Duft-Lobbys

Rock the Kasbah: Das »La Mamounia« in Marrakesch. 

© Alan Keohane

Rock the Kasbah: Das »La Mamounia« in Marrakesch. 

© Alan Keohane

Der erste Eindruck stammt nicht von der charmanten Begrüßung an der Rezeption. Er entsteht beim Eintreten, verführt und umgarnt den Gast auf Schritt und Tritt. Durch die Lobby, zur Rezeption, an die Bar und retour. Ein guter Geruch zeugt von Sauberkeit und Kompetenz und erschafft eine einladende Atmosphäre, die dazu beflügelt, länger zu verweilen. Man will ihn um sich haben, danach schnuppern und in einen der chic drapierten Fauteuils fallen, die das heiß ersehnte »Ich bin angekommen«-Gefühl vermitteln. So wie die starke Edelholznote der edlen Dubai-Dependance der »Armani Hotels«, eine Spur Weihrauch, erdig, ein wenig beerig, aber doch nicht zu intensiv. Die fashionable Hotelkette des Luxus-Fashion-Brands weiß, wie man seine Gäste überzeugt, ihren Auf-enthalt positiver zu bewerten und vor allem eines: gerne wieder zu kommen.  

Es ist übrigens kein Zufall, dass es im -»Armani Hotel« riecht, wie es riecht. Das Duftmarketing hat sich in feudalen Designhotels als nicht mehr wegzudenkender PR-Faktor etabliert. Luxushotels hatten hier den richtigen Riecher und erkannt, dass man mit außergewöhnlichen Düften sehr lange im Gedächtnis der Gäste bleiben kann. Bevor man aber die edlen Duftessenzen über Diffuser-Fläschchen und Klimaanlagen durch die Nobelräume jagt, wird intensiv beobachtet, geforscht und experimentiert. 

Direkt ins Gehirn

Keine leichte Übung. Aber der Aufwand zahlt sich aus. Düfte fahren nämlich über das limbische System direkt in jene Gehirnregionen ein, die für Gefühle und Erinnerungen zuständig sind. Corporate-Identity-Düfte mit hohem Wiedererkennungswert werden künftig eine ebenso wichtige Rolle spielen wie ein gut ein­geführtes Logo oder ein Werbeclaim. Da drängt sich die Frage auf, ob es so etwas wie einen Universalduft, eine Geruchskons­tante gibt, auf die sich alle einigen können? »Das lässt sich nicht generalisieren, da jeder Mensch mit Düften etwas anderes assoziiert«, erklärt die Französin und Duftkreateurin Pauline Rochas. Die Fotografin und Enkeltochter der Modehausgründer Hélène Rochas weiß, wovon sie spricht: Sie betreibt gemeinsam mit Carol Beaupré das Foto- und Kunstatelier ­Coolife und beschäftigt sich seit mehreren ­Jahren intensiv mit Duftessenzen. 
Zeitgemäße Hotels sprechen mit ihren Düften alle Sinne an, und wer in eine Lobby einmarschiert, sollte gleich beim ersten Atemzug und mit verbundenen Augen wissen, wo er sich befindet. Egal, ob»Armani«, »Hilton«, »Ritz« oder »Bulgari«: »Jedes Hotel hat seine eigene Geschichte und Seele. Ein Signatureduft sollte das einfangen«, meint Pauline Rochas und ergänzt: »Der ideale Hotelduft erzeugt ein Gefühl des Ankommens beim Gast.« Das lässt sich auf unterschiedliche Weise erreichen. 

Bulgari, so wie Armani ebenfalls im Mode-, Duft- und Hotelbusiness zu Hause, setzt in ­seinen Luxusherbergen auf Altbewährtes. Genauer: Hier wird »Thé Vert« versprüht. Der Grünteeduft ist tief in der Duft-DNA des italienischen Labels verankert. »Es war das erste Parfüm, das Bulgari auf den Markt gebracht hat und repräsentiert daher das Unternehmen perfekt«, heißt es dazu aus dem Konzern. 

»Jedes Hotel hat seine eigene Seele. Ein guter Signatur-Duft fängt diese Seele ein.«

Pauline Rochas führt gemeinsam mit Carol Beaupré das Kunststudio Coolife. Rochas produziert auch selbst Parfüms. Ihr neuester Wurf: »The Seven Collection«. 

Foto beigestellt

Selbstverständlich sind die Duftwelten der Luxusunterkünfte, sobald sie auf gute Resonanz stoßen, auch ein lukratives Geschäft. Nicht zuletzt für Souvenirjäger, die sich in Hotelboutiquen mit Flakons eindecken und so ein Stück Urlaub mit nach Hause nehmen. Ein gutes Beispiel dafür ist die globale Hotelkette »Shangri-La«. Man kreierte einen Duft, der elegant die asiatischen Wurzeln des Hotels anklingen lässt. Da die »Essence of Shangri-La« auf gutes Feedback stieß, wurde eine ­ganze Duftfamilie mit Raumsprays, Kerzen und Diffuser kreiert.
Besonders exotische Essenzen werden gerne mit nach Hause getragen. Das berühmte »La Mamounia« in Marrakesch engagierte des­-halb die französische Top-Parfümeurin Olivia Giacobetti, mit dem Resultat, dass die nach Rosenholz, Zeder und Palme duftende Mixtur derart gut gefiel, dass man sie gleich auch als Eau de Toilette in Flakons füllte. 

Auch das Pariser Hotel »Costes« spielt mit. Für sensible Nasen wie Pauline Rochas, die mit ihrem aktuellen Duft »The Seven Collection« die sieben ayurvedischen Chakren in einer Flasche vereint, zählt die Duftpalette des Designhotels zur besten der Welt. »Distinktiv wird hier die Noblesse und samtige Sexiness des Ortes eingefangen«, zeigt sie sich begeistert. »Mahagoni, Orangenschale, Paprika, Eichenmoos – der Mix spricht für sich selbst.« Dabei folgt das Hotel mit seiner Duftwelt einem Trend, wie die Expertin analysiert: »Man geht bei Parfüms wieder zurück zur Essenz, setzt natürliche Stoffe ein und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz.« Dies zeigt die Produkt­palette: das Costes offeriert neben Raumdüften auch Seifen, Duschgel, Bodylotion & Co.