Gästewunsch E-Tankstellen und E-Fahrzeuge

Bereits seit 2014 ist Gastwirt Josef Floh elektrisch unterwegs.

© Jürgen Skarwan

Bereits seit 2014 ist Gastwirt Josef Floh elektrisch unterwegs.

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An manchen Tagen zählt Richard Absenger mehr als hundert Ladetätigkeiten von Elektrofahrzeugen in seinem Hotel. Der Gastgeber des 3-Sterne-Hotels »Kaiserhof« in Anif bei Salzburg gilt als einer der Vorreiter von E-Mobility im deutschsprachigen Raum. Heute verfügt das Hotel über mehr als 30 Ladepunkte, einen eigenen Fuhrpark von sieben E-Autos und unter den Stammgästen sind immer mehr Lenker von Elektrofahrzeugen zu finden – Marken wie Porsche und Tesla verraten zudem auch etwas über die gehobene Gästeschicht. »Für uns hat sich das inzwischen zu einem guten Geschäft entwickelt«, sagt Absenger.

Richard Absenger und Ina Permetinger vom »Kaiserhof« bieten mehr als 30 Ladepunkte.

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E-Mobilität wird ausgebaut

Tatsächlich befindet sich die E-Mobilität vor allem in der Hotellerie und Gastronomie auf dem Vormarsch: Laut einer Umfrage haben 37 Prozent der Betriebe in den vergangenen drei Jahren in Ladestationen und E-Mobility investiert, 48 Prozent planen Erweiterungen und neue Investitionen in ­diesem Bereich innerhalb des kommenden Jahres. »Die Möglichkeiten, mit Hilfe von Elektromobilität neue Gästegruppen anzusprechen, werden von den Hotels immer ­besser erkannt und teilweise bereits intensiv genutzt«, sagt Reinhard Neudorfer, Geschäftsführer der Plattform Hotelimpulse.

Die Neuanmeldungen nehmen stetig zu

Allein im vergangenen Jahr wurden in Österreich mehr als 11.300 Elektrofahrzeuge (inklusive Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge) zugelassen – ein neuer Rekord. In Deutschland sind es in diesem Jahr bereits 48.000 Neuzulassungen. Weil knapp 70 Prozent der Urlauber bei Reisen im Inland mit dem Auto unterwegs sind, werden passende E-Ladestationen für die Branche immer wichtiger und sind manchmal sogar ein ­Entscheidungskriterium.

Fahrer von E-Autos sind oft eine finanzstarke Gästeschicht.

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Die Ladekapazität ist entscheidend

So sieht das auch Michael Pfaller, Geschäftsführer der »Weitzer«-Hotels. »Gerade haben wir in Wien direkt vor unserem Hotel ›Grand Ferdinand‹ eine Ladestation errichtet. Für unsere ›Daniel‹-Hotels wurden zudem zwölf Elektrovespas angeschafft. Mobilität endet heute nicht in der Hotelgarage, sondern wird als weiterführende Leistung angeboten«, sagt Pfaller. Damit ergeben sich für die Branche unterschiedliche Möglichkeiten, auf E-Mobilität zu setzen: Es gibt zahlreiche Anbieter, die Ladestationen teilweise sogar kostenlos errichten und dann gegen eine monatliche Gebühr betreiben, warten und die ­Ladepunkte zudem über ihr Netzwerk für E-Fahrer sichtbar machen, was wiederum neue Gäste bringen kann.

Richtwert drei bis vier Ladestationen pro hundert Betten

Laut Smatrics, Österreichs größtem E-Mobility-Anbieter, sind drei bis vier Ladestationen pro hundert Betten ein guter Richtwert. Die andere ­Möglichkeit ist, Ladestationen selbst zu in­stallieren, so wie das auch »Kaiserhof«-Chef Absenger macht. »Wichtig ist zu wissen, welche Ladekapazität man anstrebt. Angeboten wird oft die höchste, nutzen können das aber die wenigsten Fahrzeuge.

E-Vespas Hotel Daniel

E-Vespas bieten die »Daniel«-Hotels ihren Gästen in Graz und Wien.

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Gewinn für Betriebe

Seit 2014 setzt auch Josef Floh in Langenlebarn auf E-Mobilität – zum Beispiel beim eigenen Lieferfahrzeug. »Auf diese Weise spare ich mehr als 600 Liter Sprit im Jahr und habe meine Emission um 1,5 Tonnen CO2 reduziert«, rechnet der Spitzengastronom vor. Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist ein E-Auto von Vorteil, weil keine motorbezogenen Steuer anfällt und es zudem öffentliche Förderungen gibt.

Während dem Aufenthalt wird geladen

Die Ladeleistung für die Gäste selbst ist jedoch nicht mehr in allen Betrieben kostenlos. »Im Unterschied zur Hotellerie ist die Ladedauer vor allem in der Gastro kürzer. Ganz einfach deshalb, weil das Laden über den Zeitraum des Aufenthaltes passieren muss«, sagt Smatrics-Marketingleiterin Birgit Wildburger. »Die Tesla-Topmodelle haben heute bereits große Batterien, das Laden wird so zu einer auch finanziell signifikanten Größe, die man nicht mehr so einfach verschenkt.« Verrechnungen werden so über die diversen Anbieter geregelt, die Betriebe können dabei mitverdienen.

E-Tankstelle Gastronomie

Die E-Tankstelle ist ein Entscheidungskriterium für Gäste.

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Hotelgutscheine für E-Bikes und E-Autos

Ein ganz anderes Modell bietet der Tiroler E-Mobility-Dienstleister Greenstorm an, zu dessen Partnern bereits mehr als 1100 Hotels und Gastronomiebetriebe in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Kroatien zählen: Das Unternehmen ­stattet Hotels kostenlos mit neuen E-Bikes und E-Autos von Top-Herstellern aus. Im Gegenzug dafür erhält Greenstorm Hotelgutscheine für leerstehende Zimmer, die wiederum über Greenstorm vermarktet werden. »Dem Hotelier entstehen nicht einmal ­Kosten für den laufenden Betrieb«, sagt Greenstorm-Chef Richard Hirschhuber, der sich gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Philipp Zimmermann vor kurzem über ein millionenschweres Investment eines Londoner Kapitalunternehmens freuen durfte. Nicht zuletzt ist auch das der Beweis für das Potential, das E-Mobilität in der Hotellerie und Gastronomie hat.

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Falstaff Profi Magazin 5/2019
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