Falstaff-Tipps: So erkennen Sie Wein-Fälschungen

Echt oder eine Fälschung? Der Falstaff gibt Tipps.

© Shutterstock

Echt oder eine Fälschung? Der Falstaff gibt Tipps.

© Shutterstock

Der Skandal war groß, Reportagen wurden gedreht, Schlagzeilen gingen um die Welt: Der Betrüger sitzt hinter Gittern und seine Fälschungen wurden zerstört. Die Verurteilung des Jahrhundertfälschers Rudy Kurniawan war für viele eine Entwarnung – der Bösewicht ist im Knast, und alles ist wieder gut (Falstaff berichtete ausführlich über den Fall). Dass aber nur ein Bruchteil seiner Betrugsware aus dem Verkehr gezogen wurde, wissen die wenigsten. Hunderte seiner Flaschen sind noch im Umlauf und tummeln sich in der oft halb-seidenen Welt der Sekundärmärkte. 

Darauf macht Maureen Downey aufmerksam, sie ist die Expertin in Sachen Weinauthentifizierung schlechthin und assistierte den US-Behörden bei der Überführung Kurniawans. »Wer auch immer in der Weinbranche denkt, Weinbetrug ginge ihn nichts an, irrt sich gewaltig«, warnt Downey. Bei Weinbetrug handle es sich keineswegs nur um Fälschereien teurer Sammlerflaschen, meint sie, und zählt eine Menge weiterer Delikte auf: absichtliches Vertauschen von Flaschen in Lager und Transit, Versicherungsbetrug, illegale Ein- und Ausfuhr, betrügerische
Subskriptionskäufe. Für Letztere kann als Paradebeispiel der Kalifornier John Fox gelten, der sich seinen extravaganten Lebensstil mit dem Verkauf falscher Futures durch seine Firma »Premier Cru« finanzierte und im vergangenen Dezember zu einer sechseinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. 

Kaum zu unterscheiden: Eine echte Flasche von Henri Jayers (oben) 99er Cros Parantoux kostet 10.000 Euro. Darunter die Fälschung.
Kaum zu unterscheiden: Eine echte Flasche von Henri Jayers (oben) 99er Cros Parantoux kostet 10.000 Euro. Darunter die Fälschung.

Foto beigestellt

Die Fälscherei selbst nimmt ebenfalls zahlreiche Formen an: Falsche und irreführende Etikettierung steht ganz oben, ob es sich nun um Weingut, Rebsorte oder Jahrgang handelt. Und betroffen sind Weine jeder Preisklasse. Der in China tätige Rechtsanwalt Nick Bartman berichtet von regelrechten Betrugsimperien, die keinerlei Skrupel haben, alle möglichen Flüssigkeiten, ob sie nun aus Trauben gewonnen wurden oder nicht, als französischen Wein zu vertreiben. Dann gibt es die Verletzung geistigen Eigentums, die besonders in Asien grassiert: Dort wurde das durchaus überzeugende »Panfaids«-Etikett gefunden. 

Eric Rousseau vom namhaften Burgunderweingut Armand Rousseau berichtete der »Revue du Vin de France«, dass ihm von einem Händler in Peking Flaschen mit seinem eigenen, berühmten Etikett gezeigt wurden: die Appellation Chambertin jedoch war mit »Beaujolais«, »Bourgogne« und sogar 
mit »Bordeaux« ersetzt. Der Händler war anscheinend sogar noch stolz, dem berühmten Winzer durch das Kopieren seiner Etiketten so viel Respekt zu zollen. Downey meint, dass das inzwischen in Asien recht verbreitet ist: »Man nimmt sich das Design eines berühmten Weinguts und schreibt dann noch sonstigen Unsinn drauf. Erst letzte Woche in Hongkong sah ich eine Flasche als ›Château Margaux Pinot Noir‹ etikettiert.« 

Darüber schmunzeln wir alte Europäer, aber Downey redet nicht um den heißen Brei herum: »Die wirklichen Brennpunkte hochklassiger Fälschungen sind in Europa und gehen von der Schweiz, Frankreich, Belgien und Italien aus.« Für die Expertin sind sie mitunter leicht zu erkennen: Manchmal handelt es sich um die falsche Glasfarbe, um falsches Papier, um falsche Schriftzüge. Manchmal dreht es sich auch um sogenannte »Einhörner«, sprich Fantasiewesen oder Weine, die nie gemacht wurden, wie etwa ein 1945er Romanée-Conti in Magnum oder ein Meursault aus den 1950er- und 1960er-Jahren: Meursault wurde erst 1970 zur Appellation Contrôlée ernannt; Pessac-Léognan gehörte vor 1987 noch zu Graves. Wiederbefüllte Originalflaschen sind ebenfalls ein Problem: Es gibt einen lukrativen Schwarzmarkt für leere Flaschen begehrter Altweine. Deshalb rät Downey, alle ausgetrunkenen Flaschen zu zertrümmern. Ein anderer Sammler, der gerne leere Flaschen als Souvenir behält, lässt seine Dinnergäste auf dem Etikett unterschreiben – damit ist die Leerflasche ebenfalls wertlos für Fälscher. 

»Panfaids«: Diese Nachahmung des Penfolds-Labels zirkuliert in Asien. Oben ist das Original, unten die Fälschung.

Foto beigestellt

Downey trifft einen wunden Punkt: Da das europäische Strafmaß für Betrug relativ gering ist und die Luxusweinbranche eher lukrativ, sieht sie hier sogar eine Karrierechance für Ganoven. Dem etablierten Weinhandel selbst kreidet sie gewollte Unwissenheit und fahrlässige Billigung an, denn sie weiß, was dieser Tage umgeschlagen wird: »Derzeit kursieren in ganz Europa falsche Sixpacks von 2009er Tignanello, und in Italien gefälschte Flaschen von Screaming Eagle. Dann gibt es Magnumflaschen von Rouget aus Jahrgängen, in welchen Rouget gar nicht in Magnum abgefüllt hat«, berichtet sie. »Daneben scheint es eine neue Quelle von gefälschten, alten Jayer-Flaschen zu geben.« 

Fazit ist: Wer Weine von Weltrang und -ruhm trinken möchte, muss sich schlau machen. Über das Problem, sein Ausmaß und seine Allgegenwärtigkeit muss offen gesprochen werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Händler, ob er einen Authentizitätskursus absolviert hat. Besser noch, lassen Sie sich selbst zertifizieren. Detektivarbeit ist faszinierend – und lässt echten Wein umso besser schmecken.

Auch alte Jahrgänge Château Lafleur werden oft gefälscht: Ein 1950er kostet rund 5000 Euro. Oben im Bild befindet sich das Original, darunter die gefälschte Flasche.

Foto beigestellt

Downeys drei goldene Regeln, um gefälschten Flaschen aus dem Weg zu gehen:

  1. Kaufen Sie nur von etablierten Spezialisten, die einen Ruf zu verlieren haben. Am meisten Vertrauen verdienen Händler, die bereits jahrelang Subskriptionen von Bordeaux- und Burgunderweinen anbieten, die gute Beziehungen am Primär- und Sekundärmarkt und die richtige Klientel haben. Sie sind Marktinsider und kennen die Akteure der Branche. Sie wissen, worauf es ankommt, und haben fachlich geschultes Personal, das mit den neuesten und gewieftesten Tricks der Betrüger vertraut ist.

  2. Zu gut, um wahr zu sein? Dann ist es wahrscheinlich auch so. Wirkliche Raritäten und authentische Sammlerstücke haben ihren Preis. Schnäppchen sollten sofort Verdacht erwecken, ebenso lückenlose Vertikalen einschließlich geringer Jahrgänge.

  3. Provenance (die Herkunft aus einem glaubhaften Sammlerkeller) ist weit wichtiger als Preis.

Downeys Webseite und Datenbank

Hier findet man zahlreiche Ressourcen gegen den Betrug – sowie Infos über Downeys Authentifizierungskurse: www.winefraud.com

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 03/2017

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Schlavino: Neuer Hotspot für Münchens Weinliebhaber

Holger Baier verwandelt seinen Gourmettempel in eine Weinbar mit kleinen kulinarischen Höhepunkten.

Cocktail-Rezept

Tikal

Dieser Drink ist nach der bedeutendsten Maya-Stadt Guatemalas, die ein wenig an Manhattan erinnert, und der Hauptzutat Zacapa aus Guatemala benannt.

Cocktail-Rezept

A gentle breeze of Sherry

Sherry ist ein wundervoller Aperitif und (in süßen Varianten) Digestif. Beim Mixen konnte dieser Wein aber nie so richtig Fuß fassen – einige...

Cocktail-Rezept

Sherry Cobbler

Ein Drink, der bereits im 19. Jahrhundert die Bars beherrschte: der Cobbler.

Cocktail-Rezept

Rausch im Rauch

Überraschende Kombination: Kubebenpfeffer mit Birnen-Senf-Sauce – als Cocktail.

Cocktail-Rezept

Kult-Drinks für die Seele: Sherry Cobbler

Diesen Drink könnte man auch Fruchtsalat mit Alkohol nennen.

News

Emirates: Die Airline mit dem riesigen Weinkeller

Die internationale Fluggesellschaft investiert in »en Primeur« Weine und lagert derzeit 2,2 Millionen Flaschen ein.

News

Lemberger-Blaufränkisch-Gipfel in Hamburg

Österreichische und deutsche Spitzenwinzer luden zu einer intensiven Verkostung.

News

Vandermeulen - Traum und Legende

Das Unternehmen Vandermeulen ist längst erloschen, doch seine Flaschen kreisen noch immer in der Welt der Liebhaber.

News

Das Pfälzer Weinmärchen

Es war einmal in der Pfalz... Das Weinmachen hat hier eine lange Erfolgsgeschichte, und heute liegt es mehr denn je im Trend. Von Pfälzer Originalen...

News

Der »Bordeaux Wein Truck« tourt durch Deutschland

Nach dem Food Truck kommt der Wein Truck. Und dieser macht jetzt Halt auf Deutschlands Straßen. Der »Bordeaux Wein Truck« ist wieder auf Tour.

News

Freitag, der 13.: Pechtag mit Hagel in Chablis

Unglückstag mit Unwetter verschärft nach verheerendem Frost die Situation der Winzer im Burgund.

News

Sauvignon à la Allemande

Der Sauvignon boomt in Deutschland: In den letzten fünfzehn Jahren stieg die Anbaufläche von null auf nahezu tausend Hektar. Doch wie steht es um den...

News

Einmaleins des Griechischen Weins

Der Autor K. Lazarakis MW verfasste im Auftrag der griechischen Regierung einen Leitfaden für den markanten hellenischen Wein.

Advertorial
News

Reagenzglas statt Rebstock: Wein aus dem Labor

Eine amerikanische Firma möchte den ersten synthetischen Wein der Welt herstellen, und das komplett ohne Trauben.

News

Das Chasselas-Paradox

Die Anbaufläche des Chassalas in den Schweizer Weinbergen verringert sich kontinuierlich. Parallel dazu verbessert sich ebenso unaufhörlich seine...

News

François Lurton bald mit eigenem Weißwein

Den französischen Winzer hat es in die spanische Region La Rueda verschlagen, wo zwei neue Weine entstehen.

Cocktail-Rezept

Frosé

Slushies liegen voll im Trend – wir haben das Rezept für den aktuell wohl bekanntesten unter ihnen ausprobiert.

News

Die Welt der Weinrekorde

Der größte Weinstock, der älteste Wein, das größte Weinfest...

News

Paula Bosch erhält Steinfederpreis 2016

Die wohle bekannteste Sommelière des deutschsprachigen Raumes, Paula Bosch, wurde von der »Vinea Wachau« mit dem Steinfederpreis geehrt.