Dresscode: Alles, nur nicht Uniform

Dutch Denim. Gemeinsam mit Sergio Herman hat das niederländische Denim-Label G-Star erstmals Arbeitskleidung entworfen.

© G-Star RAW

Dutch Denim. Gemeinsam mit Sergio Herman hat das niederländische Denim-Label G-Star erstmals Arbeitskleidung entworfen.

Dutch Denim. Gemeinsam mit Sergio Herman hat das niederländische Denim-Label G-Star erstmals Arbeitskleidung entworfen.

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Eli Caner weiß, wovon sie spricht, wenn es um Uniformen geht. Schließlich hat sie selbst genug Zeit in ihnen verbracht. Als die junge Spanierin nach New York kommt, um ihre Karriere im Modedesign zu verfolgen, heuert sie im »Soho Grand« als Cocktailkellnerin an. Die Arbeit macht ihr Spaß, aber die Uniform passt nicht. Nach einem Jahr bekommt sie die Chance, die Arbeitskleidung der »Soho Grand«-Belegschaft neu zu entwerfen – und entdeckt, was für einen Unterschied gut sitzende Uniformen im Arbeitsalltag machen.

Die Faszination fürs Thema bleibt, sie gründet ihr Unternehmen Lady and Butler, das sich dem Design von Uniformen mit dem gewissen Etwas verschrieben hat. Ihre Entwürfe zeichnen sich durch die gekonnte Verbindung von Funktionalität und Form aus – es sind Blickfänge, die alltagstauglich und tragbar sind. Und genau so soll Arbeitskleidung heute sein, wenn es nach Philip Ibrahim geht, Direktor im »Mercure Hotel Berlin City«: »Bei uns können und konnten alle Mitarbeiter bei der Gestaltung der Uniformen Ideen einbringen – ein Mitarbeiter, der sich wohl in seiner Haut fühlt, hat deutlich mehr Spaß an der Arbeit und macht dadurch einen besseren und entspannteren Gastservice. Dementsprechend stehen unsere Uniformen für unser Verständnis eines guten Service.« Der Trend zur Individualisierung ist im Reisebereich laut Ibrahim allgegenwärtig, daher sei auch eine (weltweit) gleiche Uniform oder ein klassischer Hoteldress seinem Empfinden nach nicht mehr ganz zeitgemäß. »Die Tendenz geht damit eindeutig weg von Konformität und Gleichheit – der Anspruch an die Uniform ist daher, dass sie die individuelle Persönlichkeit des Mitarbeiters ebenfalls widerspiegeln sollte.«

»Ein Mitarbeiter, der sich wohl in seiner Haut fühlt, hat deutlich mehr Spaß an der Arbeit und macht dadurch besseren Gastservice.«
Philip Ibrahim, Direktor »Mercure Hotel Berlin City«

Das Land macht den Unterschied

Neben der Persönlichkeit der Mitarbeiter wird heutzutage vermehrt auch auf geografische Gegebenheiten Rücksicht genommen. So werden die Outfits der »Kempinski«-Lady in Red an das jeweilige Land, die Region angepasst. Die Lady in Red, eine 2009 ins Leben gerufene Markenbotschafterin der »Kempinski«-Kette fungiert, in den unterschiedlichen Häusern als Herzstück des Hotels. Sie gilt als die gute Seele des jeweiligen Hotels, die sich kontinuierlich um das Wohlbefinden der Gäste kümmert. Das Outfit, immer im klassischen Valentino-Rot gehalten, ist dabei auf die jeweilige Destination abgestimmt. »Das Design als solches soll die Geschichte, die Philosophie des jeweiligen Hauses aufgreifen«, erklärt Benedikt Jaschke, Vice President Corporate Operations Kempinski Hotels. So trägt etwa die Lady in Red in Berchtesgaden ein Dirndl, während in arabischen Ländern die Abaya verbreitet ist.

Aber auch die Produktion kann auf eine lokale Komponente verweisen – diese findet vor Ort statt und stärkt so die wirtschaftliche Wertschöpfung in der Region. Welchen Ansprüchen Uniformen sonst noch gerecht werden müssen? »Ansonsten gilt für alle Uniformen im Hotel, dass sie leicht zu pflegen sein sollen und – das ist uns noch wichtiger – denjenigen, der die Uniform trägt, stolz macht. Stolz, dass er oder sie ein Teil der ›Kempinski‹-Geschichte ist und eine Verantwortung dafür trägt, dass die Philosophie von ›Kempinski‹ mit Leben erfüllt wird«, erläutert Jaschke den Zugang bei »Kempinski«. Damit schließt das »Kempinski« an eine der archaischsten Uniform-Emotionen überhaupt an – gut designte Arbeitskleidung dient ihrem Träger gleichermaßen als Schutz wie als Signal. Sie verleiht das gewisse Etwas, kommuniziert ohne große Worte und erfüllt den Besitzer mit einem selbstverständlichen Stolz. Davon können die italienischen Carabinieri, deren Uniformen niemand anderer entwarf als Valentino, ebenso ein Lied singen wie die Stewardessen von Singapore Airlines, für die niemand Geringerer Hand anlegte als Monsieur Balmain persönlich. Die negative Konnotation des starren Korsetts trägt die Uniform völlig zu Unrecht.

Multitalent Extravagante: Runway-Shows oder funktionelle Arbeitskleidung? Marina Hoermanseder kann beides. Und immer mit dem gewissen Etwas.

© Cecilia Leitinger

Fünf Fragen an Modedesignerin Marina Hoermanseder

KARRIERE Uniformen: Man liebt sie oder hasst sie – wie ist das bei Ihnen?
MARINA HOERMANSEDER
Ich bin in eine Schule gegangen, in der es tatsächlich noch Uniformpflicht gab. Damals habe ich den dunkelblauen Faltenrock und alles, was dazugehörte, gehasst. Heute sehe ich da schon große Vorteile: Uniformen können ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, man fühlt sich zugehörig. Gerade im Berufsleben sind sie oftmals unentbehrlich, weil sie einen starken Wiedererkennungswert haben und identitätsstiftend sind. Ist eine Uniform gut gemacht, weiß ich sofort, mit wem ich es zu tun habe.

Ströcks »Feierabend« – Ihr erstes Uniformdesign und schon ein paar Jahre her. Wie kam das damals zustande?
Christoph Ströck ist ein alter Freund von mir und hat mich angerufen, weil er auf der Suche nach Uniformen für sein neues Projekt war. Sein Konzept und meine Formsprache haben da gut zusammengepasst – der Fokus aufs Handwerk, das Leder, die Schürzen. Ich war am Anfang meiner Selbstständigkeit und hatte lange nicht die Infrastruktur, über die ich heute verfüge. Die Druckknöpfe habe ich in der Nacht vor der Auslieferung noch höchstpersönlich reingeklopft.

Uniformen transportieren Unternehmenskultur – wie bringt man das als Modedesigner mit seinen eigenen Ansprüchen unter einen Hut?
Wenn ich als Designer eine Uniform machen möchte, muss ich für meine Arbeit natürlich auch den Geist des Unternehmens verinnerlichen und designmäßig im Rahmen bleiben. Exzentrische Designs und extravagante Kreationen sind hier sicher fehl am Platz. Gleichzeitig wünschen sich die Unternehmen bei Kooperationen mit Designern natürlich auch einen Twist, etwas Neues, eine Geschichte, die sie erzählen können.

Wo sind die Unterschiede zwischen Laufsteg und Arbeitsalltag?

Wenn ich für den Catwalk designe, kann ich mich austoben, habe völlig freie Hand und es geht im Wesentlichen um die Show. Wohingegen es bei Uniformen um Funktionialität, Beständigkeit sowie den Einsatz teilweise hoch technischer Materialien geht. Sicherheit und die Gefühle, die transportiert, beziehungsweise Signale, die gegeben werden sollen, spielen eine große Rolle.

Die Traumuniform, die Sie gerne designen würden?
Eine große Hotelkette mit einer langen und spannenden Historie fände ich toll. Es wäre eine große Ehre, Teil einer solchen traditionsreichen Firmengeschichte zu werden.

Artikel aus Falstaff Karriere 03/2017.

Guter Geschmack: Herrliches Essen und schöne Uniformen kombiniert Christoph Ströck im »Feierabend«.

© Foto beigestellt

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