»Ich sehe fröhlich in die Zukunft«

Maximin und Carl von Schubert.

© VDP

Maximin und Carl von Schubert.

Maximin und Carl von Schubert.

© VDP

Auf seiner Mitgliederversammlung wählte der VDP Mosel am vergangenen Donnerstag Dr. Carl von Schubert zum neuen Vorsitzenden. Der Inhaber des Weinguts Maximin Grünhaus, selbst erst seit vergangenem Jahr VDP-Mitglied, folgt auf Egon Müller, der Ende Juni zurücktrat, nachdem ein Konflikt um weitere Neuaufnahmen eskaliert war. Über sein neues Amt und die Herausforderungen desselben sprach Ulrich Sautter mit Dr. Carl von Schubert.

Falstaff: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl, aber es ist auch ein schweres Amt, das Sie jetzt antreten, oder soll ich besser sagen: das Sie sich aufgebürdet haben?

Carl von Schubert: ein schweres Amt, ja. Aber es ist mir angetragen worden, und ich habe eingewilligt, weil ich gesehen habe, dass es eine Möglichkeit ist, möglichst viel Frieden zu schaffen.

Die Stimmung scheint nach der geplatzten Mitgliederversammlung Ende Juni recht angespannt gewesen zu sein.

Das ist für mich die Nummer eins meiner Aufgaben: die Gemüter zu beruhigen und alle neu zu motivieren. Ich möchte auch versuchen, Einigkeit über Neuaufnahmen herbeizuführen, aber erst einmal muss Ruhe einkehren. Ich lege auch großen Wert darauf, dass sich jeder mitgenommen fühlt, damit dieser alt ehrwürdige Verband zur Ruhe kommt. Und dann ist es auch von äußerster Wichtigkeit, dass wir möglichst gut miteinander kommunizieren. Wir müssen wieder miteinander reden statt über einander.

Nun sind Sie selbst, wenngleich hoch angesehen, erst ein Neumitglied im VDP…

Aber ich habe zu allen Mitgliedern im VDP Mosel seit vielen Jahren gute kollegiale bis freundschaftliche Beziehungen, das habe ich auch letzte Woche im Plenum gesagt, es gibt niemanden, mit dem ich mal Streit gehabt hätte oder mit dem etwas aus der Vergangenheit nicht ausgeräumt wäre, das ist sehr günstig. Neben dem ersten kleinen Schock über die viele Arbeit, die das neue Amt mit sich bringt, habe ich nun auch Spaß daran und sehe fröhlich in die Zukunft.

»Man muss die Dinge in Ruhe besprechen auch mit den Weingütern, die betroffen sind. Wir müssen die Dinge langsamer angehen.«
Carl von Schubert

Sie haben die Neuaufnahmen angesprochen. Höre ich da richtig heraus, dass es für die Lösung dieses Konflikts noch keinen neuen Plan gibt?

Es gibt noch keine konkrete Marschrichtung. Letzten Donnerstag war keine Zeit mehr für grundsätzliche Diskussionen, es gab vor meiner Wahl ja auch noch eine Satzungsänderung, das kostete alles Zeit, und wir haben seither auch noch keine Vorstandssitzung durchgeführt. Nun kommt als nächstes erstmal die Versteigerung am 16. September, dann wird man sehen. Man muss die Dinge in Ruhe besprechen auch mit den Weingütern, die betroffen sind. Wir müssen die Dinge langsamer angehen. Die Betriebe, um die es geht, sollen keinen Schaden nehmen, und der VDP auch nicht. Ich habe das ja selbst auch alles erlebt vor der Aufnahme von Maximin Grünhaus. Damals gab es zunächst eine erste interne Abstimmung, noch bevor wir gefragt wurden, ob wir Mitglied werden wollen. Da gab es in unserem Fall ein einstimmig positives Votum. Dann habe ich positive Signale gesendet, dass wir gerne Mitglied werden würden, und dann kam die Betriebsprüfung mit einem sehr komplexen Katalog. Und erst im Anschluss die verbindliche Abstimmung über die Aufnahme.

Im Fall der drei Weingüter, an deren Aufnahme der alte Vorstand zerbrochen ist, scheint man darauf vertraut zu haben, dass es keine mündlichen Einsprüche gab.

Es sind wohl keine vertraulichen Einwände gegen die Kandidaten beim damaligen Vorsitzendenden eingegangen. Deshalb war nach einem Votum, das so nicht erwartet worden war, die Enttäuschung so groß! Es ist natürlich unglücklich, dass vertraulich gefasste Entschlüsse so schnell und nachhaltig an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dies hat den Kandidaten und dem Grossen Ring sehr geschadet. Ich hatte in der Mitgliederversammlung vom 22. Juni ein ungutes Gefühl, dass die Neuaufnahmen nicht wie gewünscht beschlossen werden können. Das Ergebnis und der Eklat haben mich sehr betroffen gemacht – gleich bei meiner ersten Sitzungsteilnahme als Neumitglied!

Nun haben Sie eine auffallend gute Mischung von Vorstandskollegen: die junge Dorothee Zilliken wurde zur zweiten Vorsitzenden und also zur Nachfolgerin von Nik Weis gewählt, aber auch Egon Müller und Nik Weis bleiben dem Vorstand als Beisitzer erhalten.

Ich fühle eine Menge Rückenwind, und ich bin auch froh, dass wir die Dinge nun mit Überzeugung und Leidenschaft anpacken können. Das sind Tugenden, die braucht man als Winzer, und beim Führen eines Winzerverbandes ebenso.

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