Ernie Loosen bringt taufrischen 1981er Riesling auf den Markt

Foto beigestellt

Ernie Loosen bringt taufrischen 1981er Riesling auf den Markt

Foto beigestellt

http://www.falstaff.de/nd/ernie-loosen-bringt-taufrischen-1981er-riesling-auf-den-markt/ Ernie Loosen bringt taufrischen 1981er Riesling auf den Markt Quicklebendig, nuancenreich und federleicht: Der Riesling »Indutiomarus« gelangt nun zusammen mit Etikett und Lithographie von Markus Lüpertz in den Verkauf. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/c/a/csm_header-ernie-loosen-riesling_1f0d4679f5.jpg

Der Wein lag 27 Jahre in einem Fuderfass: Im Jahr 2008 wurde er abgefüllt, und damals dann noch immer für zu jung befunden. Angetrieben vom Wunsch, einen Riesling zu machen, der schmecken werde wie zu den großen Zeiten des Moselweins vor 100 Jahren, als es üblich war, Weine 20 Jahre oder länger im Fass zu lagern, hatte Ernie Loosen in jungen Jahren diesen experimentellen, komplett durchgegorenen Wein zur Seite gelegt, einen Riesling aus der weltberühmten Wehlener Lage Sonnenuhr.

Das Fuder wurde all die 27 Jahre immer mit anderen 81er Weinen aus der Sonnenuhr spundvoll gehalten. Da es sich dabei um süße Prädikatsweine bis zur Auslese handelte, liegt der Restzucker des abgefüllten Weins knapp jenseits der »trocken«-Grenze. Ansonsten blieb der Wein all die Jahre weitgehend unberührt auf der Feinhefe. Wenn der Schwefel drohte zu stark abzusinken, habe ihn der Kellermeister allerdings in ein frisch eingebranntes Fass umgezogen, so berichtet Loosen. In der Tat kommt der Wein heute nicht mit dem geringsten Alterston ins Glas – und mit einer Farbe, die man in einer Blindprobe einem maximal drei, vier Jahre alten Wein zuordnen würde.

Eine Kunstsensation: Markus Lüpertz hat das Etikett gestaltet

Diesen besonderen Wein gibt es ausschließlich in einem besonderen Packaging. Denn das Etikett gestaltete einer der namhaftesten zeitgenössischen Künstler: Der 81-jährige Markus Lüpertz war eigens zur Präsentation des Weins am vergangenen Samstag nach Bernkastel gereist: »Eigentlich macht man als Künstler keine Etiketten«, schickte er in seiner Rede voraus. Im Hause Loosen habe er sich aber sofort angesprochen gefühlt von der mitreissenden Begeisterung, die in der Arbeit von Ernst F. Loosen und seinem Team erkennbar werde. »Die Grafitzeichnung für das Etikett hat mir großen Spass gemacht«, so Lüpertz weiter, der mit feiner Selbstironie und in gesenkter Stimme nachsetzte: »Ich wurde natürlich auch bezahlt.« Bevor er dann seine Rede an die 70 Gäste mit den Worten beschloss: »Danke, dass Sie hier sind. Danke, dass Sie kaufen.«

Ein stolzer Preis

Und ein solcher Kauf ist keine Kleinigkeit: Momentan sind nur 100 Magnumflaschen freigegeben. Diese werden jeweils in einer von Hand gefertigten Schatulle aus Kirschholz gemeinsam mit einer nummerierten und vom Künstler handsignierten Lithographie in der Originalgröße der Lüpertz’schen Grafitzeichnung angeboten. Der Preis für die Kiste soll bei knapp 4000 Euro liegen.

Bei der namensgebenden Figur des »Indutiomarus« handelt es sich übrigens um einen Keltenfürsten, der zu Cäsars Zeiten im Trierer Raum gegen die römische Vorherrschaft gekämpft hat. Wenn man die Umtriebigkeit Erni Loosens betrachte, so Dr. Thomas Lange, der als Vorstand der Stiftung für Kunst und Kultur den Kontakt zwischen Loosen und Lüpertz hergestellt hatte, könne man durchaus auf den Gedanken kommen, dass bei ihm eine gewisse Seelenverwandtschaft zum Keltenfürsten bestehe.

Loosen hat das Projekt »langer Fassausbau« seit 1981 selbstredend weiter verfolgt. Seit 2013 hat er jedes Jahr einen trockenen Wein aus dem Erdener Treppchen zur Seite gelegt. Der erste Jahrgang wurde jetzt gerade nach acht Jahren abgefüllt, mit den nachfolgenden Jahrgängen ist dasselbe geplant. Dem Moselriesling steht, so scheint es, eine Erweiterung seines stilistischen Spektrums bevor – und ein Quantensprung: zurück in die Zukunft.

1981 »Indutiomarus« Riesling, Dr. Loosen

In der Farbe hell strohgelb. Im Duft Mandarine, würzige Komponenten, in denen der Lagentyp durchschimmert, Schiefernoten. Im Mund zunächst durch seine Leichtfüßigkeit einnehmend, etwas Süße im Auftakt, dann ganz homogen, rund, fein texturiert mit einem Hauch sandiger, mürber Phenole, mit einer angesichts des Jahrgangs erstaunlich reif wirkenden, nahtlos integrierten Säure. Im Abgang zeigt der Wein viel Saftigkeit und eine ausgezeichnete Länge. Unglaublich zart angelegt. Zugleich erweckt der Wein den Anschein, als könne er weitere zehn oder 20 Jahre leben. 98 Falstaff-Punkte