Die Top 10 Don'ts bei Weinbeschreibungen

Manche sprechen mit Wein, manchmal spricht der Wein auch mit ihnen.

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Manche sprechen mit Wein, manchmal spricht der Wein auch mit ihnen.

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Oft ist man gar nicht so neugierig auf die Einschätzungen und Kommentare von eifrigen Weinfreunden, die bei Verkostungen und Weinrunden so von sich gegeben werden. Dennoch bleiben sie uns nicht vorenthalten, die Expertenmeinungen und blumigen Beschreibungen. Und siehe da, so manch einer glänzt mit umfassenden Halbwissen und entlarvt sich selbst als Schwätzer.

1. Körperliche Attribute

Ganz oben auf der Liste der unpassenden Weinbeschreibungen finden sich Vergleiche mit Frauen, die sich selten auf Charakterzüge beziehen, sondern meistens auf körperliche Attribute. Ein Wein mit einem »prallen Dekolleté und einem ausladenden Hintern«, das sorgt für Schenkel-Klopfen in der geselligen Männerrunde.

2. Lüsterne Begierden

Reichlicher Weinkonsum weckt offenbar die sonst versteckte Geilheit so mancher Weintrinker. »Jungfräulich« wird gerne und oft verwendet, beim Aroma, beim Geschmack und sogar für Fässer. »Zart wie ein Nonnenbäuchlein« deutet zwar auf einen irritierenden Fetisch hin, sagt über den Wein aber wenig aus. Der »erregend schlanke Körper« zwar schon, aber noch mehr über den Zustand des Verfassers. Animalische Töne als »scharf gerittenen Damensattel« zu bezeichnen ist schon ein verbreiteter Kalauer, der nur noch vom »Gaumenorgasmus« über- (bzw. unter-) boten wird.

3. Monumentale Legenden

Ja es gibt sie, diese herausragenden Jahrhundertweine, legendär, einzigartig, episch. Allerdings sollte man mit Superlativen sparsam umgehen, wenn sich die Weine noch in einem jugendlichen Entwicklungsstadium befinden. Wahrlich große Weine erkennt man erst nach mehreren Jahren.

4. Farbenspiele

»Da kann ich ja durchschaun, der kann nix heißen...«, ist ein häufig zu hörendes Bonmot, wenn ein hellerer Rotwein ins Glas kommt. Was der Urheber des Zitats aber nicht weiß ist, dass er sich damit selbst als Banause entlarvt und keine Ahnung von burgundischer Eleganz hat.

5. Weine die Geschichten erzählen

»Dieser Wein erzählt die Geschichte von kargem Erdboden, von schwieligen Winzerhänden und wärmenden Sonnenstunden...«. Also mir hat noch kein Wein eine Geschichte erzählt. Die Geschichtenerzähler sind meist solche, die sich zu intensiv mit dem Wein auseinandergesetzt haben.

6. Salz in der Nase

Wer sich auf das glatte Parkett der Weinsprache begibt, der sollte mit den Grundregeln der Sensorik vertraut sein. Salzig, süß und bitter sind Eindrücke, die lediglich auf der Zunge wahrgenommen werden können – Beschreibungen wie »salzige Aromen«, »bitterer Geruch« oder »riecht süßlich« sind anatomisch nicht nachvollziehbar.

7. Wunderwirkender Zaubertrank

Manche Weinfreunde haben sich wohl von den bekannten Weinkritikern Harry Potter und Merlin inspirieren lassen. Manche Weine sind für sie wahre Zaubertränke, die sogar »Probleme unter Partnern dahin schmelzen lassen«. Wein »transportiert beschwingte Lebenslust«. Und wenn der Transport entsprechend umfassend war, dann mag ein Wein sogar einen »vom Liebenstrank verzauberten Gute-Nacht-Kuss« geben. Na gute Nacht. Hoffentlich waren die Kopfschmerzen am nächsten Tag nicht allzu schlimm. Aber wobei... Es gibt ja einen Zaubertrank... 

8. Aus der Tierwelt

»Katzenpisse« oder »Katzenklo« für bestimmte Sauvignon-Spielarten mögen ja richtig und nachvollziehbar sein. »Nasser Hund« oder »Pferdeschweiß« auch. Aber »Schmeckt nach Termitenhügel und riecht nach vollgepisstem Eulenkäfig« setzt schon einiges an zoologischer Praxis voraus. Oder haben Sie schon mal Termitenhügel gekostet?

9. Reinste Poesie

Wenn die Verkostung länger dauert, dann ist die Kreativität kaum mehr zu bändigen und das poetische Talent wird leidenschaftlich ausgelebt. Da gibt es »Weine von der Reinheit eines Gebirgsbachs« und »Tangos von Früchten und Tanninen«, die noch dazu »im Gaumen beben«. Weine »kitzeln langschwänzig die Kehle« und »Säure kriecht kreiselnd über die Zunge in das ewig Dunkel des Rachens hinab«. (siehe Rotorman's Blog)

10. Lang im Abgang

»Langer Abgang« ist wohl jene Weinsprech-Floskel, die am häufigsten verwendet und sogar von der Cola-Rot-Fraktion praktiziert wird. Dadurch hat sich wohl das semantisch negativ aufgeladene Wort »Abgang« so gut gehalten. Dabei macht gerade der andauernde Nachhall oder Nachklang einen großen Wein aus. Aber damit das kein »Finale von epischer Länge« wird, fasse ich mich kurz. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, haben Sie Spaß beim Weintrinken und langweilen Sie ihre Mitmenschen nicht mit Platitüden!

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