Fine Dining in Berlin-Mitte: »theNOname«

© White Kitchen

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Die Oranienburger Straße hat mächtig gelitten über die Jahren, alles Subversive und Berlin-Typische wie das Kunsthaus Tacheles, der ehemalige Club WMF und der Rodeo Club mit seinen Dinnerparties ist verschwunden, stattdessen bestimmen Touristen, Junggesellenabschiede und Investoren rund um das Google Headquarter das Geschehen. Ausgerechnet hier kommt nun ein Restaurant an, das sich geheimnisvoll »theNOname« nennt und unbedingt an wildere Zeiten anknüpfen will. Im ehemaligen Café Orange mit seinen Jugendstil-Stuckdecken, auch eine einstige Berliner Institution, hängt nun ein überlebensgroßes photorealistisches Bild einer verschnürten Bondage-Schönheit, die auf die Gäste herab lächelt. Die Botschaft des »theNOname« wird hier von den goldenen Toiletten mit Graffiti bis hin zum Menü laut und deutlich: »Seht her, wir sind anders, wir sind Berlin.«

Das Ziel ist der Stern

Für die Küche hat man sich daher einen unkonventionellen Chef mit bewegter Vergangenheit geholt: David Kikillus, der schon früh zahlreiche Preise abräumte und 2016 nur sieben Monaten nach der Eröffnung seinen ersten Michelin-Stern für das »Kikillus« in Dortmund erhielt. Bald darauf tauschte er jedoch – wohl auch wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten – Dortmund gegen die Welt ein und kochte auf Stationen wie Shanghai, Dubai, Kitzbühel und Mallorca. Umso furioser ist nun sein Comeback in Berlin. Kikillus wartet mit einem sehr ungewöhnlichen und aufwendigen 6- bis 8-Gänge Menü auf, das durch innovative Techniken und handwerkliche Perfektion besticht. Für seine Kreationen setzt er aber rigoros bei der Qualität des Produkts an. Wunderbar ist etwa das auf einem Löffel servierte Wagyu über einem Wachteleidotter, beides schmilzt im Mund einfach weg. Oder der abgeflämmte Kaisergranat aus Island, der mit gepickeltem Butternusskürbis in Ravioli-Form und einer Kürbismousseline mit Bergamotte, Kokos und Curry verfeinert ist. Maximal auf Geschmacksintensität reduziert ist auch der erfrischende Zwischengang aus einem Mandelmilchsorbet, dessen Klarheit mit den komplexen Noten einer reduzierten Sellerieessenz zum Trinken kontrastiert wird.

Das Ziel im »theNOname« ist ziemlich klar: der Stern. Als Crew steht Kikillus hierfür ein fantastisches Team zur Seite. Etwa der Sous Chef Vicenzo »Enzo« Broszio, der bereits im Berliner Sterne-Restaurant »einsunternull« aufgefallen ist. Von dort kennt man auch den Sommelier Steve Hartzsch, der nun eine spannende Weinkarte mit rund 200 Positionen rund um das Thema Alte Welt zusammengetragen hat. Und zuletzt noch ein Wort zum genialen Pâtissier Benjamin Klee, der ein sternewürdiges Dessert aus Heumilch-Eis mit schwarzer Trüffelspäne, einem Steinpilzchip, knuspriger Milchhaut und gerösteter weißer Schokolade zaubert, was die Handschrift seiner vorherigen Restaurantstation, dem »Horváth«, erkennen lässt.

Die Macher hinter dem »theNOname« sind neu

Das Küchenteam ist in Berlin also bereits bekannt, unbekannt sind jedoch die Macher hinter »theNOname«. Normalerweise kennt man die Namen der Gastronomen und Investoren in dieser Stadt, die sich an ein Restaurant dieser Größenordnung herantrauen. Hier sind einmal ganz neue Player auf dem Markt, der Immobilienunternehmer Joachim Köhrich uns seine Partnerin, die sich als Betreibergesellschaft »The Knast GmbH« nennen. Denn derzeit bauen sie in Berlin-Lichterfelde auch ein ehemaliges Frauengefängnis zu einem Design Hotel mit Fine Dining und Kunst & Kultur aus. Sobald dies fertig wird, soll David Kikillus auch hier das Restaurant übernehmen.

Info

theNOname
Heckmann-Höfe
Oranienburger Str. 32
10117 Berlin

www.the-noname.de