Es ist noch nicht so lange her, da waren Miesmuscheln in Köln der Inbegriff von Seafood. Außer dem Branzino beim Italiener waren auch Fische Mangelware. Das hat Ralf Marhencke, umtriebiger Chef des »Poisson«, gründlich verändert: Seine Meeresfrüchte importiert er zum Großteil aus Island, zweimal pro Woche werden Kabeljau, Shrimps und Co. frisch eingeflogen. Drei Jahre hat es gedauert, bis das Konzept von den Kölnern ­angenommen wurde. »Anfangs war es schon mühsam und manchmal recht leer«, erinnert sich der Patron mit Erfahrung aus Los Angeles und San Francisco. »Doch heute brummt der Laden.« Kein Wunder, er liefert nicht nur den besten Fisch, sondern auch die beste Nicht-Sterne-Fischküche zwischen Düsseldorf und Köln. Als Vorspeise wird Deftiges wie Dreierlei vom Matjes oder eine erstklassige Mini-Bouillabaisse, Kreatives wie Langostinos mit Chorizo-Paprika-Fumé oder Calamaretti mit jungem Knoblauch und rote Peperoncinos angeboten. Beim Hauptgang fällt die Wahl schwer: ein Eismeer-Kabeljau (aus Island) mit Sauerkraut und Kartoffelstampf, ein weißer Heilbutt mit Kalbsbäckchen und Meerrettich, ein Seeteufel (aus der Bretagne) mit Rosenkohl und schwarzer Trüffel. Das alles wird am offenen Herd zubereitet, wirklich sehenswert. Die jungen Damen in schwarzen Uniformen sind zuvorkommend und mildern ein bisschen das kalte Interieur des ehemaligen Fischgeschäftes gleich neben der Parkgarage. Hervorragend ist die Weinkarte: natürlich Frankreich und Italien, aber auch ausgezeichnete deutsche Tropfen von Rebholz bis Keller. Das alles hat seinen Preis: Mit 150 Euro (inklusive einer Flasche ordentlichen Weins) für zwei Personen muss man schon rechnen. Aber schließlich wird der Fisch aus Island eingeflogen … (HM)

Bewertung
Essen 45 von 50
Service 16 von 20                           
Weinkarte 16 von 20
Ambiente 6 von 10 
GESAMT 83 von 100


Poisson
Wolfsstraße 6–14
50667 Köln
T: +49/(0)221/27 73 68 83
Di.–Fr. 12–15 und 18–22 Uhr
Sa. 12–22 Uhr
www.poisson-restaurant.de

    
aus Falstaff 01/11

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