Italien: Weinjahr 2017 letztlich positiv

Einige Winzer in Italien haben aufgrund der extremen Wetterbedingungen mengenmäßig einbüßen müssen. 

Foto beigestellt

Einige Winzer in Italien haben aufgrund der extremen Wetterbedingungen mengenmäßig einbüßen müssen.

Einige Winzer in Italien haben aufgrund der extremen Wetterbedingungen mengenmäßig einbüßen müssen. 

Foto beigestellt

http://www.falstaff.de/nd/italien-weinjahr-2017-letztlich-positiv-1/ Italien: Weinjahr 2017 letztlich positiv Nach einer wettertechnisch extremen Wachstumsphase, können Italiens Winzer jetzt doch noch eine weitgehend positive Bilanz ziehen – was die Qualität betrifft. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/0/4/csm_Tenuta-di-Trinoro-Lese-2017-c-pr-2640_838c5bd55c.jpg

Mitte August sahen Winzer europaweit noch schwarz. Auf Spätfrost und heftigen Hagelschauern im Frühjahr, folgten Dürre und eine stark verfrühte Reifung der Trauben. Für Italien ist 2017 kein Jahrhundertjahrgang, aber ein Aufatmen geht durch die Reihen der Winzer, die von Nord nach Süd nach dem Abstich oder bei fast abgeschlossener Gärung doch noch eine positive Bilanz ziehen können. Was die Qualität betrifft wohlgemerkt, mit der Quantität kann man nicht zufrieden sein.

Piemont

Aus dem Herzen der Langhe berichtet Alessandro Bonelli, der Önologe von Damilano: »Glücklicherweise haben wir im Betrieb nicht die fast ganz Italien betreffenden Probleme gehabt. Der Winter war mild, aber nicht besonders trocken und es hat nur leichten Raureif auf einigen Rebreihen in niedriggelegenen Zonen gegeben. Als mit dem Sommer die große Hitze hereinbrach, haben wir viel im Weinberg gearbeitet, um die Trauben zu schützen und Ende August - also zwei Wochen früher als normal - hatten wir die ersten erntereifen Trauben mit optimalen Werten für Anthocyane, Polyphenole, Zuckergehalt und Säure. Die Lese begann am 24. August mit dem Chardonnay, am 28. August folgte der Dolcetto und dann so weiter bis zum Nebbiolo. Ende Oktober war auch unsere Cannubi-Lage komplett abgeerntet«.

Trento

Von San Leonardo - im äußersten Süden der Provinz Trento - erzählt Anselmo Guerrieri Gonzaga: »Wir hatten einen erheblichen Produktionsrückgang und haben - je nach Sorte - zwischen 25 und 50% weniger Trauben, das heißt im Durchschnitt 35% weniger geerntet. Nach den ersten Abstichen sind wir positiv überrascht und fasziniert von der leuchtenden Farbe und den schönen Bouquets der Weine, eine ziemlich interessante und eigentlich anormale Tatsache nach einer so heißen Saison. Die Weine sind nicht sehr alkoholisch, sondern tendieren eher zu ausgeprägter Frische und berechtigen damit zu schönen Hoffnungen«.

Foto beigestellt

Toskana

Den Anfang macht das Chianti Classico in der Nähe von Florenz: »Wie vorhersehbar war, begann die Lese circa zehn Tage früher und war am ersten Oktoberwochenende abgeschlossen« meldet Marco Fizialetti, Verkaufsleiter von Castello di Querceto. »Mengenmäßig hatten wir einen Einbruch von 15 Prozent zu verzeichnen, insgesamt noch nicht schlimm im Verhältnis zu dem, was uns andere Winzer der Anbauzone berichten. Unser Vorteil ist die Höhenlage der Weinberge zwischen 400 und 500 Metern ü.M., die Trauben waren gesund und geben qualitätsmässig zu schönen Hoffnungen Anlass«. Insgesamt sind in der Toskana Einbußen von rund 30 Prozent zu verzeichnen, verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr.

Über Bolgheri erzählt Stefano Di Biasi, önologischer Berater auf dem Gut Campo alle Comete: »Es war ein von klimatischen Extremen geprägter Jahrgang mit Spätfrost, der glücklicherweise in Bolgheri nicht sehr schlimm ausgefallen ist, 70% weniger Niederschlag als im Durchschnitt, Rekordhitze Anfang August. Das überstanden nur die besten Trauben. Durch den Bioanbau und die Bewässerung konnten wir die Verluste teilweise gering halten. Trotzdem liegt die Menge um circa 30 Prozent unter dem Durchschnitt, aber die Qualität ist exzellent, vor allem bei den Spitzenweinen«.

Aus Montalcino, dem toskanischen Anbaugebiet für langlebige Weine, meldet Fabrizio Lazzeri, technischer Direktor von Tenute Silvio Nardi: »Ein extremes Jahr, in dem auf Spätfrost eine nicht enden wollende Trockenzeit folgte, die uns zu kontinuierlichen Eingriffen im Weinberg zwang sowohl an den Rebstöcken zum Schutz der Trauben als auch am Boden mit dem Versuch, soviel Wasser wie möglich zu erhalten. ... Die Lese dauerte besonders lange, sie begann Anfang September und endete in der ersten Oktoberwoche. Nur so haben wir im Weinberg der eher ungleichmäßigen Reifung Rechnung tragen können. Mengenmäßig liegen die Einbußen bei 30 Prozent vor allem aufgrund der kleinen Beeren. Mit der Qualität sind wir dank der Konzentration, der Aromen, des guten Tanningehalts, des richtigen Alkoholgehalts und der schönen Struktur des Jahrgangs 2017 zufrieden«.

Kampanien

Aus Kampanien berichtet Pierpaolo Sirch, Direktor und Önologe von Feudi di San Gregorio: »Ein anormaler Jahrgang für eine Weinbauzone wie die bekanntermaßen eher kühlere und regnerische Irpinia. Es gab sehr wenig Niederschläge und mehrere Wochen lang sehr hohe Temperaturen. Generell kann man sagen, dass wir im Durchschnitt circa 30 Prozent weniger geerntet haben. Was den Jahrgang jedoch auszeichnet ist eine extreme Heterogenität der Produktion einerseits aufgrund der Frühlingsfröste und dann des weiteren Klimaverlaufs. Die Lese war zwei Wochen früher abgeschlossen. Wir haben sehr schöne Trauben geerntet mit einem Reifegrad, in dem die Säure, obwohl tendenziell niedriger als die Norm, sehr interessant bleibt. Insgesamt war es ein schwieriger Jahrgang aber mit guten Ergebnissen was die Qualität anbetrifft«.

Basiliakata

Die Abschlussbemerkungen macht Viviana Malafarina vom Weingut Basilisco in der Basiliakata: »Es war eine ziemlich lange und anstrengende Lese. Durch die nicht homogene Reifung der Trauben waren wir gezwungen, in mehreren Durchgängen auf allen Parzellen zu ernten. Wir haben nur etwas früher als normal, d.h etwa eine Woche, mit der Ernte angefangen und sie am Freitag, 20. Oktober, abgeschlossen. Es ist also noch zu früh, um eine abschließende Qualitätsaussage zu machen. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir geerntet haben und wie die Gärprozesse verlaufen. Mengenmäßig haben wir einen Einbruch von 30 Prozent zu verzeichnen, der lange heiße Sommer hat sich bemerkbar gemacht«.

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Carol Duval-Leroy im Falstaff-Talk

Carol Duval-Leroy übernahm 1991 im Alter von 35 Jahren die Leitung des Champagnerhauses ihrer Familie, als ihr Mann jung verstarb. In den 30 Jahren...

News

Essay: Champagnerbläschen steigen auf

Was kann der Schaumwein, was stille Weine nicht vermögen? Er ist ein Getränk aus dem Reich der Bilder und Zeichen. Seine Sinnesreize schaffen ein...

News

Magische Perlen: Die besten Champagner

Die vom lateinischen »Campania« abgeleitete Bezeichnung »Champagner«, ein Synonym offener Landschaft mit weiten Feldern, ist in der ländlich geprägten...

News

Die besten Schaumweine der Schweiz

Die Schweiz ist ein Schaumweinland. Das Angebot an Spitzenprodukten – insbesondere aus dem nahen Frankreich – ist gross. Seit einigen Jahren wächst...

News

Das große Schaumwein-ABC

Was versteht man unter Transvasierverfahren? Und was ist der Unterschied zwischen Extra Dry und Extra Brut? Das Falstaff Schaumwein-ABC kennt die...

News

Ruggeri: Prosecco mit Spitzenqualität

Die Prosecco-Manufaktur Ruggeri ist bekannt für seine international vielfach ausgezeichnete, anhaltende Spitzenqualität.

Advertorial
News

Weinikonen: Die besten Luxus-Champagner

Champagner ist der luxuriöseste aller Schaumweine. In der Kategorie sind wahre Weinikonen zu finden, denen nichts anderes als die Höchstnote zusteht.

News

Die besten Schaumweine aus aller Welt

Schaumweine entstehen in praktisch allen Weinregionen der Welt. Während einige Prickler neuartiger Herkunft noch heute als Exoten gelten, sind andere...

News

Wissenschaft: Prickelndes am Gaumen

Wer gerne scharf isst, hat meistens auch Freude an Sparkling. Denn der Trigeminusnerv nimmt nicht nur Temperatur und Textur von Speisen und Getränken...

News

Albaniens Welt-Weinerbe

Albanien ist eines der ältesten Weinbauländer in Europa. Einst war das Land Teil des antiken Königreichs Illyrien. Frühen schriftlichen Zeugnissen...

News

Top 5 Weinbars in Stuttgart

Nach Feierabend noch schnell ein Glas Wein trinken? Das geht in Stuttgart, einer der wenigen Großstädte Deutschlands mit eigenem Weingut, natürlich...

News

Wo in Italien gratis Wein aus dem Brunnen fließt

Klingt wie ein Traum, ist aber Realität: In einem kleinen Dörfchen in Italien fließt eine Weinquelle, die seinen Besuchern rund um die Uhr Rotwein...

News

Lungarottis Icon-Wine feiert seinen 60igsten Jahrgang

Eine limitierte Sammleredition von 3.300 Magnumflaschen krönt das Jubiläum des umbrischen Kult-Weins Rubesco.

News

Top 11 Orte: Italien am Meer

Sonne, Strand und Dolce Vita: Wir verraten Ihnen elf malerische Küstenorte und welche kulinarischen Highlights es dort zu entdecken gibt.

Advertorial
News

Parma: Kulturhauptstadt und Kulinarikhochburg

Parma, Piacenza und Reggio Emilia bilden ein kulinarisches Dreieck, das italophile Genießer ebenso glücklich macht wie Kultur-Touristen.

Advertorial
News

Cortina zieht Wintersport-Großereignisse an

FOTOS: Cortina d'Ampezzo wurde als Gastgeber für das Finale des FIS Ski Weltcup 2020, die Alpine Ski-WM 2021 und die Olympischen Winterspiele 2026...

Advertorial
News

Italien: Thermen und Wellness für die Sinne

Thermalquellen, kulinarische Köstlichkeiten, beeindruckende Kulturschätze und faszinierende Naturlandschaften – ein Wellness-Urlaub in Italien...

Advertorial
News

Top 10: Die schönsten Seen Oberitaliens

FOTOS: Im Herbst sind Ausflüge an den Gardasee, den Iseosee, den Comer See, den Lago Maggiore, etc. besonders attraktiv.

Advertorial
News

Wein- und Genussstraßen in Italien

Wein, Olivenöl und Äpfel: Wir zeigen Ihnen die empfehlenswertesten Wein- und Genussstraßen in Italien.

Advertorial
News

Viva Italia: »Cucina alla Mamma«

Nirgendwo sonst in der Welt hat die Mamma in der Küche einen höheren Stellenwert als in Italien. Falstaff besuchte einige Köchinnen, um ihnen die...