Freiheitsstrafe für angeblichen »Winemaker«

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Bei der großen gemeinsamen Jungweinprobe der beiden Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut 2015 ließ sich Ronald Nüssler noch feiern – als »Winemaker« wollte er mit seinen Weinen »die goldene Seite des Weins einfangen« – daraus wurde nichts: Nüssler verschwand 2017 so schnell von der überschaubaren sächsischen Weinlandschaft wie er aufgetaucht war – und nun schob nachvollziehbar für alle das Amtsgericht Dresden auch noch die Begründung nach: Nüssler wurde wegen Betruges in acht Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt ist.

Undurchsichtig und dubios war Nüsslers Auftreten von Anfang an. Ein eigenes Weingut hatte er nicht – und wollte bei einem Interview während der Jungweinprobe auch nicht die Herkunft seiner Trauben verraten. Dass sie linkselbisch bei einem namhaften Winzer wuchsen, rechtselbisch bei einem großen Weingut ausgebaut und wiederum linkselbisch bei einem anderen Winzer abgefüllt wurden, blieb Insidern jedoch nicht verborgen – und dass die Weine trotz des Boheis und der mehrfachen Elbquerung gut waren, lag nicht am Winemaker, sondern an dessen Küfer Stefan Bönsch, der als Weinmacher schon bei Wackerbarth, Martin Schwarz und nicht zuletzt beim eigenen kleinen Weingut viel bewegt hat.

Nüssler hingegen, der gelernter Schreiner ist und sich während der Weinprobe als Produktdesigner vorstellte, beließ es bei großartigen Ankündigungen (so verbreitete er, das Schloss Taubenheim im linkselbischen Kipphausen gekauft zu haben, um dort sein Weingut zu gründen) und beglich immer weniger seiner Verbindlichkeiten. Ins tatsächlich lediglich gemietete Schloss ließ er beispielsweise eine Traubenpresse im Wert von 36.500 Euro liefern – und zahlte sie nicht.

»Die teuflische Verführung der neuen Weine soll Lust machen. Lust auf Genuß [sic!], Lust auf Leben, Lust auf Liebe. Wann lassen Sie sich verführen?« heißt es auf der immer noch zugänglichen Webseite (www.ronald-nuessler.de) – Sätze, die mit dem neuen Wissen einen ganz anderen Klang bekommen. Seine Weine trugen anspruchsvolle Namen: der (im übrigen sensationell trinkflussanregende) Rosé war Besonnen, der Blanc de Noir war Unbestechlich, Weltoffen der Dornfelder. Der Weißburgunder hieß Dankbar und – besonders pikant – der Spätburgunder: Unbezahlbar.

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