Die schönsten Luxus-Chalets der Alpen

Neu am Markt! »Kilimanjaro« ist eines von drei Miet-Chalets des Projekts »7 Heavens« und beitet auf gut 800 Quadratmetern Platz für zwölf Personen.

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Neu am Markt! »Kilimanjaro« ist eines von drei Miet-Chalets des Projekts »7 Heavens« und beitet auf gut 800 Quadratmetern Platz für zwölf Personen.

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Hoch über dem Nebel, jenseits von Jour fixe und allmorgendlichem Stau thronen die Chalets im Schatten der archaischen Berggipfel. Ob als Chaletdorf zentriert oder fernab jeglicher Zivilisation – sie alle versprechen ihren Bewohnern dasselbe: eine Auszeit von allem »da unten« im Alltag. Das Wort Chalet stammt vom lateinischen Begriff »cala«, was so viel wie »beschützter Ort« bedeutet. Das sagt eigentlich schon alles.

Wer an die Bergresidenzen denkt, hat zumeist ein ähnliches Bild im Kopf. Es ist dominiert von viel Altholz, von Kerzen, Windlichtern, schweren Strickdecken und langen Dinnertafeln für die Großfamilie. Diese gewisse Mainstream-Chalet-Anmutung hängt natürlich mit der Gemütlichkeit zusammen, die als Kontrast zur modernen – oft als kühl empfundenen – Welt erwartet wird. Auf den zweiten Blick sind da auch die damit vermeintlich nicht korrelierenden Elemente wie Stein, Metall, Sichtbeton und opulente Glasfronten, die die Sicht auf das Bergmassiv freigeben.

Der erste Eindruck täuscht oft

Martin Wetscher vom gleichnamigen Zillertaler Einrichtungs- und Planungshaus weiß, dass der erste Eindruck oft täuscht. »Es gibt sehr wohl wesentliche Unterschiede in der Innenraumgestaltung. Da gibt es den klassischen französischen Bourgeoisie-Stil mit sehr viel Weiß und Grau und Metall. Auf der anderen Seite stehen die skandinavisch beeinflussten Gestaltungen, die mit den amerikanischen Chalets verwandt sind. Dort haben die Möbel einen hohen bäuerlichen, funktionalen wie reduzierten Anspruch, und sowohl Muster als auch Farben wirken sehr ländlich. In Kitzbühel zum Beispiel versucht man gerade den Mix zwischen der warmen Farbe des alten Holzes und der Strenge und Klarheit von Weiß und Grau zu erzielen.« 

Impressionen finden Sie in der Bilderstrecke:

Begrenzter Spielraum

Dass die äußere Hülle oft etwas uniform wirkt, liegt dagegen auf der Hand, wie Alexander Sommersgutter erklärt. Der Architekt setzt mit seinem Innsbrucker Büro »OFA Architektur« immer wieder alpine Hospitality-Projekte um – etwa das »Eden Rock« in St. Anton am Arlberg. »Es gibt nicht allzu viele lokale Materialien, die traditionellen Elemente sind beschränkt. Irgendwann wird sich daher zwangsläufig vieles wiederholen. Ein ortstypisches Chalet wird außen immer aus Stein, Holz und/oder Putz bestehen, sich aber in kleinen Details klar unterscheiden.« Und genau diese Feinheiten seien es auch, die so wichtig für das Gesamtbild sind. »Hier bedarf es allerdings einer ganz bewussten Betrachtung.«

»Tracht der Architektur«

Überhaupt – der Ort, er macht sehr wohl den Unterschied, wie Martin Wetscher anführt. Nicht nur, dass Miet- und Kauf-Chalets – im Gegensatz zu Privat-Residenzen – die Identität des Ortes aufnehmen, sie spiegeln zumeist auch die Herkunft des Besitzers wider. »Wechseln Menschen aus großen Städten oder herrschaftlichen Häusern in alpine Regionen, wollen sie natürlich nicht auf den Komfort verzichten, den sie zu Hause gewohnt sind. Immobilienentwickler, die sich aus der Region heraus zum ersten Mal diesem Thema nähern, sind die Großzügigkeit eines internationalen Publikums vielleicht noch nicht so gewohnt und ziehen ihre Raumvorstellungen aus dörflichen Strukturen.« Wetscher spricht von einer »Tracht der Architektur«, davon, dass alte Bauernhöfe ausschließlich aus Materialien der unmittelbaren Umgebung gebaut wurden. Form und Funktion waren den oft harschen Bedingungen der Natur unterworfen, alles zusammen hat den regionalen Baustil geprägt, der für Kosmopoliten durchaus seinen Reiz hatte. Eine Verkitschung dieser Ursprünglichkeit ist allerdings durchaus eine gewisse Gefahr, die es zu vermeiden gilt. »Bei Hospitality-Projekten, die natürlich auch als Anlageobjekte dienen, wird mit viel Glanz und Luxus die ›Braut geschmückt‹. Wenn der Chalet-Stil gekonnt ist, dann verzichtet er auf überbordende Dekorationen, karierte Muster und ein insgesamtes Zuviel.« 

»Gekonnter Chalet-Stil verzichtet auf überbordende
Deko, karierte Muster und ein insgesamtes Zuviel.«

Die 50er-Jahre als Zäsur

Wer sich in den begehrtesten Skiregionen der Alpen bewegt, hört auch ab und zu von sogenannten »Copycats«, von Projektentwicklern und Architekten, die den Stil eines Chalets als Blaupause auf andere Häuser übertragen und gnadenlos multiplizieren. Auch »amateurhafte Kunst« sei ein weit verbreitetes Thema, attestiert Valentin Kenndler, der gemeinsam mit Thomas Lugmair als »Contemporary Art Advisors« unter anderem die Sans Souci Group betreut. »Uns gefällt, wenn das Alte das Neue erdet und das Neue das Alte auffrischt.«

Ähnlich dürfte das auch Gertrud Schneider sehen. Eine bekannte Arlbergerin, die schon mit ihrem Lecher Small-Luxury-Hotel »Kristiania« aus dem »One size fits all«-Rahmen fällt. Ende 2015 legte sie mit dem »House Hannes Schneider« nach und bewies damit einmal mehr ihr Händchen für Geschichten und Atmosphäre. Die Hotelière erwarb gemeinsam mit Freunden das Kindheits- und Jugendhaus des Ski-Pioniers Hannes Schneider, renovierte und restaurierte es. Aktuell darf sie sich bereits über eine Nominierung für das »World’s Best New Ski Chalet 2016« freuen – Verleihung: im November. Verdient hätte Schneider die Auszeichnung allemal. Ihre Idee, den Einrichtungsstil an den 1950er-Jahren anzulehnen, jener Zeit, in der der Skisport einen eleganten, gesellschaftlichen Touch erfuhr, ist stimmig – und gut umgesetzt. »Das Mid-Century passt genau zum damaligen Aufschwung des Skilaufs, und ich wollte eine modernistische Linie, nicht rein contemporary, zu dem umfangreichen Altholz im Haus. Nicht Mainstream-Chalet-Stil, ich möchte eklektischer, spezieller sein«, so Schneider. Sie bezeichnet ihre Linie als »Boho-Chic« – »ein wenig Bohemien, ein wenig Hippie, ein Touch Isabel Marant, ein Hauch Yves Saint Laurent«. Auf die Annehmlichkeiten der Neuzeit – von Private Spa bis Nanny-Service – wurde natürlich dennoch nicht verzichtet.

Die Ausstattung

Auf die Frage, welche Goodies heute unerlässlich sind, reagiert Martin Wetscher so: »Darüber müsste man ein Buch schreiben! Es geht natürlich um genügend Schlafzimmer mit En-suite-Bädern, eigene Schrankräume, offene Küchen mit Hinter- und Gartenküchen. Schwimmbad, Lift, Tiefgarage, ein inszeniert großes Wohnzimmer mit Sitzlandschaften und und und.« Sommersgutter ergänzt in Sachen Technik: »Die große Kunst ist es, den heutigen Standard – und darüber hinaus – so in das Gesamtgefüge zu integrieren, dass alles im Verborgenen funktioniert und der Gast gar nicht erst bemerkt, wie es zu der perfekten Atmosphäre kommt.« Das kann dann auch gerne mal ein Weinschrank sein, der sich über mehrere Stockwerke erstreckt oder der Whirlpool, der auf Knopfdruck nicht mehr in- sondern outdoor blubbert.

Wetscher Chalet Zillertal

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Ferienhäuser boomen

Was die Überlegung, sich ein Eigenheim in den Alpen anzuschaffen, oft torpediert, ist die Realität. Die Tatsache, dass man den Zweitwohnsitz zumeist nur wenige Wochen im Jahr nutzen kann. Ganz abgesehen davon, dass in vielen renommierten Skiorten ein Zweitwohnsitz nicht gerne gesehen wird – diplomatisch formuliert. Es kann jedenfalls kein Zufall sein, dass die Investition in Ferienhäuser seit circa einem Jahrzehnt floriert – oder sogar »boomt«, wie es in der 2016er-Marktanalyse von FeWo-direkt und Engel & Völkers heißt. Mieteinnahmen, Gewinn und Kapitalanlage stehen sogar an dritter beziehungsweise vierter Stelle der Kaufmotive. Drei von vier Eigentümern planen heutzutage, nach dem Kauf unmittelbar an Gäste zu vermieten, knapp ein Viertel der Objekte spielt im gehobenen Preissegment mit (ab 250.000 Euro), die durchschnittliche Wohnfläche liegt bei 112 Quadratmetern. Beim Kaufpreis toppt Frankreich laut dieser Studie – knapp aber doch – Österreich (2761 Euro pro Quadratmeter versus 2672 Euro pro Quadratmeter).

Wer mit dem Gedanken spielt, unter die Vermieter zu gehen, muss abwägen, ob er das in Eigenregie macht oder an einer Plattform andockt. 15.000 Chalets listet FeWo-direkt zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses, 12.000 davon alleine in Europa. Österreich liegt hier nach Frankreich und der Schweiz auf Platz drei. Bei Airbnb, einem internationalen Online-Buchungsportal, sind es neben 80.000 Villen und 1000 Inseln vergleichsweise wenig Chalets. Mehr als 80 Millionen Gäste haben bis heute Unterkünfte via Airbnb gebucht – eine immense potenzielle Zielgruppe. Der 2008 im Silicon Valley gegründete Community-Marktplatz erleichtert den Anbietern das Leben durch ein »Smart Pricing«-Tool, das Buchungstrends analysiert, Entscheidungshilfen liefert oder auch eine Gastgeber-Garantie ist – heißt: Es enthält eine Versicherung bis zu 800.000 Euro.

Aber alles der Reihe nach: Zuerst sollte man den persönlichen »geschützten Ort« für diesen Winter finden und buchen. Vier bis sechs Monate vor dem Wunschtermin sollte man laut der Vermieter-Agentur FeWo-direkt dran sein, Stammgäste buchen meist direkt fürs Folgejahr. Es soll aber auch Chalets geben, die bereits für 2017»fully booked« sind. Bitte deshalb nicht deprimiert sein, LIVING hat genug andere Wunschdestinationen, die Sie gewiss glücklich machen...

Aus dem Falstaff Living 04/2016.

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