Die pralle Weinkarte mit 2612 Positionen beflügelt dabei ebenso die Sinne wie die träumerische Atmosphäre. Raritäten aus Frankreich und gereifte Rieslinge sind dabei die Spezialitäten des Hauses.

Bravouröses Ochsenschwanzragout
Küchenchef Patrik Kimpel, der nach 20 Jahren als Geschäftsführer in den Ketschauer Hof nach Deidesheim wechselte, machte seinem langjährigen Souschef Sebastian Lühr Platz. Dieser arbeitet noch immer so vorsichtig nach dem bewährten Stil, dass der Wechsel des Küchenchefs nur stellenweise auf dem Teller zu bemerken ist. So oder so: Der zarte Saibling mit Schnittlauchgel und Erbsencreme ist ein delikater Einstieg. Beim gegrillten Hummer sind nicht Kartoffel, Kürbis und Trüffel die wichtigsten Begleiter, sondern eine aparte Entenfettpraline mit Remouladenfüllung. Die sehr gute, karamellisierte Gänseleber mit Haselnuss, Granatapfel und Ananas zeigte solides Handwerk. Zum faden Schonkostgericht mutierte hingegen der zu lange gegarte Loup de Mer in bedeutungsloser Zi­tronen-Mandel-Sauce. Das mit Abstand beste und markanteste Gericht war das geschmorte Ochsenschwanzragout, schichtweise im großen Glas mit Spinatcreme, Nussbutterschaum, pochiertem Eigelb und Perigord-Trüffel serviert. So eindeutig und bravourös wünschen wir uns die ganze Küche.

Die Preise fallen größer aus, als die Portionen es rechtfertigen. Der einsatzfreudige und kompetente Service arbeitet verkaufsfördernd, was zwar das Hotel freut, den Gast aber leicht überfordern kann. Als Gesamtpaket aus Ambiente, Küche, Service und Weinkeller hat das Kronenschlösschen bereits gutes Format – auch wenn noch Luft nach oben ist.

 

Bewertung
Essen 42 von 50
Service 17 von 20
Weinkarte 20 von 20
Ambiente 10 von 10
Gesamt 89 von 100

KRONENSCHLÖSSCHEN
Eltville-Hattenheim
Rheinallee
T: +49/(0)672/36 40
So.–Sa. ab 18.30 Uhr
www.kronenschloesschen.de

(MT)

>>> Weiterlesen: Gourmetguide Deutschland, Teil 7

Aus Falstaff Deutschland 03/14

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