Falstaff Icons: Jim Beam

Seit über 220 Jahren ein Familiengeheimnis: Die Rezeptur von Jim Beam.

© Greg Whitaker

Jim-Beam-Fässer erhalten den bekannten Firmenschriftzug. / © Greg Whitaker

Seit über 220 Jahren ein Familiengeheimnis: Die Rezeptur von Jim Beam.

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In den vergangenen 220 Jahren beeinflusste wohl keine Familie die Geschicke des amerikanischen Whiskeys derart wie die Familie Beam und ihre Nachfahren. Sieben Generationen voller Entschlossenheit, harter Arbeit und konsequenter Produkte prägten den Weg des klassischsten aller US-Destillate vom Cowboy-Feuerwasser zum Premium-Genuss­mittel.

So wurde Jim Beam weltweit zum Inbegriff der Spezialitäten aus Mais und Roggen, die insbesondere im Bundesstaat Kentucky ihre Heimat fanden. Die Marken und ihre Whiskeys inspirierten die Dichter und die Präsidenten – auch George Washington besaß eine Whiskey-Destillerie in Mount Vernon – und hielten Einzug in bekanntes Liedgut. So heißt es in Don McLeans oft gecovertem Klassiker »American Pie«: »Them good ol’ boys were drinkin’ whiskey and rye« – und einige der guten alten Jungs hielten bestimmt ein Glas Jim Beam in ihren Händen.

Family business: Fred Noe führt heute die Familien­tradition bei Jim Beam fort. / © Scott Ferguson
Family business: Fred Noe führt heute die Familien­tradition bei Jim Beam fort.

© Scott Ferguson

Dabei beginnt die Geschichte dieser ur-amerikanischen Marke in Deutschland. Von Europa aus fahren die Auswanderer-Schiffe über den Atlantik in die Neue Welt. Auch Nicolaus und Margaretha Böhm sind mit an Bord. Am 23. Oktober 1752 kommen sie in Philadelphia an und lassen sich in Bucks County in Pennsylvania nieder. Am 9. Februar 1760 wird ihr Sohn Johannes Jakob Böhm geboren. Der junge Böhm lässt sich zunächst in Maryland nieder. Er ändert seinen Namen ins Amerikanische und heißt fortan Jacob Beam, bevor er nach Kentucky weiterzieht, wie so viele Siedler und Farmer in dieser Zeit.

»In Kentucky und ­Tennessee bieten die Böden eine ideale Grundlage für den Anbau von Mais und Roggen«, erklärt Fred Noe, der heutige Chef von Jim Beam. Flüsse wie der Mississippi und der Ohio-River ermöglichen überdies optimale Handelsrouten für die Rohstoffe und Waren.

In den 1790er-Jahren ziehen immer mehr Whiskey-Hersteller in die Region, wenngleich nicht ganz freiwillig. In Folge des Unabhängigkeitskrieges (1775–1783) gründet sich der junge Staat USA, verfügt jedoch durch die Militärausgaben über sehr begrenzte Finanzen. Präsident Washington erhebt daher eine empfindlich hohe Steuer auf Whiskey. Das führt 1791 zu einem Aufstand in Pennsylvania, der »Whiskey-Rebellion«, die erst 1794 durch eine 12.000 Mann starke Armee niedergeschlagen werden kann. Zahlreiche Schnapsbrenner siedeln daraufhin nach Südwesten, um sich dem Einzugsbereich der Regierung zu entziehen. Ihr Fachwissen, das durch Kalkstein gefilterte Quellwasser und hervorragende Ernten, lassen die Kunst der Whiskey-Destillation in ­Kentucky erblühen.

Ob der aus Fassholz extrahierte Devil’s Cut oder der zweifach gereifte Double Oak: Auf Bourbon- und Rye-Whiskey-Basis stellt Jim Beam eine ganze Palette von Whiskeys her. / Foto: beigestellt
Ob der aus Fassholz extrahierte Devil’s Cut oder der zweifach gereifte Double Oak: Auf Bourbon- und Rye-Whiskey-Basis stellt Jim Beam eine ganze Palette von Whiskeys her.

Foto: beigestellt

Jacob Beam verkauft 1795 sein erstes Fass Whiskey unter dem Markennamen Old Jake Beam Sour Mash, das er in seiner Old-Tub-Destillerie herstellt. Sohn und Enkel setzen die Tradition der Whiskey-Herstellung fort und so wächst das Unternehmen im Zeitalter der Industrialisierung weiter an und die Old- Tub-Marke erlangt Bekanntheit im ganzen Land.

Ein abruptes Ende markiert der Beginn der Prohibitionszeit 1919. In vierter Generation leitet Colonel James B. Beam die Geschicke des Unternehmens und muss schweren Herzens die Destillerie schließen. Versuche, sich im Zitronenanbau und im Kohlegeschäft zu betätigen, scheitern. Als Ende 1933 Präsident Roosevelt das Ende der Prohibition verkündet, errichtet James Beam in nur 120 Tagen eine neue Destillerie und setzt die Bourbon-Produktion in Kentucky wieder in Gang. 1946 übernimmt T. Jeremiah Beam die Geschicke des Unternehmens und sorgt für die Verbreitung von Jim Beam Bourbon und Rye weltweit. 1954 wird eine zweite Destillerie in Betrieb genommen. Sein Nachfolger wird Fred Booker Noe II – Jim Beams Tochter Margaret hatte 1927 in die Noe-Familie geheiratet, und so setzt dieser Name bis heute die Familientradition der Marke fort.

Noe erlebt 1964, dass der amerikanische Kongress Bourbon zum nationalen Destillat erklärt. Nun gelten eindeutige Richtlinien für die Bourbon- und Straight Bourbon-Herstellung:

  1. Herstellung in den USA
  2. 51 % Mais in der Getreidemischung
  3. Destillation nicht höher als 80 % ABV
  4. Abfüllung nicht mehr als 62,5 % ABV
  5. Fässer müssen neue, ausgekohlte Eichenfässer sein.
  6. In der Flasche muss der Whiskey mindestens 40 % ABV aufweisen.

Die gleichen Richtlinien gelten auch für American Rye und Straight Rye Whiskey, nur dass dann der Anteil von Roggen über 51 % liegen muss. Bei American Wheat oder Straight Wheat muss der Anteil von Weizen über 51 % betragen. Auch wenn es oft fälschlich berichtet wird, gibt es keine Mindestlagerzeit für Bourbon. Lagerte das Destillat mindestens zwei Jahre und enthält keine Zusatzaromastoffe oder Färbung, so darf es sich als Straight Bourbon bezeichnen.

Die Erfolgsgeschichte von Jim Beam auf dem Weg zur meistverkauften Bourbon-Marke der Welt ging weiter: 1965 füllt Booker Noe das einmillionste Fass Jim Beam ab. Heute steuert sein Sohn Frederick Booker Noe III. die Geschicke des Hauses. 2005 wurde das zehnmillionste Fass befüllt.

Eine Statue erinnert vor der Destillerie an Booker Noe, der Jim Beam mehr als 40 Jahre leitete. / © Greg Whitaker
Eine Statue erinnert vor der Destillerie an Booker Noe, der Jim Beam mehr als 40 Jahre leitete.

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Whiskey-Vielfalt

Weitere Sorten kommen hinzu: Ab 1978 beweist der Jim Beam Black, welches Potenzial ein Bourbon entwickelt, wenn er sechs Jahre lang im Fass reift. 1988 begründet Booker Noe die limitierte »Small Batch«-Serie, die für handwerkliche Herstellung und eine bemerkenswerte aromatische Vielfalt steht. Booker’s, Knob Creek, Basil Hayden’s oder Baker’s lauten die Namen der Serie mit ihren speziellen Abfüllungen. Aber auch unter dem Jim-Beam-Label sind zahlreiche Spezialitäten hinzugekommen, wie der Jim Beam Apple oder der Red Stag mit Schwarzkirsche. Und allen voran der Jim Beam Distiller’s Masterpiece, der zehn Jahre in Eichenfässern reift, bevor er zum Abschluss in Pedro-Ximenez-Sherryfässern eine geschmackliche Abrundung erfährt.

Eine Besonderheit ist auch der neue, intensive Jim Beam Double Oak, der zunächst in ausgeflammten Fässern reift und anschließend nochmals, in einem zweiten Eichenfass gelagert wird. Auch beim Jim Beam Devil’s Cut leistete die Marke Pionierarbeit und extrahiert jenen Whiskey, der tief ins Holz der Eichenfässer eingezogen ist. Während jener Whiskey, der aus den Fässern verdunstet, »Angel’s Share« genannt wird, heißt der vom Holz aufgesogene Whiskey »Devil’s Cut«.

Selbstverständlich bietet Jim Beam auch einen Rye Whiskey im Sortiment an, und so darf die deutsche Version des eingangs zitierten Songs »American Pie« von Hans Hass Jr. als Ratschlag für jeden Jim-Beam-Liebhaber gelten: »Bye, bye, Miss American Pie. Nicht vergessen, vor dem Essen trinkt man Whiskey und Rye!«

Aus Falstaff Magazin Nr. 06/2016

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