Die wichtigsten Interior-Trends der neuen Saison

Angesagt sind 2019 warme, kräftige Farben, samtige Stoffe, ein Spiel mit Rundungen und Zeitreisen in vergangene Dekaden. Couch »Audrey« von gallottiradice.it.

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Angesagt sind 2019 warme, kräftige Farben, samtige Stoffe, ein Spiel mit Rundungen und Zeitreisen in vergangene Dekaden. Couch »Audrey« von gallottiradice.it.

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Einfache Antworten – zumindest das gilt mittlerweile als gesichert – gibt es auf dieser Welt nicht mehr. Zu komplex sind unser Alltag und unser Leben geworden. Dies zeigt sich besonders deutlich, wenn man in den Mikrokosmos Design eintaucht, denn Komplexität hat hier schon lange Einzug gehalten. Kein Wunder, entstehen doch dort, wo Kreativität auf Geschmack und Ideenreichtum auf Ästhetik treffen, Diskurse, Reibepunkte und spannende Fragen, die im Kleinen das Große widerspiegeln. Allerdings: So undurchsichtig ist dieses Dickicht dann auch wieder nicht, lassen sich da doch prima kleine Pfade hineinschlagen, die für eine gewisse Orientierung sorgen.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

aktuell als »Tasteful Residence« subsumieren. Wir wissen über die dänische Gemütlichkeit »Hygge« bestens Bescheid, können auch mit ihrem achtsamen und nachhaltigen schwedischen Scandi-Chic Bruder »Lagom« umgehen, wir schätzen zudem die wunderschönen, pragmatischen Designzugänge des japanischen »Wabi-Sabi« und tragen dabei einen ganzen Rucksack voll mit Design-Vorlieben und Vorstellungen mit uns herum. Jetzt geht es daran, das angeeignete Wissen elegant und geschmacks­sicher auf den Boden zu bringen. Wie? Mit großartiger Handwerkskunst, charaktervollen Einzel­stücken und sorgfältig ausgewählten, perfekt proportionierten Blickfängen, die Atmosphäre kreieren. Weiche, warme Materialien wie Samt und Velours sorgen dabei für Gemütlichkeit, Holz, Leder, Bast, aber auch Terrakotta bringen Natürlichkeit ins Ambiente.

»Natürliche Materialien werden immer wichtiger, man darf Strukturen, Unebenheiten und auch Fehler sehen und spüren.« Eva Marguerre Designerin

Von Natur und Formen

Die Natur in Form bringen!

Überhaupt ist es so eine Sache mit der Natur. Der Mensch sehnt sich danach – lebt er doch in einer vorwiegend digitalen Welt – und holt sie sich über Umwege zurück in seinen Wohnraum – mit Mustern auf Tapeten, als Accessoires, die Muscheln, Schnecken und Korallen nachempfunden sind, oder aktuell hippen Designströmungen wie dem angesagten Asia-Trend. Der greift etwa die farbenfrohe Fauna und Flora des riesigen Kontinents auf. Man kann die Allgegenwärtigkeit der Natur aber auch erkennen, wenn man genauer hinschaut, was gerade zu Design verarbeitet und in Form gebracht wird: »Wie sich schon in den letzten Jahren angedeutet hat, werden natürlichere Materialien immer wichtiger. Man darf Strukturen, Unebenheiten und auch Fehler sehen und spüren. Design wird dadurch nahbarer und ökologischer«, erzählt Eva Marguerre.

Sie ist eine Hälfte von Studio Besau-Marguerre, das sie gemeinsam mit ihrem Partner Marcel Besau führt. Das Duo schwimmt zurzeit auf der Erfolgswelle. Besau und Marguerre richteten etwa – sehr prestigeträchtig – die Hamburger Elbphilharmonie ein, gaben zuletzt dem legendären Thonet-Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe ein Facelift und fungieren gerade als Gast- und Star-Kuratoren für die inter­nationale Designmesse blickfang. Eine starke Entwicklung zur Natürlichkeit erkennt übrigens auch der Wiener Designstar Klemens Schillinger: »Im Moment kommen immer wieder spannende natürliche Materialen wie etwa Kork, Linoleum oder Naturstein zum Einsatz«, fasst er zusammen.

Der 35-Jährige zählt zu den gefragtesten Kreativen des Landes. Schillinger schafft es, aus Alltagsgegenständen wie Vasen, Kerzenhaltern oder Garderoben­haken Poetisches herauszukitzeln und bewegt sich dabei im Spannungsfeld von Material und Form: »Ich denke, dass es heute nicht mehr darum geht, Material ›krampfhaft‹ in Form zu bringen, sondern effektiv damit umzugehen. Das richtige Material für die richtige Anforderung führt zur ›passenden‹ Form.« Das Spannungsfeld zwischen Material und Form ist übrigens auch Eva Marguerre und Marcel Besau nicht fremd, wobei es bei aller Spannung, die Formen, Farben und Materialien mit sich bringen, immer auch auf eine harmonische Inszenierung ankommt. »Es geht darum, sich schon zu einem frühen Zeitpunkt im Kreativprozess über das Material Gedanken zu machen, und diese Überlegungen sollten dann in den Entwurf einfließen«, erklärt Eva Marguerre ihren Zugang und ergänzt: »Gutes Design ist für uns die intensive Auseinander­setzung mit Farbe und Materialität.«

Heavy Metal meets Asia

Halte Balance

Intensiv mit Farben und vor allem Formen beschäftigt sich die ukrainische Designerin Daria Zinovatnaya. Die 26-Jährige lebt und arbeitet in St. Petersburg und macht zurzeit scheinbar alles richtig. Sie treibt das Spiel mit geometrischen Mustern und geometrischen Formen auf die Spitze und experimentiert auch noch mit bunten Farbwelten, die kräftig und auffällig, aber niemals penetrant sind. Warum das funktioniert? »Bevor ich mit der Design­arbeit beginne, spiele ich mit den Farben und Formen und finde so die richtige Balance«, erzählt die Designerin und fügt hinzu: »Farbe ist die Basis meiner ganzen Arbeit.«

Das trifft sich insofern gut, da das Jahr 2019 durchaus ein farbenfrohes wird. Das legte nicht nur Pantone mit der Farbe des Jahres »Living Coral« fest, das spürt man auch andernorts. Etwa beim Revival der 1970er-Jahre, das nicht mehr aufzuhalten ist. Wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf diesen Zug aufspringen will, dem stehen auch glänzende  Alternativen zur Verfügung. Gold- und Silberoptik, Kupfer- und Messingelemente bei Interior sind hoch im Kurs und werden immer beliebter. Auch bei Designern wie Klemens Schillinger: »Ich komme am Werkstoff Metall nicht vorbei.

Es ist vielseitig einsetzbar und man kann es ebenso vielseitig bearbeiten. Schweißen, gießen, fräsen, rollen, biegen – beinahe alles ist möglich«, ist Schillinger begeistert. 

Aber auch beim Metall-Look gilt die goldene Balance-Regel, weswegen Wucht und Glamour des Materials mit Fragilem wie Glas oder schön gemaserten Hölzern gebrochen werden. Denn wie gesagt: Es ist alles komplexer geworden – auch und vor allem im Designdickicht.

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