GUCCI für Daheim

Alessandro Michele leitet seit 2015 die Kreativabteilung bei Gucci. Er entstaubte das Label und brachte frische Ideen ein. Etwa mit dem Launch einer eigenen Deko-Kollektion.  

© Courtesy of Ronan Gallagher for Gucci

Alessandro Michele leitet seit 2015 die Kreativabteilung bei Gucci. Er entstaubte das Label und brachte frische Ideen ein. Etwa mit dem Launch einer eigenen Deko-Kollektion.  

© Courtesy of Ronan Gallagher for Gucci

Ab und an passiert es, dass aus einer Notlösung unerwartet Großes entsteht. Als vor gut zweieinhalb Jahren der Mailänder Modeplayer Gucci die Chefdesignerin Frida Giannini feuerte, holte man Alessandro Michele vor den Vorhang. Der 45-jährige Italiener werkte bis dahin in der zweiten Reihe im Konzern und nützte seine Chance. »Mich faszinieren alle Formen des Wahnsinns«, gab der Römer zu Protokoll und krempelte die damals in der kreativen Bedeutungslosigkeit dümpelnde Marke um. Mit viel Glitzer und Satin und durchgeknallten Hommagen, wie etwa an die Technoszene der 90er oder die italienische Renaissance. Das knallte und war eine Wiedergeburt des Modehauses, die sich auch trocken in Zahlen messen lässt: plus 20 Prozent Umsatz in zwei Jahren. 

Michele, das Provisorium, ist gekommen, um zu bleiben, und taucht mittlerweile in der renommierten »Time«-Magazin-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt auf. Sein Kumpel, Oscar Preisträger und Gucci Testimonial Jared Leto, verbeugt sich deshalb vor dem wirren Genie leicht schwülstig: »Menschen mögen Gucci nicht einfach nur, sie begehren es. Und das ist so, glaube ich, weil sie verstehen, dass Michele sein ganzes Herzblut in jede Sache einfließen lässt, der er sich widmet, und dass er mit uns eine ebenso flüchtige wie mächtige Zutat teilt – nämlich Liebe.«

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Diese Liebe teilt der Designer nun auch auf eine neue Weise mit den Label-Fans. Er lancierte vor Kurzem Gucci Décor, und diese Home Collection komprimiert in exklusiven Stücken die Philosophie und den Kosmos von Alessandro Michele. Kräftige, schrille Farben, traditionelle Muster, die in über­drehte Neoromantik kippen, und jede Menge Gucci-Tiere wie Schlangen und Tiger, Schmetterlinge, ­Bienen und Käfer. Egal, ob Sessel, Klapptisch, Paravent, Polster oder Wand­tapeten, die wahlweise aus Papier, ­Vinyl oder Seide sind – nichts ist vor dem Entstauben von Traditionen sicher. 

Micheles Philosophie offenbart sich vor allem bei den kleineren Arbeiten seiner Kollektion. Sie sind aus Porzellan und werden von ­Richard Ginori, einer ehrwürdigen Porzellanmanufaktur in Florenz, produziert. Hochwertiges Handwerk trifft auf hochwertiges Design und treibt lustige Blüten, als Kerzenhalter oder wenn zu Räucherstäbchen, deren Duftnoten ebenfalls von Michele kreiert wurden, gleich der passende Porzellanhalter mitgeliefert wird.

Zu haben sind die gute Stücke in Gucci-Boutiquen. Dort werden sie unkonventionell zwischen aktuellen Kollektionsteilen versteckt oder – profan, aber effektiv – online angeboten.