Duval-Leroy: »Femme« goes Non-Vintage

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»Femme« – zu deutsch: »Frau« – wurde 1990 von Carol Duval-Leroy als Hommage an die starken Frauen der Champagne kreiert. Rasch eroberte sich dieser Jahrgangs-Champagner einen festen Platz in den Reihen der Prestige-Cuvées. Fast 30 Jahre später gibt es von diesem Etikett nun plötzlich zwei Varianten – einmal mit Jahrgang (aktuell 2000), einmal ohne Jahrgangsangabe. Die jahrgangslose »Femme« wird in der gleichen bekannten Flasche mit ihren ausladenden Rundungen verkauft, mit dem gleichen Schriftzug auf dem Etikett, und zu einem deutlich günstigeren Preis. Wie das?

Charles Duval-Leroy räkelt sich im Ledersessel, es ist zu sehen, dass es ihm Spaß macht, diese Frage zu erörtern. Und so sehr Duval-Leroys Körpersprache auch eine längere Ausführung andeutet – der junge Vertriebschef im Familienunternehmen beginnt zunächst mit einer sehr kurzen Antwort: »Es gibt diese zusätzliche Cuvée, weil wir jung sind«. Er lächelt erfreut, als er sieht, dass diese Antwort zusätzliche Fragezeichen aufs Gesicht seines Gegenübers zaubert. Dann zückt er einen Kugelschreiber und klappt sein Notizbuch auf: Dort zeichnet er zunächst eine Zeitachse auf: Vertikal von den 90er-Jahren bis zur Gegenwart. Dann malt er auch eine x-Achse, senkrecht dazu, die soll die Qualität der einzelnen Jahrgänge verkörpern.

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Nun geht es zu den Punkten in diesem Koordinatensystem, und da skizziert Duval-Leroy zunächst die 90er-Jahre: Ganz am oberen Rand der Qualitäts-Achse setzt er ein Kreuzchen für 1996 – ohne Frage ein Spitzenjahr in der Champagne. Im unteren Mittelfeld markiert Duval-Leroy die Zahlenpunkte 1993, 1994, 1997: Das sind Jahre, in denen es fast nirgends Jahrgangs-Champagner gab, weil die Jahre ganz OK, aber nicht außergewöhnlich gut waren. Auf halbem Weg notiert er 1995 und 1998. »Und jetzt«, steigert Duval-Leroy die Spannung, »zeichne ich den Mittelwert ein, also das durchschnittliche Niveau in den neunziger Jahren«. Und er zieht eine Linie etwa auf halber Höhe zwischen der mäßigen und der guten Klasse (siehe Foto).

»Global warming« sei Dank

»Und jetzt schauen wir einmal, wie das in den 2000er-Jahren aussah«: Wieder setzt der Kugelschreiber flink einige Punkte: Ganz oben 2002 und 2008, und in der guten Mittelklasse 2004, 2005, 2006. »Und so weiter…«, ergänzt Duval-Leroy. Den Bereich, in dem in den 90er-Jahren die Jahre 1993, 1994, 1997 gestanden hatten, lässt er fast ganz frei. »Höchstens 2001 gehört auf diese Höhe, wenngleich das Jahr etwas besser war als 1993, 1994, und 1997. Aber ansonsten hat uns ›global warming‹ eine unglaubliche Serie von ausgezeichneten Jahren beschert«.

Jetzt wird das Bild auch noch mit der Linie für die Durchschnittsqualität der 00er-Jahre vervollständigt, sie liegt irgendwo auf halbem Weg zwischen 2002 und dem Trio 2004/2005/2006 – deutlich oberhalb der Durchschnittslinie der 90er-Jahre.

Kein echter Jahrgangs-Champagner

Foto beigestellt

»So, und jetzt sehen Sie, warum es heute eine ›Femme‹ ohne Jahrgangsbezeichnung gibt: Die Jahrgangs-Champagner sollten den allerbesten Ernten vorbehalten bleiben, so ist jedenfalls die Einstellung unserer Familie. Wenn es jedes Jahr Jahrgangschampagner gibt, halten wir das dem Kunden gegenüber für nicht fair. Aber…«, und jetzt umkringelt Duval-Leroy die Jahreszahl 2004 auf seiner Zeichnung, »…in der letzten Dekade gab es Jahrgänge, die so gut waren, dass sie noch in den 90er-Jahren ohne Weiteres für eine Jahrgangs-›Femme‹ in Frage gekommen wären. 2004 zum Beispiel ist die Basis der ›Femme‹, die wir momentan ohne Jahrgangsbezeichnung verkaufen. Auf dem Niveau der besten Nuller-Jahrgänge, also von 2000, 2002 und 2008, ist 2004 aber halt trotzdem nicht. So kommt es, dass es jetzt auch eine ›Femme‹ ohne Jahrgangsangabe gibt. Technisch gesprochen ist es trotzdem ein Jahrgangs-Champagner, aber wir deklarieren ihn nicht so.«

Die Jahrgangs-Cuvée gab es in der Vergangenheit nur in den Jahren 1990, 1995, 1996 und 2000. 2002, 2008 und 2012 liegen noch im Keller. Der Jahrgang 2000 ist aktuell im Verkauf und kostet etwa 120 Euro, der Jahrgangslose, auf dem 2004er beruhende »Femme«-Champagner kostet rund 40 Euro weniger. Was lernt man daraus? »Global warming« hebt auch in der Champagne die Qualität, oder anders gesagt: Man bezahlt für eine gleich gute Qualität weniger Geld. Wenn das mal keine gute Nachricht ist.

www.duval-leroy.com

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