Per Schiff gelangten die Biere einst von England nach Indien – so entstand der Pale-Ale-Stil / Symbolfoto: Shutterstock
Per Schiff gelangten die Biere einst von England nach Indien – so entstand der Pale-Ale-Stil / Symbolfoto: Shutterstock

»Auf einen blutigen Krieg und eine rasche Beförderung!«, so lautete ein Trinkspruch der Royal Navy Großbritanniens auf den Weltmeeren des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Kameraden in den Kolonien mussten darauf hoffen, dass dem Trinkspruch nicht die Biervorräte zum Opfer fielen. Die Truppen in Übersee warteten stets sehnsüchtig auf den Gerstensaft aus der Heimat– insbesondere in Indien. Der Handelsverkehr mit Indien besaß einen hohen Stellenwert, denn die Nachfrage nach kostbaren Gewürzen und Textilien in Großbritannien versprach lukrative Renditen. Die in England gebrauten Biere, in der Regel Ale und Porter, sollten die lange Seereise unbeschadet überstehen. Vier bis sechs Monate dauerte die Fahrt, für die die Biere haltbar gemacht werden mussten. Erst die Eröffnung des Suezkanals 1869 verkürzte die Reise. Hopfen und höherer Alkoholgehalt tragen dazu bei, die Haltbarkeit eines Biers zu verbessern, und so brauten die Hersteller in London und Burton-upon-Trent ihre Biere stärker ein. Auf die Option, das Bier nach der Ankunft in Bombay und Kalkutta wieder zu verdünnen, verzichteten die Durstigen meist. Der Pale-Ale-Stil erfreute sich der höchsten Beliebtheit. Das gekühlte Getränk half die Hitze Indiens, mit 35 Grad im Schatten, zu ertragen.

Craft-Beer-Boom auch in Deutschland
Moderne Kühltechnik und der Siegeszug untergäriger Lager- und Pilsbiere verringerten die Bedeutung der India Pale Ales. Erst der Aufschwung der Craft-Beer-Bewegung in den USA ab den 1990er-Jahren, verhalf dem IPA zu neuer Beachtung. Die obergärige Brauweise, gepaart mit den hocharomatischen Hopfensorten Nordamerikas, wie Citra, Cascade oder Simcoe, löste einen wahren Craft-Beer-Boom aus, insbesondere an der Westküste. Die Amerikanisierung einer urbritischen Bierstilistik ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Die Kombination aus reichhaltigen, fruchtigen Aromen und komplexen Bitternuancen begeistert durch einen Facettenreichtum, wie ihn ein Bierstil nur selten hergibt. Die einheimischen Hopfenbauern entwickeln neue Hopfensorten, wie Mandarina Bavaria, Hallertau Blanch, Hüll Melon oder Polaris, um stetig wachsende Vielfalt zu gewährleisten. Und das ist erst der Anfang. Der experimentelle Hunger der Brauer ist geweckt, um den Hopfendurst der Connaisseure zu stillen. Wir sind gespannt! 

 

Progusta / Foto: beigestellt
Progusta / Foto: beigestellt
96 Punkte
Progusta
Brauerei: Braufactum
Braumeister: Dr. Marc
Alkohol: 6,8 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
Braufactum diente als Wegbereiter, das Craft-Beer-Phänomen in Deutschland bekannt zu machen, und steht für hohe Braukunst, an der sich die vielen IPAs aus den Sudkesseln der Republik messen lassen müssen. Vielversprechend lockt stabiler Schaum im Glas. Die Nase duftet erdig, mit Anklängen von Grapefruit und Zitrus. Dazu eine ordentliche Dosis Calvados. Am Gaumen dann Gewürze wie Nelke und Zimt. In den langen Nachhall gesellen sich Holunder und ein komplexer Tiefgang von Frucht und Gewürz. Idealer Speisebegleiter. www.braufactum.de

Shipas / Foto: beigestellt
Shipas / Foto: beigestellt
96 Punkte
Shipas
Brauerei: Kreativbrauerei Kehrwieder 
Braumeister: Friedrich Matthies & Oliver Wesseloh
Alkohol: 7,5 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
Das engagierte Brauerduo aus Hamburg arbeitet für diesen Sud mit den dänischen Brauern des Fanø Bryghus zusammen. Der merkwürdige Name erklärt die Serie der Kreativbrauerei: Single Hop IPA mit Simcoe- Hopfen. Das Duo braut seine IPAs nach bewährtem Rezept, um dann jeweils einen aromaprägenden Hopfen einzusetzen. Solider, cremiger Schaum. Die Nase nimmt Honig und Kaffee wahr. Der Gaumen erlebt Beerenfrucht mit dezentem Salz. Geradlinig, eingebettet in eine angenehme Säure. Gefährlich süffig. www.kreativbrauerei.de

Schönramer IPA / Foto: beigestellt
Schönramer IPA / Foto: beigestellt
93 Punkte
Schönrama IPA
Brauerei: Private Landbrauerei Schönram
Braumeister: Eric Toft 
Alkohol: 8,0 % ABV
Bierstil: Tripel
Ein Inbegriff der Ausgewogenheit, gebraut von einem Amerikaner. Den klaren, dunklen Goldton krönt eine angenehme Schaumbildung. Die Nase nimmt Hopfen in harmonischer Komplexität wahr. Herb, mit etwas Honig, Litschi und Gewürz, ohne dass etwas penetrant herausragen würde. Hopfen-trockenes Mundgefühl. Das Bier verströmt trotz des hohen Alkoholgehalts verführerische Leichtigkeit. Aromatische Hopfensorten sorgen für einen trockenen Nachhall mit viel Frische.
www.brauerei-schoenram.de

Doldensud Nr. 20 / Foto: beigestellt
Doldensud Nr. 20 / Foto: beigestellt
92 Punkte
Doldensud Nr. 20
Brauerei: Riedenburger Brauhaus 
Braumeister: Hans Seitz
Alkohol: 6,5 % ABV
Bierstil: Bavarian India Pale Ale
Die bewährte Bio-Brauerei aus dem Altmühltal stellte ab 1989 auf Verfahren nach ökologischen Gesichtspunkten um und erprobte alte Biertraditionen mit Urkorn, Emmer, Einkorn oder Dinkel. In diesem IPA ist Bioland-Emmer verarbeitet. In dem satten Goldgelb duften Anklänge von Pfeffer und Cannabis, dazu gesellen sich Melone und Grapefruit. Eigen und dennoch süffig, wozu eine frische Säure beiträgt, die Nuancen von Bitterorange, Gras und Heidelbeere beimengt.
www.riedenburger.de

Punk IPA / Foto: beigestellt
Punk IPA / Foto: beigestellt
92 Punkte
PUNK IPA
Brauerei: Brew Dog
Braumeister: James Watt und Martin Dickie
Alkohol: 5,6 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
Die Braurebellen aus Schottland prägen mit ihren Bieren und ihrer unkonventionellen Art die europäische Bierszene. Endlich in Deutschland erhältlich. Ordentliche Kohlensäure befördert Holunder, Honig und Nadelhölzer in Nase und Gaumen. Dann gesellt sich Hopfenbittere, Stachelbeere, Orange und Grapefruit hinzu. Langer Abgang mit angenehmer, nicht adstringierender, aber durchaus komplexer Bittere.
www.brewdog.com

XPA - X-Berg Pale Ale / Foto: beigestellt
XPA - X-Berg Pale Ale / Foto: beigestellt
92 Punkte
XPA – X-Berg Pale Ale
Brauerei: Schoppe Bräu
Braumeister: Thorsten Schoppe
Alkohol: 7,0 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
Thorsten Schoppe gilt als Pionier der Berliner Craft-Beer-Bewegung. Mit dem XPA erweist er seinem Heimatbezirk Kreuzberg die Ehre. Satter Bernstein offenbart eine Nase mit Karamell und Gewürzen wie Nelke und Muskat. Dazu eine spannende Harmonie von Hopfenbittere mit Honigsüße, Blumigkeit und einem Hauch von Harz. Säure stimuliert die Zunge angenehm, bevor ein honigartiges Mundgefühl in eine solide Bittere überleitet.
www.schoppebraeu.de

Amarsi / Foto: beigestellt
Amarsi / Foto: beigestellt
91 Punkte
Amarsi
Brauerei: BrauKunstKeller
Braumeister: Alexander Himburg
Alkohol: 7,1 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
Einander lieben – so lautet die Übersetzung des Namens »Amarsi«. Unter einem stabilen Schaum tritt eine Nase von Getreide und Bitterorangen zutage. Honig und reife Mango gesellen sich hinzu. Der Antrunk vermählt die alkoholische Note mit honig-fruchtiger Süße. Eine spannende Bittere kitzelt den Gaumen mit einer Säure von Zitrus. Der lange und intensive Nachhall mündet in einem späten, trockenen Finish. www.braukunstkeller.de

EI PI AI / Foto: beigestellt
EI PI AI / Foto: beigestellt
91 Punkte
EI PI AI
Brauerei: Camba Bavaria  
Braumeister: Eric Toft
Alkohol: 8,0 % ABV
Bierstil: India Pale Ale
13 Braumeister tüfteln an den Bierqualitäten des Brauhauses in Truchtlaching. Mit viel Schaum hält sich das Bier nicht auf, lieber
offenbart es intensive Noten von Litschi in der Nase. Am Gaumen ergänzt durch eine blumige Süße und Anklänge von Cassis. Dazu Holunder und Blütenhonig. Den süßen Auftakt löst ein trockenes Mundgefühl ab, von dem in eine typische IPA-Bittere im Nachhall übergeleitet wird. Ideales Einsteiger-IPA.
www.cambabavaria.de

Von Peter Eichhorn

aus Falstaff Deutschland Nr. 05/14

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