Falstaff-Tipps: So erkennen Sie Wein-Fälschungen

Echt oder eine Fälschung? Der Falstaff gibt Tipps.

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Echt oder eine Fälschung? Der Falstaff gibt Tipps.

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Der Skandal war groß, Reportagen wurden gedreht, Schlagzeilen gingen um die Welt: Der Betrüger sitzt hinter Gittern und seine Fälschungen wurden zerstört. Die Verurteilung des Jahrhundertfälschers Rudy Kurniawan war für viele eine Entwarnung – der Bösewicht ist im Knast, und alles ist wieder gut (Falstaff berichtete ausführlich über den Fall). Dass aber nur ein Bruchteil seiner Betrugsware aus dem Verkehr gezogen wurde, wissen die wenigsten. Hunderte seiner Flaschen sind noch im Umlauf und tummeln sich in der oft halb-seidenen Welt der Sekundärmärkte. 

Darauf macht Maureen Downey aufmerksam, sie ist die Expertin in Sachen Weinauthentifizierung schlechthin und assistierte den US-Behörden bei der Überführung Kurniawans. »Wer auch immer in der Weinbranche denkt, Weinbetrug ginge ihn nichts an, irrt sich gewaltig«, warnt Downey. Bei Weinbetrug handle es sich keineswegs nur um Fälschereien teurer Sammlerflaschen, meint sie, und zählt eine Menge weiterer Delikte auf: absichtliches Vertauschen von Flaschen in Lager und Transit, Versicherungsbetrug, illegale Ein- und Ausfuhr, betrügerische
Subskriptionskäufe. Für Letztere kann als Paradebeispiel der Kalifornier John Fox gelten, der sich seinen extravaganten Lebensstil mit dem Verkauf falscher Futures durch seine Firma »Premier Cru« finanzierte und im vergangenen Dezember zu einer sechseinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. 

Kaum zu unterscheiden: Eine echte Flasche von Henri Jayers (oben) 99er Cros Parantoux kostet 10.000 Euro. Darunter die Fälschung.
Kaum zu unterscheiden: Eine echte Flasche von Henri Jayers (oben) 99er Cros Parantoux kostet 10.000 Euro. Darunter die Fälschung.

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Die Fälscherei selbst nimmt ebenfalls zahlreiche Formen an: Falsche und irreführende Etikettierung steht ganz oben, ob es sich nun um Weingut, Rebsorte oder Jahrgang handelt. Und betroffen sind Weine jeder Preisklasse. Der in China tätige Rechtsanwalt Nick Bartman berichtet von regelrechten Betrugsimperien, die keinerlei Skrupel haben, alle möglichen Flüssigkeiten, ob sie nun aus Trauben gewonnen wurden oder nicht, als französischen Wein zu vertreiben. Dann gibt es die Verletzung geistigen Eigentums, die besonders in Asien grassiert: Dort wurde das durchaus überzeugende »Panfaids«-Etikett gefunden. 

Eric Rousseau vom namhaften Burgunderweingut Armand Rousseau berichtete der »Revue du Vin de France«, dass ihm von einem Händler in Peking Flaschen mit seinem eigenen, berühmten Etikett gezeigt wurden: die Appellation Chambertin jedoch war mit »Beaujolais«, »Bourgogne« und sogar 
mit »Bordeaux« ersetzt. Der Händler war anscheinend sogar noch stolz, dem berühmten Winzer durch das Kopieren seiner Etiketten so viel Respekt zu zollen. Downey meint, dass das inzwischen in Asien recht verbreitet ist: »Man nimmt sich das Design eines berühmten Weinguts und schreibt dann noch sonstigen Unsinn drauf. Erst letzte Woche in Hongkong sah ich eine Flasche als ›Château Margaux Pinot Noir‹ etikettiert.« 

Darüber schmunzeln wir alte Europäer, aber Downey redet nicht um den heißen Brei herum: »Die wirklichen Brennpunkte hochklassiger Fälschungen sind in Europa und gehen von der Schweiz, Frankreich, Belgien und Italien aus.« Für die Expertin sind sie mitunter leicht zu erkennen: Manchmal handelt es sich um die falsche Glasfarbe, um falsches Papier, um falsche Schriftzüge. Manchmal dreht es sich auch um sogenannte »Einhörner«, sprich Fantasiewesen oder Weine, die nie gemacht wurden, wie etwa ein 1945er Romanée-Conti in Magnum oder ein Meursault aus den 1950er- und 1960er-Jahren: Meursault wurde erst 1970 zur Appellation Contrôlée ernannt; Pessac-Léognan gehörte vor 1987 noch zu Graves. Wiederbefüllte Originalflaschen sind ebenfalls ein Problem: Es gibt einen lukrativen Schwarzmarkt für leere Flaschen begehrter Altweine. Deshalb rät Downey, alle ausgetrunkenen Flaschen zu zertrümmern. Ein anderer Sammler, der gerne leere Flaschen als Souvenir behält, lässt seine Dinnergäste auf dem Etikett unterschreiben – damit ist die Leerflasche ebenfalls wertlos für Fälscher. 

»Panfaids«: Diese Nachahmung des Penfolds-Labels zirkuliert in Asien. Oben ist das Original, unten die Fälschung.

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Downey trifft einen wunden Punkt: Da das europäische Strafmaß für Betrug relativ gering ist und die Luxusweinbranche eher lukrativ, sieht sie hier sogar eine Karrierechance für Ganoven. Dem etablierten Weinhandel selbst kreidet sie gewollte Unwissenheit und fahrlässige Billigung an, denn sie weiß, was dieser Tage umgeschlagen wird: »Derzeit kursieren in ganz Europa falsche Sixpacks von 2009er Tignanello, und in Italien gefälschte Flaschen von Screaming Eagle. Dann gibt es Magnumflaschen von Rouget aus Jahrgängen, in welchen Rouget gar nicht in Magnum abgefüllt hat«, berichtet sie. »Daneben scheint es eine neue Quelle von gefälschten, alten Jayer-Flaschen zu geben.« 

Fazit ist: Wer Weine von Weltrang und -ruhm trinken möchte, muss sich schlau machen. Über das Problem, sein Ausmaß und seine Allgegenwärtigkeit muss offen gesprochen werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Händler, ob er einen Authentizitätskursus absolviert hat. Besser noch, lassen Sie sich selbst zertifizieren. Detektivarbeit ist faszinierend – und lässt echten Wein umso besser schmecken.

Auch alte Jahrgänge Château Lafleur werden oft gefälscht: Ein 1950er kostet rund 5000 Euro. Oben im Bild befindet sich das Original, darunter die gefälschte Flasche.

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Downeys drei goldene Regeln, um gefälschten Flaschen aus dem Weg zu gehen:

  1. Kaufen Sie nur von etablierten Spezialisten, die einen Ruf zu verlieren haben. Am meisten Vertrauen verdienen Händler, die bereits jahrelang Subskriptionen von Bordeaux- und Burgunderweinen anbieten, die gute Beziehungen am Primär- und Sekundärmarkt und die richtige Klientel haben. Sie sind Marktinsider und kennen die Akteure der Branche. Sie wissen, worauf es ankommt, und haben fachlich geschultes Personal, das mit den neuesten und gewieftesten Tricks der Betrüger vertraut ist.

  2. Zu gut, um wahr zu sein? Dann ist es wahrscheinlich auch so. Wirkliche Raritäten und authentische Sammlerstücke haben ihren Preis. Schnäppchen sollten sofort Verdacht erwecken, ebenso lückenlose Vertikalen einschließlich geringer Jahrgänge.

  3. Provenance (die Herkunft aus einem glaubhaften Sammlerkeller) ist weit wichtiger als Preis.

Downeys Webseite und Datenbank

Hier findet man zahlreiche Ressourcen gegen den Betrug – sowie Infos über Downeys Authentifizierungskurse: www.winefraud.com

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 03/2017

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