»Jeder fällt mal in ein Loch, aber wir sind kreativ geworden«

Kevin Fehling bilckt trotz hoher Umsatzverluste optimistisch in die Zukunft. 

© René Riis

Kevin Fehling bilckt trotz hoher Umsatzverluste optimistisch in die Zukunft. 

Kevin Fehling bilckt trotz hoher Umsatzverluste optimistisch in die Zukunft. 

© René Riis

Sie sind seit einem halben Jahr in Zwangspause – können Sie kurz Ihren momentanen Tagesablauf beschreiben?
Es kommt auf die Woche an. Im Moment bin ich viel im Büro und Restaurant. Wir produzieren und verpacken gerade To-Go-Boxen mit jeweils vier Gängen, das dauert vier Tage. Einmal im Monat können wir das machen, damit wir nicht über der Grenze liegen, ab der wir kein Überbrückungsgeld mehr bekommen. 80 Boxen dürfen wir in diesem Monat machen, nächsten Monat 180 – das hängt immer vom Vorjahresumsatz ab.
Ansonsten bin ich relativ viel zu Hause, ich habe ja drei Kinder. Ich jogge, radle und gehe spazieren. Natürlich koche ich viel für meine Familie.

Haben Sie durchgerechnet, wieviel Geld Ihnen durch den Lockdown verloren gegangen ist? Um welche Summe handelt es sich ca.?
Wir haben mitten in der Pandemie unsere Puzzle Bar eröffnet, in die wir eine halbe Million Euro investiert haben. Das ist sehr schmerzhaft. Insgesamt habe ich weit über eine Million Euro Umsatz verloren. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich denke, dass die wirtschaftliche Unterstützung des Staates besser ist als in vielen anderen Ländern.

Mussten Sie Mitarbeiter entlassen? Haben Mitarbeiter selbst gekündigt?
Mir war es wichtig, die Mitarbeiter zu halten, ich habe niemandem gekündigt. Zwei sind gegangen. Das Kurzarbeitergeld habe ich aus eigener Kraft aufgestockt, weil den Kolleginnen und Kollegen ja das Trinkgeld fehlt.

Wie sehen Sie Ihre Perspektive?
Am Ende des Tunnels ist endlich Licht erkennbar. Im Juli können wir hoffentlich wieder öffnen, ich sehe das sehr optimistisch. Wir haben jetzt ja einen Impfstoff, im Gegensatz zum ersten Lockdown im vergangenen Jahr. Das macht mir Hoffnung, dadurch kommen wir zurück in die Normalität.

Was fehlt Ihnen am meisten?
Meine Arbeit. In normalen Zeiten bin ich auf der ganzen Welt unterwegs, wir wollen weiterkommen. Von hundert auf null abgebremst zu werden, das ist schwer zu verstehen, noch mehr, weil unser Restaurant ein Jahr im Voraus ausgebucht ist. Wir haben sechs Meter hohe Decken, unser Hygienekonzept ist einwandfrei. Da hätte ich mir schon mehr Flexibilität von unserer Regierung gewünscht.

Hören Sie hin und wieder von Gästen?
Unsere Stammgäste melden sich regelmäßig. Es kommen immer wieder Durchhalteparolen.

Gibt es irgendetwas Positives, das Sie der Krisenzeit abgewinnen können?
Jeder fällt mal in ein Loch, aber wir sind kreativ geworden.

Welche Rolle spielt das To-Go-Geschäft für Sie?
Wir wollen in Bewegung bleiben, auch wenn unsere To-go-Box eher eine Beschäftigungstherapie ist. Aber der Mensch braucht eine Aufgabe, und der Aufwand ist beherrschbar. Nur zuhause zu sitzen, ist zermürbend. Wir machen schöne Gerichte aus unseren Rezepten in vereinfachter Version.

Würden Sie sagen, Sie haben das Beste aus der Krise gemacht?
Man ist schon ein Gewinner, wenn man keine Verluste gemacht hat. Auch dank der Staatshilfe, das muss man klar sagen. Solange die Mitarbeiter bleiben, ist alles in Ordnung.

Für wann rechnen Sie mit der Wiedereröffnung?
Ich halte den Juli für realistisch, wenn die Zahl der Impfungen weiter steigt. Hier in Hamburg haben wir ein wenig Pech gehabt mit unserem Bürgermeister Peter Tschentscher, unsere Regeln sind strenger als sonst in Deutschland. Erst wenn die Inzidenz einige Tage unter 35 liegt, kommen Lockerungen. Das halte ich für übertrieben.

Gibt es etwas aus Ihrem aktuellen Corona-Angebot, das Sie nach dem Lockdown behalten werden?
Ehrlich gesagt: gar nichts. Wir freuen uns darauf, endlich wieder drei Sterne auf die Teller zu bringen.

Dieses Interview ist Teil des Artikels »Sechs Monate Lockdown – Top-Gastronomen ziehen Bilanz«. Einen Überblick und den Verweis auf weitere Koch-Interviews finden Sie hier.

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