Rund 8100 Hektaren der Golanhöhen werden landwirtschaftlich genutzt, etwa für den Weinbau. / © Shutterstock
Rund 8100 Hektaren der Golanhöhen werden landwirtschaftlich genutzt, etwa für den Weinbau. / © Shutterstock

Am Strand von Tel Aviv lässt es sich gut leben. Auf den Tischen der Restaurants stapeln sich Mezze und andere Köstlichkeiten der Multi-Kulti-Küche, in das Stimmengewirr und Gelächter mischt sich das Klingen von Gläsern. Israelische Weine der neuen Generation erfreuen mit Frische und Eleganz, sie lassen sich nicht in Schubladen stecken, nicht in die des »schweren Weins aus heißem Klima«, und ebenso wenig sind sie auf das Attribut »koscher« reduzierbar.

Eine (kurze) Erfolgsgeschichte
Seit der Staatsgründung 1948 hat sich Is­rael zu einer prosperierenden Nation entwickelt. Das Land verdankt seinen Wohlstand einer federführenden Hightechindustrie, die im sogenannten »Silicon Wadi« rund um Tel Aviv in Hochhäusern mit schicken Glasfassaden residiert. Aufschwung und mediterrane Lebensart boten nicht nur einen Nährboden für eine lebendige Restaurantkultur, sie haben im Stillen auch die Weinbranche verändert. Aus dieser Metamorphose gingen Weine hervor, die sich mit aller Welt messen können und dabei den unterschiedlichsten örtlichen Bedingungen Ausdruck verleihen.

Denn in Israel – einem Land, das nur halb so groß ist wie die Schweiz – kann man morgens am Mount Hermon Ski fahren gehen, mittags eine Banane am See Genezareth pflücken, nachmittags am Strand von Tel Aviv einen Cappuccino trinken und den Abend bei einer Kamel-Safari durch die Negev-Wüste ausklingen lassen. Von den Golanhöhen bis in die Wüste gibt es knapp 300 Weingüter, vom Boutiqueweingut bis hin zum Global Player. Dabei gab und gibt es einige Herausforderungen zu meistern, die damit zu tun haben, dass die neuere Weingeschichte im Heiligen Land kaum älter als 150 Jahre ist.

»Wein ist wirklich keine schwierige Branche. Nur die ersten 200 Jahre sind schwierig«, sagte Baronin Philippine de Rothschild. Wohl zu Recht: Denn wirklich eindrucksvolle Weine erzeugt nicht der, der strebsam in den Weinbauschulen der Welt dem Unterricht folgt und dann scheinbar das perfekte Weingut aus dem Boden stampft. Richtige Unikate entstehen, wenn Erfahrungen durch Versuch, Irrtum und Lernprozesse gewonnen werden. Auch die jeweils spannendste Verbindung zwischen Rebsorte und den unzähligen Terroirs zu finden, ist ein langwieriger Prozess. Leider gingen die autochthonen Reben, die in biblischen Zeiten im Heiligen Land rankten, im Sturm der Jahrhunderte verloren – ein Sturm, der wohl umso stärker bläst, je mehr »Heiligkeit« im Spiel ist. Aus welchen Trauben König Davids Lieblingswein gekeltert wurde, kann man nicht mehr nachvollziehen.

Von Bordeaux-Rebsorten geprägt
So sind Israels Weine heute durch internationale Rebsorten geprägt, vor allem durch Bordeaux-Sorten. Aber nicht, weil man in den 1980er-Jahren einer Mode hinterherlief: ­Cabernet, Merlot & Co. kamen bereits im ­­19. Jahrhundert mit dem Philanthropen Edmond de Rothschild ins Land. Der hatte sich für landwirtschaftliche Projekte engagiert, um die damals wieder stärker werdende jüdische Gemeinde besser versorgen zu können. Als seine Experten Weinbau empfahlen, sandte Rothschild kurzerhand Reben von Château Lafite Rothschild ans östliche Mittelmeer.

Cabernet Sauvignon und seine ständigen Begleiter sind auch heute noch weit verbreitet. Schließlich kommen diese Rebsorten gut mit dem warmen Klima zurecht und bringen zuverlässig anständige Weine hervor. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass im Barrique ausgebaute Bordeaux-Blends aus warmem Klima nicht das bieten, was man geschmacklich »unverwechselbar« nennen kann. So sind Bordeaux-Sorten nicht ideal, wenn man eigene Fußstapfen in der Weinwelt hinterlassen möchte. Die Winzer haben das längst erkannt und suchen nach Alternativen. Überraschend sind dabei die Weine aus der Rebsorte Carignan. Die Sorte wird in vielen anderen mediterranen Regionen als alles andere als pres­tigeträchtig erachtet und verschwindet oft namenlos in Verschnitten. »Als ich erklärte, Spitzenweine aus Carignan machen zu wollen, haben mich die Kollegen entweder entgeistert oder mitleidig angesehen«, sagt Quereinsteiger Assaf Paz. Der ehemalige Konditor kam über Umwege in die Weinbranche und ist heute Kellermeister bei Vitkin Winery.

Er ließ sich nicht von seiner Idee abbringen, schließlich ist im legendären Château Musar aus dem Libanon auch eine gute Portion Carignan enthalten. Zudem gibt es einen großen Schatz an alten Reben. 

VERKOSTUNGSNOTIZEN in der Falstaff Weindatenbank

BILDERSTRECKE: Die besten Weine Israels gibt es hier!

Mehr zu diesem Thema wie zum Beispiel zu koscherem Wein finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Falstaff Deutschland Nr. 06/2015.

Von Romana Echensperger

 

 

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