Homestory: La Vie En Rose

Designstar Kelly Wearstler steht für einen frischen Look, der Altes, Neues und Artifizielles mixt. 

© Stephan Julliard

Designstar Kelly Wearstler steht für einen frischen Look, der Altes, Neues und Artifizielles mixt. 

© Stephan Julliard

Kelly Wearstlers erster Eindruck von dem Haus in West Hollywood am Rand von Los Angeles war alles andere als berauschend. »Es sah völlig uninteressant aus. Ich weiß noch, dass ich dachte: Uff, hier werde ich richtig die Ärmel hochkrempeln müssen«, erinnert sich die Innenarchitektin. Das Haus war in spanischem Stil erbaut, im Inneren dominierten braune Deckenbalken und weiße Wände. Kelly wollte dem Ganzen eine »Stimme« und eine Persönlichkeit verleihen. Das ist ihr mit ihrem originellen, elektrisierenden Stil auch gelungen, wenngleich es ihr schwerfällt, diesen zu beschreiben. »Ich mag Begriffe wie ›Spaß‹ oder ›verspielt‹ nicht«, meint sie. »Ich würde eher sagen, es ist ein bisschen Punk oder Avantgarde.«

»Wenn ich meinen Stil beschreiben müsste, würde ich sagen, er ist ein bisschen Punk oder Avantgarde.
Begriffe wie ›Spaß‹ oder ›verspielt‹ mag ich nicht.«
Kelly Wearstler Innenarchitektin

Kelly Wearstler in der Empfangshalle. Den Tisch hat Christophe de la Fontaine für Dante: Goods & Bads entworfen. Darauf thront eine Skulptur von Herman Volz. 

© Stephan Julliard

Wie immer man es nennt, ihren Auftraggebern Lana Gomez und Sebastian Maniscalco, deren erstes gemeinsames Kind Serafina im April 2017 – während der Arbeiten am Haus – zur Welt kam, gefällt es. Der Stand-up-Come-dian Sebastian kann Auftritte in der »Late Show« und der »Tonight Show« vorweisen, doch seine Einrichtungserfahrung ist begrenzt. »Meine Frau ist die Künstlerin«, betont er. »In meiner Familie war es so: Man fuhr zum Möbelgeschäft, kaufte eine Garnitur, und alles passte zusammen. An diesem Projekt haben vor allem Kelly und meine Frau gearbeitet, und ich war dann der Typ, der fragt: ›Was kostet es?‹« Lana kommt ursprünglich aus Memphis. Die Malerin lernte Kelly 2008 kennen, als sie in deren Studio ein Praktikum machte. Dort arbeitete sie vor allem an Mustern für Tapeten und Porzellan und an individuellen, auf Kundenwunsch gestalteten Objekten. »Lana hat einen erfrischend unkonventionellen Sinn für Farbe«, schwärmt Kelly. Die beiden sind seit damals eng befreundet und gehen regelmäßig zusammen auf die Jagd nach Vintage-Kleidung. »Mit ihr an dem Haus zu arbeiten fühlte sich ganz natürlich an«, so Kelly. »Ich verstand von Anfang an genau, was sie wollte.«

Vorzüge nutzen

Das Haus selbst wurde 2008 erbaut und verfügte trotz seiner mangelnden äußeren Reize über einige Vorzüge – etwa eine Garage, die sich in ein Atelier für Lana umwandeln ließ. Zu ihren künstlerischen Vorbildern zählt sie Helen Frankenthaler und Robert Rauschenberg sowie das Modelabel ­Libertine. »Die sind wirklich wild und arbeiten viel mit Farben und Texturen«, sagt Lana über die Fashion-Designer, »und genau so male ich.« Dazu kamen ein ansehnlicher Garten hinter dem Haus und eine große Küche – perfekt für den passionierten Hobby-Koch Sebastian. »Mir ist egal, wie viele Quadratmeter es hat, das ganze Haus sollte eine Küche sein«, scherzt er. »Alle bleiben dort hängen. Wo ich auch zu Besuch bin, immer landen alle in der Küche.«  

»Das Haus ist in sich stark gegliedert, was es etwas unruhig macht. Ich wollte erreichen, dass die Räume miteinander in einen engen Dialog treten.« 
Kelly Wearstler über die Rahmenbedingungen beim Einrichten

Komfort-Polizei auf Streife

Bauliche Maßnahmen waren kaum erforderlich. Zu Kellys wenigen Eingriffen zählen ein Bogen für die Eingangstür, ein neues Geländer und ein rundes Fenster für die Treppe sowie eine Erweiterung der Durchgänge zum Esszimmer und zur Küche, die in Marmor eingefasst wurden. Außerdem wurde die Decke des Schlafzimmers um rund 75 Zentimeter angehoben. Die drei wichtigsten Vorgaben von Lana und Sebastian lauteten: modern, bunt, bequem. »Wir waren quasi die Komfort-Polizei«, lacht Lana. »Wir probierten alles aus, bevor wir eine Entscheidung trafen.« Sogar einen Gartenstuhl ließen sie sich zum Probesitzen liefern – und bestellten dann die ganze Garnitur. Im Innenraum setzte Kelly durchgehend auf dieselbe handgefertigte Cannon/Bullock-Tapete. »Das Haus ist in sich stark gegliedert, was es etwas unruhig macht«, erklärt sie, »und ich wollte erreichen, dass die Räume miteinander in einen engen Dialog treten.« Die quadratischen Tapetenstücke sind individuell gefärbt, jedes in einem leicht anderen Ton. In jedem Raum wurden sie in einem eigenen Muster angebracht – eines der auffälligsten ist das diagonale Muster im Esszimmer. Sebastian war »total begeistert. Die optische Täuschung ist genial: Die Leute glauben, es ist aus Stein.«

Kunst als Blaupause

Kelly wollte auch Lanas Kunst ins das Haus integrieren, allerdings nicht einfach in Form ihrer Bilder. »Es sollte ja keine Galerie werden«, meint sie. Stattdessen dienten Lanas Gemälde als Vorbilder für die Teppiche im Wohn- und im Schlafzimmer. Der Rest des Hauses beherbergt eine wunderbar skurrile 

Mischung aus liebevoll zusammengetragenen Möbeln und Einrichtungsgegenständen. »Kelly kommt nicht nach einer Woche mit irgendeinem Entwurf daher«, betont Lana. »Sie sucht wirklich lange herum, um all diese tollen kleinen Teile zu finden. Da steckt echtes Herzblut drin.« Der Ablagetisch von Ettore Sottsass im Eingangsbereich spiegelt Lanas Liebe zum Werk des verstorbenen italienischen Meisters wider. Ebenso markante Stücke sind der schwarz-weiß gestreifte Esstisch, die Mischa-Kahn-Leuchte im Schlafzimmer und eine Bodenlampe von Anton Alvarez im Wohnzimmer. Dazu kommen noch eigens für das Haus gestaltete Auftragswerke der Künstler Peter Shire und Katie Stout. Es ist eine optisch dramatische und hinreißende Mischung – und so etwas richtig hinzukriegen ist eine echte Kunst. »Es ist in erster Linie Bauchgefühl«, erklärt Kelly. »Aber man braucht auf jeden Fall Stücke, die in totalem Kontrast zueinander stehen. Dann funktioniert es.« Lana und Sebastian sind mit dem Ergebnis sichtbar glücklich. »Jeden Tag gehe ich durchs Haus und sehe etwas anderes, bei dem ich mir denke: Hey, das sieht ja auch toll aus.«

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