bei der Fluchttreppe machten wir aus der Not eine Tugend: Kinder können vom zweiten Obergeschoß aus fünf Metern Höhe über eine Rutsche direkt in den Sandkasten gleiten.

Auf das Grobe folgte das Finetuning. Wer gab den Räumen ihre Seele? 
Wir haben uns viel Inspiration von außen geholt. Zuerst wegen der Basisgestaltung in Wein am Stein, wegen der Inneneinrichtung in Amsterdam, dann in den USA und in Belgien. Hier ging es nicht ums Abkupfern, sondern darum, was gefällt uns und welche Ideen können wir daraus ableiten. Was passt zu Bayreuth, was passt zum historischen Brauereigebäude, was passt zu uns? Wir wollten im Wesentlichen die Materialien verwenden, die bereits vorkamen, also Sand- und Backstein, Stahl und Glas. Bei den Farben ließen wir natürliche Töne leuchten und vermieden Übertreibungen. Altes sollte alt bleiben und das neue Gebäude einen Kontrast dazu bilden. Für mich waren auch Feuer, Wasser und Luft sehr wichtige emotionale Bestandteile.

Im Sudhaus verbinden sich diese Elemente schon seit jeher mit Hopfen, Malz und Hefe zu einem schlüssigen Ganzen, dem Bier. Charaktervolle Einzelstücke und mehr wurden über Auktionshäuser, »Ebay« und einen anderen Kontakt zusammengesucht. Das erforderte Mut zum eigenen Stil. Uns war diese gefühlvolle Ergänzung mit alten Sachen jedoch sehr wichtig, weil sie Seele haben und Emotion ausstrahlen. Das patinierte Leder schafft einen Bezug zu den Lederschürzen der Brauer, der alte Echtholzboden aus Eiche zu den Bierfässern aus Holz. Die Tischbeine wurden aus Schwarzstahl-Doppel-T-Trägern gefertigt. Nichts kommt von der Stange, alles wurde nach unseren Vorgaben hergestellt. Das Interieur strahlt Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und eine hohe Affinität zum Handwerk aus.

Wie werden Feuer und Wasser inszeniert?
Wir haben einen der ältesten Tiefbrunnen Bayreuths im hinteren Teil des Gebäudes, welchen wir blau beleuchten. Unsere Gäste finden am Kaminofen eine Wohlfühlzone. Feuer spielt auch in unserer hauseigenen Bäckerei und der Räucherei eine Rolle. Im Außenbereich gibt es in den unterschiedlichen Zonen und Ebenen Erholungsoasen mit Fischteich, Feuerplatz und Holzkohlegrill. Vor dem Eingang bescheren Fackeln, die früher vor der Münchner Diskothek »P1« standen, unseren Gästen einen warmen Empfang. 

Wann muss sich das Design der Funktion unterordnen?
Licht betrifft beide Bereiche. An ihm sollte man keinesfalls sparen. Licht und Schatten inszenieren alles, deshalb ist es wichtig, hier möglichst früh Spezialisten einzuschalten. Sie können notfalls auch Fehler aus anderen Bereichen korrigieren. Unsere Lichtsteuerung lässt sich je nach Tageszeit anpassen. Anstelle von emotionslosen LEDs haben wir uns für warmes Licht entschieden. Was den Geräuschpegel betrifft, hatten wir zwei Herangehensweisen: Wo sich Schallschutz problemlos einbauen ließ, haben wir Matten eingespannt.

In 
den Gewölben jedoch wollten wir die Energie der Räume nicht zerstören. Lärmsensible Gäste können bei uns dann in weniger laute Bereiche, wie etwa den Wintergarten, ausweichen. Aber in alten Räumen ist der Geräuschpegel generell ein Problem. Ein wichtiger Punkt sind auch optimale Prozessabläufe. Sitzplätze bringen zwar Umsatz, aber in Küche und Service muss Funktionalität gewährleistet sein. Bei der Planung des »Liebesbier« saßen von Anfang an Gastronom und Braumeister mit am Tisch. Wenn der Investor loslegt und dann erst einen Betreiber sucht, kann das Konzept leicht scheitern.

Jeff Maisel hat sein Studium in den USA und in Weihenstephan abgeschlossen.

© Peter Dörfler Fotodesign

Facts & Figures

Liebesbier
Andreas-Maisel-Weg 1
95445 Bayreuth
www.liebesbier.de

Pächter: WBM Gastro GmbH (Gesellschafter Thomas und Ute Wenk, Andrea Bauernfeind, Jeff Maisel)
Eröffung: Februar 2016
Fläche: 480 Quadratmeter Innen, 600 Quadratmeter Außen
Sitzplätze: 300 Innen, 300 Außen
Zahl der Mitarbeiter: 25 Festangestellte, 4 Auszubildende, 60 Aushilfen
Architekt: Stiefler + Seiler Architekten, arcsus.de
HKR Hofmann Keicher Ring Architekten, hofmann-keicher-ring.de
Umsetzung: diverse Unternehmen aus der Region
Innenarchitekt: Soda, sodanet.de

Ausstattung
Geschirr: Porzellan Walküre, walkuere.de (individuelles Design)
Lampen und Mobiliar: Goldstein & Co., goldstein-interieur.com
Street-Art Galerien in München, Hamburg, Berlin, London

Buchtipp

Foto beigestellt

Gasträume
Designkonzepte für Gastronomie, Food-Handwerk und Gemeinschaftsverpflegung
Autor: Johanna Warham
Fotos: Richard Powers & Co
Umfang: 184 Seiten
Preis: € 98,–
Verlag: dfv Mediengruppe
 
ISBN 978-3-86641-319-1

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ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 06/2018
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