Ein Personal-Manifest, das aufhorchen lässt

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

© Shutterstock

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

© Shutterstock

Der Hotel & Gastro Union reicht es: Tiefe Löhne, unattraktive Arbeitszeiten und fehlende Wertschätzung sind in vielen Fällen Ursachen für den gravierenden Personalmangel in Gastronomie und Hotellerie – Schritte, um dem entgegenzuwirken, werden bislang aber keine (großen) gesetzt; obwohl das Bewusstsein für die Herausforderungen da wäre, wie Roger Land, Leiter des Rechtsdienstes, beschreibt: »Dass die Branche eine Tieflohnbranche ist, Defizite in der Ausbildung sowohl bei den Arbeitgebern wie auch den Arbeitnehmern hat, die Arbeitszeiten attraktiver gestaltet werden müssen und die Führungsqualität sowie die Wertschätzung und damit das Arbeitsklima gefördert werden muss, sollte im Großen und Ganzen unbestritten sein.« Deshalb stellt die Schweizer Berufsorganisation nun einen eigenen, neuen Forderungskatalog auf, »damit nicht noch mehr Fachkräfte die Branche verlassen und junge Menschen für Berufe im Gastgewerbe wieder begeistert werden können«. Ein auf einer Mitgliederumfrage basierendes Manifest, das sich gewaschen hat und Forderungen zu Bildung, Lohn, Arbeitszeiten und Arbeitsklima enthält.

Bildung, Bildung & nochmals Bildung

Zunächst aber: An wen richtet sich das Schreiben? »Die Standpunkte und das Manifest sind an alle Branchenangehörige gerichtet«, sagt Lang. »An die Verbände, die Betriebe, die Wirte und selbstverständlich in erster Linie an die Angestellten und unsere Mitglieder.« Dabei sei das Manifest aber kein gewerkschaftliches Schreiben »mit utopischen und klassenkämpferischen Forderungen«, sondern stelle einen Lösungsvorschlag dar, welcher – der Meinung der Union nach – mehrheitsfähig ist respektive noch werden soll.

So startet das Manifest mit der Bildung als einer der ersten Punkte, hier soll vor allem in die unbefristete Fortsetzung der kostenlosen Aus- und Weiterbildung über 2023 hinaus, und die Steigerung der Anforderungen an die Berufsbildner zugunsten der Lernenden, mehr bezahlte arbeitsfreie Zeit für die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung, in die verstärkte Teilnahme an Progresso-Kursen für Mitarbeitende ohne formelle Berufsausbildung und Förderung der unternehmerischen Kompetenzen der Arbeitgebenden investiert werden. Apropos Chef: Bessere Führungskompetenz, mehr Wertschätzung und ein angenehmes Arbeitsklima stehen auch auf der Agenda der Hotel & Gastro Union. Raus mit der »Ich bin der Chef«-Mentalität und rein mit mehr Mitsprache. »Wer im Betrieb mitbestimmen kann, identifiziert sich mit diesem«, argumentiert man im Manifest. Reden statt schreien lautet das neue Credo, ein professionelles Human-Resources-Management soll dabei helfen.

Rahmenbedingungen müssen passen

Das, was dem Gastgewerbe immer wieder vorgeworfen wird, sind seine (familien-)unfreundlichen Arbeitszeiten und die oftmals zu geringe Bezahlung. Daher setzt die Berufsorganisation auch hier an und fordert die Einführung von attraktiveren Arbeitszeiten, die unter anderem durch flexiblere Arbeitszeitmodelle erreicht werden sollen. »Es braucht dringend ein Überdenken der Arbeitseinteilung und Arbeitsprozesse«, argumentiert man weiter. Die frühere Bekanntgabe der Dienstpläne und eine damit einhergehende bessere Planung sei Teil der Lösung. Neu sind diese Forderungen der Hotel & Gastro Union im Großen und Ganzen gesehen aber nicht, bereits 2017 fordert der deutsche DEHOGA, die Arbeitszeiten individueller und flexibler auf die Wochentage aufzuteilen.

Eine große Herausforderung sind und bleiben wohl auch die Löhne, bei denen die Union eine generelle Erhöhungen auf allen Qualifikationsstufen und die Würdigung der Berufserfahrung als lohnrelevanten Faktor für zeitgemäß hält. »Mitarbeitende brauchen eine Lohnperspektive«, lautet das Postulat. Die Lohnerhöhung soll an die Konsumenten – wie in anderen handwerklichen Branchen üblich – weitergegeben werden. Legt man diesen Gedanken auf die österreichische Branche um, so stellt sich die Frage, ob sich die durch die Inflation in die Höhe schnellenden Preise nochmals mit Akzeptanz der Gäste erhöhen ließen.

Die neue Struktur macht’s

Zuletzt geht die Hotel & Gastro Union in ihrem Manifest auf die Weiterführung und Vertiefung der Sozialpartnerschaft ein, weshalb der Schweizer Arbeitgeberverband Gastrosuisse die seit Mai 2019 bestehende Verhandlungsblockade endlich aufgeben solle und einen Gesamtarbeitsvertrag im Schweizer Gastgewerbe (L-GAV) verhandeln müsse, »welcher der Branche gerecht wird«. Lang sagt scharf: »Solange GastroSuisse mit ihren Mitgliedsbetrieben die Verhandlungsblockade nicht löst, solange kommt die Branche nicht vorwärts.« Darüber hinaus fordert die Berufsorganisation die Arbeitgeberverbände auf, »ihre Führungsverantwortung wahrzunehmen und zu offensiven Strategien überzugehen, anstatt mit schlechten Anstellungsbedingungen die schwächsten Betriebe zu schützen«.

Mit all diesen Maßnahmen sollen nicht zuletzt die bisherigen Strukturdefizite überwunden werden, finanziell nachhaltige Betriebe die Unterstützung erfahren, welche sie brauchen, um Mitarbeitende zu finden und Arbeitgeber von sich aus genügend Geld für Investitionen zur Seite legen, um attraktive Arbeitsplätze mit entsprechendem Lohn zu schaffen. Inwieweit das Manifest der Hotel & Gastro Union Umsetzung erfährt, wird sich zeigen; für sie selbst sei es schwierig, den Erfolg abzuschätzen. Lang rät aber: »Die Verbände, die Betriebe und die Wirte sollen das Manifest und die Lösungsvorschläge schon aus dem reinen Eigeninteresse, nämlich dem Interesse genügend Personal zu finden, umsetzen.« Denn die Umsetzung der Standpunkte, basierend auf dem Manifest, wird seiner Meinung nach jedenfalls dazu beitragen, den Fach- und Personalkräftemangel zu beheben.

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Frühzeitig erkennen & handeln: Burnout-Prävention in der Gastronomie

Frühe Warnsignale erkennen und präventiv handeln können ein Burnout verhindern – hier sind auch die Führungskräfte in Unternehmen gefragt. Die ÖVS...

News

Traumjob gesucht? Falstaff Profi stockt das Team auf!

Das Unternehmen mit Sitz in Graz vergibt die Position eines Key Account Managers und ein Praktikum für drei bis sechs Monate im Bereich Marketing und...

News

Zeitenwende auf dem Arbeitsmarkt: Unternehmen müssen sich heute bei Talenten bewerben

Die Zahlen alarmieren: 60 Prozent der Unternehmen sehen größere Herausforderungen beim Recruiting als vor der Pandemie, knapp 40 Prozent berichten...

News

Einer wie keiner, deiner, meiner: Jobs bei der Goldhelm Schokoladen Manufaktur ergattern

Die Manufaktur bei Erfurt sucht Mitarbeiter (m/w/d) in den unterschiedlichsten Bereichen. Quereinsteiger und Initiativbewerber sind willkommen!

Advertorial
News

Mitarbeitersuche: Umdenken ist gefragt

Aktuell gibt es auf dem Arbeitsmarkt viele offene Stellen in der Gastgeberbranche. Das klingt erstmal gut, wäre da nicht ein Problem: es gibt zu...

News

8 Tipps für das Bewerbungsgespräch

Das unpassende Outfit, falsche Antworten und Verspätung sind Fehler, die Sie vermeiden können.

News

Zwei Partner mit einer Vision für die Hotellerie

Fair Job Hotels und »Die 101 besten Hotels« rücken näher zusammen, um sich gemeinsam stark für Hotelbetriebe und deren Beschäftigte einsetzen zu...

News

Bessere Arbeitsbedingungen sorgen für loyale Mitarbeitende

Wollen Unternehmen gut ausgebildete Arbeitnehmende anziehen, so müssten auch die Arbeitsbedingungen dementsprechend ausgestaltet sein – argumentiert...

News

Von wegen Mitarbeitermangel: Das Hohenhaus begrüßt fünf neue Profis

Fünf ist Trumpf – so zumindest im Relais & Châteaux Hotel Hohenhaus. Mit 1. Februar startet gleich eine Handvoll neue Fachkräfte aus der...

News

Ulbricht ist neue Vertriebsleiterin bei Wäschekrone

Der Laichinger Hotelwäscheanbieter hat eine neue Frau an der Spitze des Vertriebs und Einkaufs: die langjährige Branchenkennerin Ramona Ulbricht.

News

Mitarbeitermangel: Kommt zurück!

Die Frage, die alle beschäftigt: Wie können wir mehr Menschen von der Branche begeistern und zurückgewinnen? Was müssen wir tun?

News

»Vila Joya«: Alle Fenster gehen zum Meer und die Seele geht auf Reisen

Arbeiten im Paradies heißt es im Restaurant und Boutique-Hotel an der portugiesischen Algarve. Jobs im Zwei-Michelin-Sterne dekorierten Lokal bei...

Advertorial
News

Jobs: Dallmayr-Erfolgsteam wird in München erweitert

Der Name Dallmayr steht für Produkt- und Servicequalität mit einer mehr als 300-jährigen Tradition. Das Unternehmen stellt Personal in der Küche, im...

Advertorial
News

Jobs: Hotel-Direktor(in) im Montafon gesucht

Für die herausfordernde Position mit höchstem Anspruch an Management- und Gastgeberfähigkeiten werden ab jetzt Bewerbungen entgegengenommen.

Advertorial
News

Team-Spirit spüren: Hotel »Post« Ischgl

Superior für Mitarbeiter und Gäste bietet das legendäre Hotel »Post« der Familie Wolf, gelebte und ehrliche Gastfreundschaft lautet das Credo. Jetzt...

Advertorial
News

Fernweh? Jetzt bewerben bei »sea chefs«!

Work and Travel 2.0 an Bord der »Hapag-Lloyd Cruises« Flotte. Jetzt Karriere starten!

Advertorial
News

Beliebte Alpenvereinshütte und Top-Arbeitgeber: Das Kölner Haus

Das Kölner Haus bietet eine gelungene Mischung aus Alt und Neu, in der nicht nur Gäste gerne verweilen. Seine Philosophie: Bio, regional, nachhaltig –...

Advertorial
News

Arbeitgeber für die Region: Das Hotel Brückenwirt in St. Johann

Nicht nur für die Gäste gibt es im 4-Sterne Hotel Brückenwirt in St. Johann im Pongau Vielfalt und Abwechslung.

News

Durchhänger im Job: Keine Zeit fürs Burn-out

Experten ­setzen auf moderne ­Mitarbeiterführung, flache Hierarchien und ­Work-Life-Balance – nicht nur als ­Prävention gegen das ­Ausbrennen.

News

Silvretta Seilbahn: Betriebe vergeben Stellen

Alpines Flair trifft auf Top-Gastronomie: Betriebe in einer der besten Skiregionen der Tiroler Alpen suchen nach Personal.

Advertorial