In der Höhle des Bären

Das Chalet »Black Bear« in den Schweizer Alpen bildet eine perfekte Symbiose aus Stil und Kunst. 

© Stephan Julliard

Das Chalet »Black Bear« in den Schweizer Alpen bildet eine perfekte Symbiose aus Stil und Kunst. 

© Stephan Julliard

Mit Chalets konnte die Genfer Innenarchitektin Alexandra de Garidel-Thoron lange Zeit wenig anfangen. »Solche Projekte waren für mich nur dann interessant, wenn ich etwas Neues, Frisches schaffen konnte«, sagt sie. Hier, in den Schweizer Alpen, bot sich ihr nun auf 600 Quadratmetern die perfekte Gelegenheit dazu. Die Besitzer wussten, was sie wollten: das schönste Chalet in dieser herrlichen Umgebung – und Kunst sollte da-rin eine wesentliche Rolle spielen. »Sie protzen nicht mit ihren Stücken wie manch andere Sammler«, erklärt Garidel-Thoron. »Sie lieben Kunst einfach, weil sie ihren Alltag bereichert. Diese Einstellung teile ich vollkommen.« 

»Der Umbau des Chalets nahm gut vier Jahre in Anspruch. Der ursprüngliche Zustand des Hauses ist am besten mit dem Wort schrecklich umschrieben. Kleine Fenster, winzige Räume und Gänge prägten das Chalet. Ein Labyrinth.« 

Bäriger Patron: Innenarchitektin Alexandra de  Garidel-Thoron vor der Plastik »Black Bear« von Xavier Veilhan. Das Kunstwerk ist Namenspatron für das Chalet.  

© Stephan Julliard

Viele der gewählten Werke haben einen engen Bezug zu den Bergen. Zum Beispiel das Selbstporträt von Marina Abramovic im ­Esszimmer, das die Künstlerin vor rustikalem Dekor beim Zwiebelschneiden zeigt, oder auch eine Marmorskulptur von Tony Cragg, deren fließende Formen Garidel-Thoron an ein Schneegebilde erinnern: »Sie sieht aus, als hätte man sie von draußen aus dem Schnee geholt.« Vor dem Haus steht eine lebensgroße Plastik von Xavier Veilhan, die dem Chalet seinen Namen gab: »Black Bear«. »Ich ­liebe die moderne Qualität seines Werks«, sagt sie. »Er ist ein echter Pionier, was den Einsatz prismatischer Formen betrifft.« Der Umbau des Chalets nahm gut vier Jahre in Anspruch.

Der ursprüngliche Zustand des Hauses war »schrecklich«, so Garidel-Thoron: ein italienisch angehauchtes Ambiente mit blauen Decken, gelben Schränken, vielen kleinen Fenstern und vielen winzigen Räumen und Gängen. »Man konnte sich regelrecht verlaufen«, erinnert sie sich. »Es gab Gänge, die nirgendwohin führten – das reinste Labyrinth!« Besonders zufrieden ist sie mit der gelungenen Raumaufteilung. Die vergrößerten Räume bewahren sich dennoch ihre Intimität, und die Haupträume öffnen sich nun zur Umgebung und gewähren spektakuläre Aussichten auf die gegenüberliegenden Gipfel.

Bergwelten

Doch nicht nur die Kunstwerke verweisen auf die Bergwelt, auch das Interieur tut es. »Man muss spüren, dass man in den Alpen ist – besonders bei Kunden wie diesen, die verschiedene Domizile haben«, betont die erfolgreiche Innenarchitektin. »Jedes muss stark in seiner Umgebung verwurzelt sein.« Für den Großteil der Wände und Decken wählte sie recyceltes Altholz, das mit der Axt bearbeitet wurde. Auch Kuhhaut, Felle und Pelze kamen zum Einsatz, und der Indoor-Swimmingpool schimmert mit seiner blauen Mosaikverkleidung wie ein eisiger Gletscher. Einen ersten Blick auf den Pool erhascht man bereits im Eingangsraum durch eine Glasplatte im Boden. »Wenn man das Haus betritt, fühlt man sich gleich eingeladen, ins Wasser zu springen«, lacht Garidel-Thoron.

»Domizile müssen stark mit ihrer Umgebung verwurzelt sein. Beim Gestalten und Einrichten soll man daher sofort spüren, wo man sich befindet.« 

Dazu kommen zwei Bären, Auftragsarbeiten des französischen Designers Arik Levy, von denen einer aussieht, als wäre er aus Fels. Der Kamin im Elternschlafzimmer wirkt hingegen wie »ein in der Mitte auseinandergeschnittener Iglu«. Davor steht ein Coffeetable von Robert Stadler, der an wild übereinandergestapelte Platten aus Schnee erinnert. Garidel-Thorons zweites Thema für das Chalet war die Liebe. »Ich bin eine echte Romantikerin«, sagt sie, »und es gibt überall kleine liebevolle Details.« Dazu zählen zum Beispiel eine Arbeit von Tracy Emin im Flur des Erdgeschosses, deren geschwungener Neonschriftzug den Satz »You Made Me Love You« ­bildet, und auch der löffelförmige Türklopfer am Elternschlafzimmer. »Für mich symbolisiert er den genießerischen Aspekt in einer intimen Beziehung.« Ihre Auftraggeber, die namentlich nicht erwähnt werden wollen, sind begeistert. »Es ist ein großartiger Ort«, schwärmen sie, »ein echtes Kunstwerk, auf das wir alle stolz sein können.«

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