Naturnaher und umweltschonender Weinbau sind Fritz Keller ein wichtiges Anliegen.
Naturnaher und umweltschonender Weinbau sind Fritz Keller ein wichtiges Anliegen.

© Falstaff/Paul Schirnhofer

Es sind diese Begeisterung, dieser Respekt auch vor Kleinigkeiten, die den 55-jährigen Fritz Keller auszeichnen. Nur mit solcher Leidenschaft ist es möglich, dem Weingut, ­dem Restaurant und Hotel im Zeichen des Schwarzen Adlers am Kaiserstuhl diese Authentizität, dieses Qualitätsbewusstsein und diese Gastfreundschaft zu verleihen.

Zauberkeller

Der Schwarze Adler und das Logo auf den Flaschen sind längst zu einem Markenzeichen worden. Immerhin geht es inzwischen um jährlich 350.000 Flaschen Wein von 55 Hektar Rebfläche, das ist schon etwas in Deutschland – und zwar immer um genau den Wein, »den ich vorher in meinem Kopf habe entstehen lassen«, so Keller. Seine ­Spätburgunder A und S gehören zu den Top-Rotweinen hierzulande, sie haben wie die weißen Burgunder Frankreich als Vorbild. Friedrich Walter »Fritz« Keller führt in dritter Generation das Weingut Franz Keller Schwarzer Adler in Vogtsburg-Oberbergen sowie das Hotel und Sterne-Restaurant »Schwarzer Adler«. Und einen Weinhandel. In den Gewölben lagern 800.000 Flaschen aus 15 Jahrgängen und 54 Weinbauregionen. »Kellers Keller« ist ein Zauberwort für viele Weinliebhaber in aller Welt.

In Kellers Keller lagern 800.000 Flaschen aus 54 Regionen.
In Kellers Keller lagern 800.000 Flaschen aus 54 Regionen.

© Falstaff/Paul Schirnhofer

Er sei im Sinne Brillat-Savarins großgezogen worden, schildert Fritz Keller seine ­Jugendjahre, als er mit den Eltern an den Ruhetagen nach der Schule zu den großen Köchen wie Bocuse zum Abendessen fuhr. Das prägt – das Restaurant »Schwarzer ­Adler« besitzt seit 1969 ohne Unterbrechung einen Michelin-Stern, »der längste Stern Deutschlands«, sagt Keller. Und es ist für ­seine umfangreiche Weinkarte mit mehr als 2500 Positionen – vorwiegend aus Bordeaux und Burgund – bekannt.

Der Weg des Vaters

Fritz Keller, der bereits 1990 das Weingut vom Vater übernahm, geht dessen innovativen Weg konsequent weiter und steht für kompromissloses und konsequentes Qualitätsbewusstsein. Das setzt bereits im Weinberg ein: naturnaher und umweltschonender Anbau ist ihm ein wichtiges Anliegen.

Im Sommer wird der Neubau der großen Kellerei mit Vinothek und einem weiteren Restaurant eröffnet. Für Fritz Keller ist das Projekt eine »wichtige Investition in die Zukunft unseres Weinguts, in die unserer Region, in die der nächsten Generation und in Arbeitsplätze. Wir leben von der Landschaft und für die Landschaft. Darauf muss die Architektur Rücksicht nehmen.«

Sterne-Küche plus grandiose Weinkarte: Hotel und Restaurant »Schwarzer Adler«.
Sterne-Küche plus grandiose Weinkarte: Hotel und Restaurant »Schwarzer Adler«.

Foto beigestellt

Das neue Weingut wird sich unauffällig und organisch in die für den Kaiserstuhl so typischen Schichten und Terrassen einfügen. Dieser einzigartigen Kulturlandschaft angepasst, wird das in verschiedenen Ebenen gestaltete Gebäude die Gravitation beim Weinausbau nutzen, Einblicke in die Produktionsabläufe geben und gleichzeitig ­einen herrlichen Panoramablick bieten.

Begrünte Dächer, nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen durch Nutzung der natürlichen Isolationsmöglichkeiten des Bodens, Einsatz von Fotovoltaik und die Reduzierung der CO2-Emissionen lassen das Gebäude zu einem »Green Building« werden. Auf 4000 Quadratmetern ist Platz für Weinbaumaschinen, Traubenverarbeitung, Weinkeller, Abfüllung, Flaschenlager, Verkauf und Versand vorgesehen.

Solidarität für die Branche

Besonders erwähnenswert ist das Projekt Vitis, es ist in Deutschland beispiellos. Fritz Keller beliefert damit den Discounter Aldi. Und das hat seine Gründe: Immer mehr Winzer auch in Baden bewirtschaften ihre unrentablen Rebflächen nicht mehr und würden sie aufgeben – Vitis ist also ein Solidaritätskonzept für die Branche. Die Trauben kommen von 750 Winzern aus ganz Baden, werden deutlich höher bezahlt, in verschiedenen Kellereien vinifiziert und im Markgräflerland ausgebaut. »Die haben anfangs gesagt, der spinnt«, schmunzelt Fritz Keller. »Viele Winzer musste ich erst aus ihrem Elfenbeinturm herausholen.« Ihm ist es sehr ernst mit Vitis. »In Wahrheit betreibt Aldi damit Landschaftsschutz und erhält ein wertvolles Kulturgut.« Besonders gerührt hat ihn, als ein ­alter Winzer zu ihm sagte, jetzt könne er durch die höheren Traubenpreise seine Rebflächen an seine Enkelin weitergeben, das habe er zuvor nicht verantworten können.

Ein Spätburgunder und ein Weißburgunder sind im Sortiment von Aldi Süd. Die »Edition Fritz Keller« bringt zusätzlich einen Spätburgunder Reserve (ausschließlich aus Reben, die älter als 30 Jahre sind), eine Rotweincuvée, einen Sekt, einen Riesling und einen Pinot Noir – Fritz Keller ist es gelungen, schätzungsweise über eine Million Flaschen jährlich für Aldi abzufüllen, von respektabler und überaus seriöser Qualität.

An dem Vitis-Projekt arbeitet er zusammen mit dem Initiator Frank Frickenstein seit 2007, es geht ihnen vor allem um handwerklich gute Produkte. Die Winzer beugen sich seinen Qualitätsansprüchen, wer nicht spurt, erhält zunächst die Gelbe Karte, beim nächs­ten Mal zeigt Keller die Rote: »Im ersten Jahr sind 15 Prozent der Winzer bei uns wieder rausgeflogen.« Mit solchen Platzverweisen kennt sich Keller aus, schließlich ist er Präsident des Fußballclubs SC Freiburg. Wenn sein Team gespielt hat, spiegelt sich das Ergebnis noch nach Stunden in seinem Gesicht wider. Die bekannt gute Nachwuchsarbeit im Club ist nicht zuletzt sein Verdienst, die Förderung junger Talente war ihm immer schon wichtig. Keller war viele Jahre Vizepräsident der Sommelierunion und an der Gründung der Sommelierfachschulen beteiligt.

Ein paar schöne Reblagen möchte sich Fritz Keller in der Region in den kommen­den Jahren noch zulegen, vielleicht auf den ­Vulkanverwitterungsböden des Achkarrer Schlossbergs, um es dann etwas ruhiger angehen zu lassen. Als Lebenstraum bleibt ihm da etwas sehr Naheliegendes, für seine drei Söhne und den Schwarzen Adler. Einer lässt sich in Geisenheim zum Winzer ausbilden, einer spielt Fußball in den USA. Jetzt fehlt ihm zu seinem Glück nur noch, dass der dritte Sohn nach der Ausbildung das ­Restaurant und das Hotel übernimmt.

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