Die Zukunft der begehrten Kaffeebohnen

Kaffee bildet für 100 Millionen Menschen weltweit eine Existenzgrundlage.

© Getty Images/Westend61

Die Zukunft der begehrten Kaffeebohnen

Kaffee bildet für 100 Millionen Menschen weltweit eine Existenzgrundlage.

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Abwarten und Tee trinken ist für die Kaffee-Branche kein probates Mittel, um dem allgegenwärtigen Klimawandel entgegenzutreten. Es gilt zu handeln, und zwar schnellstmöglich. Denn die Wetterkapriolen haben längst die Anbauländer erreicht und begünstigen in den Plantagen den sogenannten Kaffeerost, eine Pilzart, die ganze Ernten zunichte machen kann und damit die gefährlichste Krankheit für die Kaffeepflanze darstellt. Ein Damokles-Schwert, das über vielen Entwicklungs- und Schwellenländern schwebt, deren wichtigstes Exportgut prall gefüllte Kaffeesäcke sind. Dazu sind die weltweit begehrten Bohnen aufgrund einer Vielzahl von Faktoren ständigen Preisschwankungen ausgesetzt, die außerhalb der Kontrolle der Produzenten liegen.

Brechen die Kaffeepreise wie Ende 2018 ein, zahlen vor allem die vielen Kleinbauern mit niedrigen Gewinnen die Rechnung. Zu den finanziellen Einbußen am Ende der Wirtschaftskette kommt der Imageschaden für den Handel, der vor allem in der westlichen Welt Aktivisten auf den Plan ruft, die eine gerechtere, faire und umweltverträglichere Kaffeewelt fordern. Und die ist alles andere als klein. Rund 25 Millionen Menschen sind direkt im Kaffeeanbau, der Verarbeitung und dem Handel tätig, für weitere 100 Millionen Menschen bildet Kaffee die Existenzgrundlage. Größter Produzent von Rohkaffee ist nach wie vor Brasilien.

Kaffee

25 Millionen Menschen sind direkt im Kaffeeanbau, Handel und Verarbeitung tätig.

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Die Branche reagiert, Nachhaltigkeit heißt das Zauberwort der global agierenden Kaffeeriesen. Branchenprimus Starbucks, der Woche für Woche rund 100 Millionen Kunden mit Kaffeespezialitäten versorgt, hat sich auf die Fahne geschrieben, seinen Abfall-Fußabdruck bis 2030 zu halbieren. Ein ehrgeiziges Ziel, wie Duncan Moir, Präsident von Starbucks Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA), zugibt. »Wir wollen ein ressourcenfreundliches Unternehmen sein und ich glaube, wir haben die Verantwortung, unseren Kunden neue und einzigartige Möglichkeiten zu bieten, wiederverwendbare Materialien in ihr tägliches Leben zu integrieren. Obwohl wir große Fortschritte bei der Reduzierung unserer Einweg-Pappbecher gemacht haben, gibt es noch mehr zu tun und wir müssen die Wiederverwendbarkeit langfristig zur einzigen Option machen.«

Das klingt kompromisslos. Cup-Share heißt die Mehrweg-Initiative, die dem Pappbecher den Kampf ansagt und bis 2025 in allen Starbucks-Filialen in 43 Ländern eingeführt wird, um für eine deutliche bessere Ökobilanz des Konzerns zu sorgen soll. Das Prinzip ist einfach, aber effektiv. Für den Mehrwegbecher, der in drei Größen erhältlich sein wird, zahlt der Kunde einen kleinen Obolus, den er bei Rückgabe erstattet bekommt. Gleichzeitig wird für den Pappbecher ein Zuschlag von fünf Cent erhoben, die an Umweltorganisationen weitergegeben werden, die sich mit globalen Abfallproblemen befassen.

Auch die Firma Nespresso hat sich zum Thema Abfall Gedanken gemacht und möchte mit ihrem Kapselsystem bis 2022 ihren Nachhaltigkeitsbeitrag leisten und dann sogar klimaneutral sein. Zwar setzt der Ableger aus dem Nestlé-Imperium nach wie vor auf die bewährten Aluminiumkapseln, die einem Brühdruck bis zu 19 bar standhalten und schon deswegen aus Sicht von Nespresso alternativlos sind. Doch ganz der Schweizer Mentalität folgend, baut der Konzern auf die Vernunft der Verbraucher und damit auf Mülltrennung und Recycling. Seine bunten Kapseln, die ab 38 Cent kosten, hat Nespresso bereits 1993 für das Duale System in Deutschland lizenzieren lassen, das als Musterland der Mülltrennung gilt. Auch Nespresso-Shops nehmen gebrauchte Kapseln zurück, die globale Recyclingrate liegt bei rund 30 Prozent. Zu wenig, meinen Umweltschützer und fordern Alternativen. Wie etwa die wiederbefüllbare Mehrwegkapsel, die Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe für eine praktikable und kostengünstige Lösung hält. Weniger produzierte Kapseln, weniger Müll, weniger CO2-Ausstoß. Dafür deutliche Ressourcenschonung und am Ende eine bessere Klimabilanz.

Segelschiff ahoi!

Die schlägt auch zu Buche, wenn der Transport der Kaffeebohnen über die Weltmeere ohne fossile Brennstoffe auskommt. Statt stampfender Dieselschiffsmotoren setzen umweltengagierte Händler auf die Kraft des Windes und lassen ihre Fracht in motorlosen Segelschiffen klimafreundlich über die Meere gleiten, um den CO2-Fußbabdruck zu minimieren. Die 2007 gegründete niederländische Firma »Fairtransport, Cargo under Sail« war eine der Ersten, die mit Kaffeesäcken im Laderaum über die Meere segelte. »Die Berücksichtigung unseres Planeten ist für uns kein vorübergehender Hype, sondern eine nachhaltige Lebensweise. Unsere Schiffe sorgen für einen sauberen Transport und die Crews für die Verbreitung des Bewusstseins, dass wir uns alle besser um die Natur kümmern müssen«, sagen Sabine Fox und Joop Harrems, Vorstandsmitglieder von Fairtransport.

»Kaffee Ahoi« heißt es auch beim deutschen Segelfrachter »Avontuur«, der Kaffeebohnen über Tausende von Seemeilen hinweg von Südamerika nach Hamburg schippert. Da kann es sein, dass der Segler im Auftrag von »Teikei« fährt, einer solidarischen Gemeinschaft von mexikanischen Kaffeeproduzenten und europäischen Konsumenten. »In Hamburg werden die Säcke emissionsarm mit Lastenrädern ins Lager gebracht«, erklärt Jaspar Röh, der bei »Teikei« für die Finanzen und das Controlling zuständig ist. Nachhaltiges Wirtschaften wie aus dem ökologischen Lehrbuch, tatsächlich ist hier auch der Weg das Ziel.

Timbercoast

Das deutsche Unternehmen »Timbercoast« transportiert unter anderem Kaffee per Segelschiff und bringt die Ware auch auf dem Landweg ökologisch ans Ziel.

© Timbercoast

Leben und leben lassen

Doch umweltschonender Transport verbunden mit Windjammer-Romantik ist nur ein Aspekt in der schönen neuen Kaffeewelt. In dem komplexen internationalen Handelsgeflecht geht es auch um faire, wertbasierte und verlässliche Preise für die Produzenten, die allzu oft von globalen Börsenschwankungen abhängig sind, auf die sie selbst keinen Einfluss haben. Leonardo Bittner de Freitas kennt das Problem der kleinen und mittleren Kaffeebauern. Für seine Hamburger Rösterei »Mindful Beans« kauft er bei Produzenten direkt in Brasilien ein und zahlt dafür Preise, die einen Qualitätskaffeeanbau für alle Beteiligten lukrativ machen. Leben und leben lassen, für Leonardo ist das unter Kaufleuten Ehrensache. Und weil ihm der Kaffee so am Herzen liegt, finanziert er mit jedem verkauften Kilo Röstkaffee die Pflanzung eines Baumes, um die CO2-Bilanz des Kaffeeanbaus zu verbessern. Dazu verzichtet er bei der Verpackung seiner Kaffees auf jegliches Plastik. Vielleicht nur zwei kleine Schritte eines umweltengagierten Händlers, die aber in die richtige Richtung gehen.

Auch Starbucks setzt auf gepflanzte Nachhaltigkeit und betreibt in den kaffeeproduzierenden Ländern ein Netzwerk von »Farmer Support Centres«, das die Bauern mit Rat und Tat in ihrer Arbeit unterstützt. Ob Kaffee, so jedenfalls das hochgesteckte Ziel, in naher Zukunft zum weltweit ersten nachhaltigen landwirtschaftlichen Produkt wird, bleibt abzuwarten. Aber mit der Pflanzung von 100 Millionen krankheitsresistenten Kaffeebäumen und der Bereitstellung von modernstem Anbaumanagement nach neusten Erkenntnissen für seine Produzenten will Starbucks für den Klimawandels gut gerüstet sein. Für den durchschnittlichen Verbraucher, der im Laufe seines Lebens rund 77.000 Tassen Kaffee trinkt, müssen all diese Aktionen zunächst keinen Einfluss auf sein Kaufverhalten bezüglich Kaffee haben. Aber sie könnten und sollten. Denn nur mit einer akzeptablen Klimabilanz und auf allen Seiten fairen wirtschaftlichen Bedingungen haben der Kaffee, seine Produzenten und Händler eine Zukunft, die am Ende die Grundlage für den vielfältigen Geschmack und den einzigartigen Genuss aus der gerösteten Bohne sind.

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