»Jeder Mensch ist ein Held,« erklären die Gastgeber Julia Stevens, Markus Hampp und André Jean-Marie Nini auf der Internetseite ihres neuen Restaurants »Heldenplatz«: vom Unfallchirurg über die alleinerziehenden Mutter, bis hin zu Landwirten und Winzern – Menschen die ihr Leben im Alltag meistern, außergewöhnliches Leisten. So darf sich jeder Gast direkt ein bißchen heldenhaft fühlen, ausgenommen sind »Foodblogger«, die sind »unerwünscht« und auch für »Restaurantkritiker im Dienst« ist kein Platz, verkündet die Aufschrift auf der Kreidetafel über dem Büffet. Den Rezensenten trifft die Ablehnung gleich doppelt, ein Glas Champagner und Humor helfen.

Gradlinige Einrichtung mit Heldengemälden
Es sitzt sich bequem in den rostroten Lederfauteuils, die Einrichtung des Restaurants ist insgesamt gradlinig, angenehm zurückhaltend, reduziert. Hohe Decken, Stuck, indirektes Licht und Spots über den Tischen, auf Tischwäsche wird verzichtet, casual fine dining ist das Motto. Faszinierend-schräg: die großen »Helden«-Gemälde an den Wänden, u.a. ein Portrait von Pilot Chesley Sullenberger, dem Mann, der 2009 einen vollbesetzten, defekten Airbus auf dem Hudson River notlandete.

Übersichtliche Speisekarte, treffliche Weinauswahl
In der Küche wirkt Markus Hampp, der gleichberechtigt zum Geschäftsführer-Dreigestirn gehört, die Karte ist französisch geprägt und angenehm übersichtlich, je vier Vorspeisen und Hauptgänge, je drei Zwischengänge und Desserts, ein vier-Gang-Menü (49 Euro). Die Fines de Claire Auster aus Cancale gib es ab 3,50 Euro das Stück, teuerstes Gericht auf der Karte ist bei unserem Besuch das Miral Schwarzfederhuhn mit Polenta und Lauch für 28 Euro. Besonders gefielen Rinderconsommé mit Mark, Ochsenbacke mit Gänseleber, Trüffel und Sellerie, sowie eine geniale Kombination aus Hokkaidokürbis »süß-sauer« mit Büffel-Ricotta, Haselnuss und Birne. Bei der Weinauswahl berät Sommelier André Jean-Marie Nini trefflich, Julia Steffens leitet charmant den Service.


Die Geschäftsführer (v.l.n.r.): Koch Markus Hampp, André Jean-Marie Nini und Julia Steffens. / Foto beigestellt

Speisen bis weit nach Mitternacht
Eine Heldenmedaille gebührt den Gastgebern für ihre Gedanken zu den Öffnungszeiten, die sind ungewöhnlich und schließen gleich zwei große Lücken im Gastro-Angebot der Hansestadt: endlich gibt es eine unprätentiöse fine dining Adresse die auch Sonntags geöffnet hat (dafür ist Montag und Dienstag zu)! Und mit den Küchen-Zeiten dürfte Hamburg auch endlich an Weltstadt-Niveau angeschlossen haben, serviert wird bis zwei Uhr Nachts, ein längst überfälliges Angebot, dass sich an Nachtschwärmer, Theaterbesucher und nicht zuletzt auch die Kollegen aus der Gastronomie richtet, die hier zum Feierabend noch einkehren können.

»Heldenplatz«
Brandstwiete 46
20457 Hamburg

www.heldenplatz-restaurant.de


(Von Stevan Paul – www.nutriculinary.com)

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