Bislang hatten es Fleisch-Gourmets im EU-Raum nicht ganz leicht, wenn es um das Thema Koberind ging. Denn was hierzulande unter dem Begriff Kobe oder wenigstens Wagyu (Überbegriff für japanische Rinder) verkauft wurde, waren nicht die mythenumwobenen schwarzen Rinder aus der Region um die japanische Großstadt, sondern bestenfalls andere japanische Rinder oder Nachzüchtungen aus Amerika oder Australien. Seit Juli ist das nun anders. Nach einem sich lange hinziehenden Verfahren darf echtes Kobe- Beef auch in die Europäische Union exportiert werden. Nur eine Handvoll Exklusiv-Importeure im gesamten EU-Raum dürfen nun das unverkennbar marmorierte Fleisch in unseren Breitengraden verkaufen.

Einer davon ist Albers Food aus Düsseldorf. Seit 2001 schon bietet der Spitzenfleisch-Importeur Wagyu-Rind an, seit Mitte Juli kann Albers nun auch Kobe-Rind verkaufen, in seinem Online-Shop auch an Privatkunden. Beim Filet, das rund fünf Kilo wiegt, muss der betuchte Kunde aber schon 2100 Euro für das hochexklusive Fleisch auslegen. Kein Wunder, denn das Kobe-Rind ist rar. Nur etwa 3000 Tiere pro Jahr dürfen offiziell unter diesem Namen verkauft werden. Zudem sind die Rinder fast ein Nationalheiligtum in Japan.

Das musste auch Frank Albers feststellen. Seit 2012 erstmals zaghafte Überlegungen in Japan entstanden, das strenge Exportverbot für Kobe-Rinder zu lockern, arbeitete der Leiter von Albers Food an seinem Traum, Kobe-Fleisch in Deutschland anbieten zu können. Immer wieder deponierte er auf Ministerialebene sein Interesse und musste zudem einen umfangreichen Lizenzierungsprozess durchlaufen.

»Das ist, wie wenn es zum ersten Mal Kaviar gibt«
Entsprechend begeistert ist Frank Albers jetzt, dass sein Unternehmen eine von nur zwei deutschen Firmen ist, die echtes Kobe-Beef verkaufen dürfen. »Für uns ist das natürlich extrem spannend«, meint er im Gespräch mit »Falstaff«: »Das ist, wie wenn es plötzlich zum ersten Mal Kaviar gibt.« Nicht nur er, auch die Gastronomen, an die er verkauft, müssen eine eigene Kobe-Lizenz haben. Derzeit ist das »Grill Royal« in Berlin sein einziger Kunde.

Warum die Japaner überhaupt ihr Exportverbot gelockert haben, erklärt sich Albers so: »Es hat sie extrem gewurmt, dass in aller Welt Wagyu-Rind verkauft wurde, das aus Amerika oder anderen Ländern kam. Das war einfach eine Frage der Ehre.«


(v. l.) Erminio Giraudi (Giraudi, Monaco), Frank Albers und Toshizo Ido, Gouverneur der Präfektur Hyogo, präsentieren das legendäre Kobe Beef. / Bild: Albers

(Sascha Bunda)

 

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