Geschützter Ursprung für Würzburger Stein-Berg

Die Direktoren der Stein-Weingüter: H. Koelsch, R. Haller und T. Heuft (v.l.).

© Bürgerspital

Stein-Weingüter-Direktoren

Die Direktoren der Stein-Weingüter: H. Koelsch, R. Haller und T. Heuft (v.l.).

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»Sportlich«, sagt Robert Haller, sei das alles gewesen. Der Direktor des traditionsreichen Würzburger Bürgerspitals präzisiert auch sogleich die Sportart, an die er denkt: Einen »Marathon« nennt er das Antragsverfahren, das sich über sechs Jahre und einen Kommunikationsprozess mit unzähligen Rückfragen hinzog. »Doch jetzt sind wir am Ziel, alles in allem hat sich der Aufwand gelohnt, und wir sind sehr, sehr glücklich.«

Richtiges Bauchgefühl

Gemeinsam mit seinen Würzburger Güterkollegen, mit Horst Kolesch vom Juliusspital und Thilo Heuft vom Staatlichen Hofkeller trat Haller den Gang nach Brüssel an, um die besten Parzellen des Würzburger Stein unter besonderen Rechtsschutz zu stellen. »Anfangs hatten wir rund 35 Hektar aus dem Bauchgefühl heraus abgegrenzt. Und dann ergab sich im Lauf des Antragsverfahrens das erstaunliche Faktum, dass Janek Schumann bei den Recherchen für seine MW-Abschlussarbeit auf einen Katasterauszug von 1833 stieß, dessen Bonitierung exakt unsere Abgrenzung bestätigt hat.« Das habe ihrem Antrag »zusätzlich Glaubhaftigkeit« gegeben, zieht Haller ein zufriedenes Fazit.

Gesetzlicher Schutz

Da »Würzburger Stein« als Lagenname für die angestrebte g.U. ausschied – seit 1971 umfasst die Lage laut deutschem Weinrecht über 80 Hektar und also mehr als das Doppelte der angestrebten Fläche – kam es gelegen, dass sich auf einer Karte von 1926 die Bezeichnung »Steinberg« für die besten Parzellen fand. Nun geniesst der »Würzburger Stein-Berg« gesetzlichen Schutz wie etwa »Prosciutto di Parma«, »Steirisches Kürbiskernöl« oder »Crottin de Chavignol«. Die Besonderheit beim Wein ist, dass kleinräumige Herkünfte eine sehr seltene Ausnahme im g.U.-Katalog darstellen. Für Deutschland sind bislang fast ausschließlich ganze Anbaugebiete wie »Baden«, »Mosel« oder »Rheinhessen« als g.U. erfasst. Die einzigen kleinräumigen g.U. außerhalb des Würzburger Stein-Bergs umfassen die drei Winninger Lagen Uhlen Roth-Lay, Uhlen Blaufüsser Lay und Uhlen Laubach (Mosel), den Bürgstadter Berg (Franken), sowie den Monzinger Niederberg an der Nahe. Im Genehmigungsverfahren befinden sich zudem der Iphöfer Julius-Echter-Berg (ebenfalls in Franken), sowie die Herkunft Großräschener See in Brandenburg.

Die Stein-Berg Weine

Da alle drei Betriebe, die aus dem künftigen Würzburger Stein-Berg Weine vermarkten, Mitglieder des VDP sind, ist der gesamte Stein-Berg bereits als VDP.Grosse Lage klassifiziert, ab 2021 wird es dann auch Grosse Gewächse vom Stein-Berg geben. Die Lagen Stein-Harfe (als Grosse Lage und Alleinbesitz des Bürgerspitals) und Stein (als Erste Lage für VDP-Betriebe und als allgemeiner Lagenname für die beiden nicht-VDP-Betriebe) werden ebenfalls weiter auf Etiketten zu lesen sein.

Sorgfältig ausgewählt

In den Würzburger Büros, vor allem in demjenigen des federführenden Robert Haller, kann ein guter Laufmeter an Akten nun archiviert werden: »Es wird ja oft davor gewarnt«, sagt Haller, »dass die geschützten Ursprungsbezeichnungen nicht überhand nehmen dürften, damit das System nicht entwertet wird. Aber nach all den Wegen, die wir die letzten Jahre durchlaufen haben – erst nach München, dann nach Berlin und schließlich nach Brüssel – sehe ich keine Gefahr, dass uns eine Inflation an geschützten Ursprungsbezeichnungen drohen könnte.«

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