Castello di Albola bei Radda in Chianti © Zonin
Castello di Albola bei Radda in Chianti © Zonin

Der Name Zonin steht bei Sommeliers und Weinkritikern nicht so im Bewusstsein wie andere große italienische Familienbetriebe. Das liegt einerseits daran, dass die Familie Zonin in Deutschland bisher eher zurückhaltend aufgetreten ist und zum andern daran, dass die Weine des größten italienischen Weinproduzenten in Familienbesitz hauptsächlich das Preissegment unter zehn Euro bedienen. Gute Qualität zu vernünftigen Preisen ist das Credo der Familie, das Gianni Zonin so zusammenfasst: »Viele sind fähig, gute Weine in kleiner Auflage zu erzeugen. Wir wollen einer großen Zahl von Menschen den Genuss qualitativ hochwertiger Gewächse bieten.«

Die Familie Zonin betreibt Weinbau in der 7. Generation. Vor wenigen Jahren hat Gianni Zonin, (*1938), das Zepter an seine drei Söhne übergeben: Domenico (*1973) verantwortlich für Technik und Produktion und seit Juli 2013 Präsident des mächtigen Verbandes »Unione Italiana Vini«, Francesco (*1974) Vertrieb und Marketing und Michele (*1977) Financial-und Qualitycontrolling. Lorenzo (*1974) ist der Neffe von Gianni. Gerade hat er sich mit fünf anderen Kandidaten aus Italien für die dreijährigen Vorbereitungen zum Master of Wein qualifiziert. Neben dem Weinstudium und seinem Job als Wein Ambassador der Gruppe betreibt er in Gavorrano in der Maremma sein eigenes Weingut, die Podere San Cristoforo. Von 45 Hektaren sind 15 mit Wein bepflanzt: San Giovese, Petit Verdot, Syrah sowie etwas Vermentino und Trebbiano. Alle Weingärten werden biodynamisch bewirtschaftet, so wie auch die Olivenhaine und das Getreidefelder auf den andern 30 Hektar. Die 25.000 Flaschen »Carandelle« und die 6000 Flaschen »San Cristoforo« sind sortenrein ausgebaut (San Giovese bzw. Petit Verdot) und haben sich mittlerweile auf zwei Gläser beim Gambero Rosso hochgearbeitet.

Lorenzo Zonin, Wein-Ambassador der Familie / Foto beigestellt

Die Ursprünge und der Firmenhauptsitz der Zonins liegen in Gambellare, zwischen Verona und Padua, wo die Familie seit Beginn des 18. Jahrhunderts auch Weinanbau pflegte. 1921 stellte Domenico Zonin den familieneigenen Grundbesitz gänzlich auf Weinbau um und erweiterte – unterstützt von seinem Neffen Gianni, der ihm als Präsident nachfolgte – seither das Portfolio stetig um Landgüter mit Weinflächen in den besten Weinanbaugebieten Italiens, immer nach dem Prinzip: »Jeder Region ihre Tradition, jeder Region ihr Wein.«

Aktuell betreibt die Familie Zonin zehn Weingüter in Italien und ein elftes in Virginia mit einer Rebfläche von insgesamt 2090 Hektar und einer jährlichen Produktion von ca. 40 Millionen Flaschen, davon 50 Prozent Spumanti und Frizzanti, 30 Prozent Rotwein und 20 Prozent Weißwein.

Produziert wird

  • im Friaul (»Tenuta Ca'Bolani«),
  • in Venetien (»Podere il Gangio«),
  • in der Lombardei (»Tenuta il Bosco«),
  • im Piemont (»Castello del Poggio«),
  • in der Toskana (»Castello d'Albola«, »Abazia Monte Oliveto«, »Rocca di Montemassi«),
  • in Apulien (»Masseria Altamura«),
  • in Sizilien (»Feudo Principi di Butera«) und
  • in den USA (»Barboursville Vineyards«).

Im bekannten Gourmetrestaurant »Endtenfang« in Celle präsentierte Weinambassador Lorenzo Zonin sechs Weine von zweien der drei Zonin-Weingüter in der Toskana: Drei Jahrgänge »Acciaiolo« vom Castello d'Albola (Radda, im Herzen des Chianti Classico) und drei Jahrgänge »Rocca di Montemassi« aus der Maremma. Beide Weine sind Supertuscans, bzw. IGTs weil ihre Komposition von den geltenden Disziplinarien abweicht. Der Acciaiolo besteht mehrheitlich aus Sangiovese und 35 Prozent Cabernet-Sauvignon. Der Rocca di Montemassi folgt der klassischen Bordeaux-Formel mit zusätzlich zwei Prozent Syrah. Beide Weine lassen keinen Zweifel daran, dass im Hause Zonin qualitativ ansprechende Weine auch im gehobenen Preissegment produziert werden. Allerdings werden die  Weingutsweine nur in die Gastronomie und den Fachhandel geliefert.

Castello d'Albola / Foto beigestellt

Verkostungsnotizen:

Rocca di Montemassi 2009
Dunkles konzentriertes Violett, üppige Nase, rote Früchte mit Konfitürenton, erstaunlich weiche, gut eingebaute Tannine, schöne Länge. Eleganter Wein.

Acciaiolo 2009
Dunkles lebhaftes Violett, intensive fruchtige Nase, Amarenakirschen, rote Waldfrüchte, balsamische Noten, Tannine präsent, diskret grün, anhaltender Abgang.

Rocca di Montemassi 2008
Schönes Rubinrot, Nase zurzeit etwas zurückhaltend aber sauber, Pflaumen, schwarze Beeren, frisch geschnittenes Gras, kompakter harmonischer Gaumen, gute Länge. Potenzial.

Acciaiolo 2007
Lebhaftes Rubinrot, saubere, intensive Nase, präsente Frucht nach Heidelbeeren, dunklen Kirschen. Schöne Struktur, weiche und saftige Tannine, lang.

Rocca di Montemassi 2010
Leuchtendes Violett-Rot, frische, leicht pfeffrige Nase, Pflaumen, Rosen, Waldfrüchte und -Aromen, eleganter runder Gaumen, kompakte Tannine, die auf gutem Weg sind. Lang, mit viel Potenzial.

Acciaiolo 2006
Rubin mit leichten Brauntönen, intensive Nase, etwas hefig, Kirschnoten, geröstetes Holz, überreife, kompottige Fruchtaromen. Bittertöne im Abgang, trocknend.

Die Weine hatte Sebastian Wilkens, Chef-Sommelier des Fürstenhofs in ein exquisites viergängiges Menü eingebaut, das der in den Ruhestand wechselnde Küchenchef Hans Sobotka und sein Nachfolger Holger Lutz komponiert hatten. Es sieht so aus, als ob die mediterran orientierte Aromenküche, mit der Sobotka 25 beachtliche Jahre einen Stern gehalten hatte, sich behutsam in eine noch leichtere, elegante Küche weiterentwickelt. Die gestraffte und ausgebaute Weinkarte wird da gut mithalten können. Den aus Lerbach, Bensberg, Sylt und Stuttgart angereisten Sommeliers hat der Abend sichtlich gefallen.

(Sven Traichinger)

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