Die Toskana Connection: Große Weine vom Weingut Monteverro

In der südlichen Toskana entstehen am Weingut Monteverro tiefgründige, würzige Weine.

© Leif Carlsson

In der südlichen Toskana entstehen am Weingut Monteverro tiefgründige, würzige Weine.

© Leif Carlsson

Es ist kein Zufall, dass die Weine von Monteverro gerade in Münchner Spitzen­restaurants besonders gut vertreten sind – das Weingut ist das geistige Kind von Georg Weber. Der 38-Jährige führt im Hauptjob das von seinem Großvater gegründete Familienunternehmen im bayerischen Schwaben, im Herzen aber ist er Winzer in der Toskana.

Ein Herbstabend im Münchner Restaurant »Dallmayr«, auf der Speisekarte steht ein Bugstück vom Nebraska-Rind, langsam im Ofen gebraten und mit geschmorten Zwiebelchen, etwas Gemüse und einer kräftigen Rotwein-Jus serviert. Der Gast würde gerne einen kräftigen Toskaner dazu trinken, lässt er Sommelier Julien Morlat wissen, und erwartet ein großes Gewächs aus Bolgheri. Doch Morlat hat eine andere Idee: »Wenn Sie Intensität und Tiefgründigkeit suchen, einen konzentrierten und würzigen Rotwein, der perfekt mit dem Rind harmoniert, dann empfehle ich Ihnen den 2008er Monteverro.« Das noch junge Weingut habe in den vergangenen Jahren eine ganz eigene Linie gefunden, erklärt der Sommelier weiter, die klassischen Rebsorten der Bordeaux-Cuvée erführen durch die fetten, aromenreichen Böden der südlichen Maremma Dichte, Komplexität und Ausdrucksstärke, kurz: ein Supertoskaner, der nach Süden schmeckt.

Aushängeschild: Der Monteverro ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot.
Aushängeschild: Der Monteverro ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot.

© Leif Carlsson

Seine Weinleidenschaft begann schon während seiner Studienzeit, genauer gesagt in dem Moment, als ihm ein Freund zum ersten Mal ein Glas Chateau Latour 1966 einschenkte. Der Traum vom eigenen Weingut nahm ein paar Jahre später Gestalt an: Er war 25 Jahre alt, als er eines Tages auf einem Hügel in der Maremma, dem südlichsten Ende der Toskana, stand. Er schaute über Hänge, die zum Tyrrhenischen Meer hin sanft abfallen, er spürte die leichte Brise, die vom Wasser herüberwehte, er atmete den Duft der Macchia, der wild wuchernden Kräuter und Blumen. Und er wusste: »Diese Küste hat irres Potenzial.« Heute, 13 Jahre später, ist aus seinem Traum ein florierendes Weingut geworden, das sich nach dem Hügel, auf dem alles begann, Monteverro nennt, der Berg des Ebers, eine Anspielung auf die vielen Wildschweine in der Gegend.

Der Name steht für eine südlich-mediter­rane Variante des Supertoskaners – und für die Entdeckung der südlichen Maremma als ernst zu nehmendes Weinbaugebiet.

Weine mit salziger Note

Webers Bauchgefühl in Bezug auf das Terroir hatte ihn nicht getrogen, das bestätigten eingehende Bodenanalysen: Monteverro mit seiner tonhaltigen Erde, reich an Eisen und mit Gestein durchsetzt, bietet bestes Poten­zial für den Anbau großer Weine. Die konstante Brise, die selbst in heißen August-Nächten vom nahen Meer herüberweht, umspielt die Reben als kühlendes Lüftchen. »Ihr verdanken unsere Weine das, was man in der Maremma die ›Sapidità‹ nennt«, sagt Weber, »eine salzige Note.« Doch auch das perfekte Terroir kann nicht darüber hinwegtäuschen: Ein Weingut von null aufzubauen, das ist ein gewaltiger Kraftakt.

Andererseits bietet es einen entscheidenden Vorteil: Weber konnte alles nach den eigenen Idealvorstellungen anlegen. Er wollte keine Monokultur, das war von Anfang an klar. Deshalb sind heute von 60 Hektar nur 35 mit Reben bepflanzt (und nur 27 in Produktion), auf der übrigen Fläche wachsen Olivenbäume und mediterrane Macchia, der immergrüne mediterrane Buschwald, der mit seiner Vielzahl an Pflanzen von Lavendel über Rosmarin und Thymian bis zur Haselnuss ebenfalls die Aromatik der Weine prägt.

Die Weinhänge Monteverros fallen bis zum Tyrrhenischen Meer sanft ab.
Die Weinhänge Monteverros fallen bis zum Tyrrhenischen Meer sanft ab.

© Leif Carlsson

Im Einklang mit der Natur

Dass der Mensch in Monteverro so wenig wie möglich in die Natur eingreift, dafür stehen die Architektur und die Abläufe im Keller. Die bewusst niedrig gehaltenen Gebäude fügen sich in das Grün der Weinberge ein, der Weinkeller wurde teilweise in den Hang hinein gebaut, um die natürliche Kühlung zu nutzen. Die Trauben – ausschließlich per Hand, nach Mikroparzellen getrennt und meist in den kühleren Morgenstunden geerntet – werden am Eingang zum Keller in einem eigenen Kühltunnel auf vier Grad heruntergekühlt und nochmals von Hand selektiert.

Im Keller gibt es keine langen Transport­wege oder Pumpen, während der gesamten Vinifizierung werden die Trauben und der junge Wein ausschließlich per Schwerkraft oder mit einem automatisierten Kransystem bewegt. Die Weine gären, weiterhin nach ­Mikroparzellen getrennt, in kleinen Edelstahltanks, dabei kommen ausschließlich natürliche Hefen zum Einsatz. Anschließend werden die roten Trauben in einer vertikalen Korbpresse sanft gepresst, der Wein reift bis zu 24 Monate in kleinen Barriquefässern, die von den besten französischen Tonneliers stammen.

In einer Vision vereint

Die Weinberge erstrecken sich über drei Hügel, die sanft von 30 auf bis zu 80 Meter über dem Meeresspiegel ansteigen. Sie werden organisch bewirtschaftet, auf Herbizide, Pestizide und Fungizide auf chemischer Basis wird komplett verzichtet, zwischen den Reben kommen nur Kupfer und Schwefel zum Einsatz. Für die tägliche Arbeit in Weinberg und Keller ist Önologe Matthieu Tannay zuständig, der von der Loire stammt und mit den Webers die Vision teilt, Spitzenweine aus der südlichen Maremma zu erzeugen. Ihm steht ein Team an internationalen Beratern zur Seite, darunter seit Beginn der legendäre Weinberater Michel Rolland, der die besonders sensiblen Schritte bis hin zur endgültigen Cuvée begleitet.

Liebhaberprojekt weißer Burgunder

© Leif Carlsson

Auch wenn heiße Sommer die Maremma zum idealen Rotweinterroir machen – die Nähe zur Küste und die kühlen Nächte lassen auch einen frischen, fruchtigen Vermen­tino bestens gedeihen. Julia und Georg Weber haben sich für die lokale Rebsorte entschieden, weil sie mediterranes Lebensgefühl verkörpert – perfekt für den Aperitif auf der Terrasse. Und weil beide große Liebhaber weißer Burgunder sind, musste es auch ein Chardonnay sein, mit einer Produktion von 5000 Flaschen pro Jahr ein echtes Liebhaberprojekt.

»Die Maremma ist so etwas wie der Wilde Westen der Toskana«
Georg Weber

18 Monate auf der Feinhefe in französischem Holz ausgebaut, knüpft er mit seiner eleganten, cremigen Textur, seiner Frische und Finesse an die großen Vorbilder an, ist aber andererseits auch ein hundertprozentiger Toskaner. »Die Maremma ist so etwas wie der Wilde Westen der Toskana«, sagt Georg Weber. »Die Landschaft ist ursprünglich, die Natur entfaltet all ihre Kraft.« Die Roten von Monteverro sind echte Kraftpakete, voller Mineralik und Würze, das schmeckt man schon im Einstiegswein, dem Verruzzo, der durch den Sangiovese-Anteil ein Bekenntnis zur Weinbautradition der Toskana darstellt, gleichzeitig aber mit den klassischen Bordeaux-Sorten den Geist des Monteverro vorwegnimmt.

Der Padrone und sein Secondo

Das Herzstück des Sortiments bildet ein starkes Duo: Monteverro und Terra di Monteverro, man könne auch sagen, der Padrone und sein Secondo. Das Flaggschiff Monte­verro ist ein wahrer Premier Grand Cru der Maremma, komponiert aus den klassischen Bordeaux-Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot, und doch mit dem unverwechselbaren Charakter der toskanischen Küste. Ein in jeder Hinsicht ehrgeiziger Wein – die Trauben stammen ausschließlich aus Toplagen, der Wein reift 24 Monate in Barriques der besten Tonneliers und anschließend zwei Jahre auf der Flasche. So erlangt er Kraft und Komplexität, Kühle und Eleganz, seine Aromenvielfalt beeindruckt. Terra wiederum ist der klassische Zweitwein, der sich schon in jüngeren Jahren erstaunlich offen und zugänglich gibt. Er wird aus den gleichen Rebsorten gewonnen wie der Monteverro, die Trauben stammen nur teilweise aus anderen Parzellen, auch die Zusammensetzung kann variieren.

Strenge Selektion, Handlese und größte Sorgfalt im Keller sind auch hier selbstverständlich. Der Sechste im Bunde ist ein sehr persönlicher Wein, er heißt Tinata und ist Georg Webers Mutter Tina gewidmet, einer großen Liebhaberin von Rhône-Weinen. Die charaktervolle Cuvée aus Syrah und Grenache passt mit ihrem Extrakt, den komplexen Gerbstoffen und ihren Anklängen an mediterrane Kräuter wie Salbei, Rosmarin oder Lorbeer, aber auch an Pflaume, Pfeffer und Gewürznoten perfekt zu einem Gericht, das so etwas wie der Signature Dish von Monteverro, dem Berg des Ebers, ist – ein kräftig angemachtes Wildschweingulasch.

Tasting: Best of Monteverro

Aus dem Falstaff Magazin 8/2016

Info

Monteverro Srl Società Agricola
Strada Aurelia Capalbio 11
I-58011 Capalbio (GR)

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