Die Marken – das unbekannte Trüffelparadies

Ein herrlicher Fund.

© Julian Kutos

Ein herrlicher Fund.

Ein herrlicher Fund.

© Julian Kutos

Die Region um Alba im Piemont gilt für die meisten als Heimat der Trüffel – diese kleine Kulturlandschaft am Fuß der Italienischen Alpen versorgt die ganze Welt mit Tuber Magnatum Pico? Nicht ganz.

Trüffelkenner und -händler wissen, dass neben dem Piemont eine zweite Provinz den Großteil der Trüffel liefert – die Marken, allen voran der Markt von Acqualagna.

Die besonders schrumpeligen Knollen (im Vergleich zur runden Alba Trüffel) sind seit Jahrzehnten ein essenzieller Bestandteil der regionalen Kultur, Wirtschaft sowie Gastronomie. Ob Trüffelhonig, Trüffelpasta, Trüffelbutter & Co, ein Tartufo Laden neben dem anderen ziert das Landschaftsbild rund um Acqualagna.

Einer der dort ansässigen Familienbetriebe ist Famiglia Tofani. Stefania und Giorgio Sambuchi führen in zweiter Generation das Geschäft mit viel Leidenschaft und Hingabe zur tollen Knolle. Unter strengsten Hygienevorschriften veredeln sie Trüffel und versenden diese in kleinen Gläschen in alle Teile der Welt.

Julian Kutos reiste mit Trüffelhändler Luca Miliffi in die Marken zur Trüffelsuche.

Piobbico ist dank der historischen Gebäude besonders charmant.

Piobbico ist dank der historischen Gebäude besonders charmant.

© Julian Kutos

Piobbico, das Juwel der Marken

Die Trüffelreise begann im Castello dei Brancaleoni mit einem Empfang beim Bürgermeister von Piobbico, der Heimat von Trüffelhändler Luca Miliffi. Das Ortsoberhaupt lud die Österreichische Delegation zu Prosecco & Antipasti in ein kleines Schlösschen mit Blick über das Dorf ein.

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Trüffelsuche am nächsten Tag stand ein fulminantes Trüffel Mittagessen auf dem Programm. Der Chefkoch verwöhnte mit der Spezialität des Hauses: Polenta dei carbonai. Dieses Gericht aus Maisgrieß – ein Vertreter der Cucina Povera – war früher die Hauptmahlzeit für Kohle-Bergleute und wurde mit Trüffeln verfeinert.

Die Marken sind neben den Trüffeln auch für deftige Fleischgerichte bekannt, unter anderem der Porchetta. Diese kalte Schweinsbraten Spezialität – ein großer Schweinebauch gefüllt mit Leber, Fenchel und saftigen Fleischstücken – wurde stundenlang über Buchenholz geschmort und sorgte beim Verzehr für ähnlich lange Glücksmomente.

Den krönenden Abschluss des Festmahls bildete ein einfaches Omelette, nur verfeinert mit Meersalz und Trüffel. Mille Grazie.   

Bei der Zubereitung der Polenta di carbonara können wir dem Küchenchef über die Schultern schauen.
Bei der Zubereitung der Polenta di carbonara können wir dem Küchenchef über die Schultern schauen.

© Julian Kutos

Früh aufstehen, warm anziehen und gutes Schuhwerk

Das Leben eines Trüffelsuchers beginnt meist früh morgens. Ab sechs Uhr darf die offizielle Suche beginnen. Mit trainierten Trüffel-Hunden, Schaufel, warmer Kleidung und guten Wanderschuhen ausgerüstet fuhren wir im Allrad-Jeep in die umliegenden »Berge«. Trüffel gedeihen ideal auf einer Seehöhe zwischen 800 und 1000 Metern. Im Wald oder auf Wiesen schlummern die Aromaten 30 bis 40 Zentimeter tief unter der Erde und warten darauf ausgegraben zu werden.

Theoretisch sehr einfach, praktisch jedoch harte Arbeit – das gilt für das Motto des Lebens eines Trüffelsuchers. Die kühlen Temperaturen in den Hügeln der Marken, dickes und ungezähmtes Geäst, wilde Wiesen und der ungestüme Wildbach machen die Trüffelsuche zu keinem gemütlichen Spaziergang. Tatsächlich laufen Hunde und Trüffelsammler über Stock und viele Steine, bis der Tagesbedarf an Trüffeln geerntet ist.

Jetzt ist es sieben Uhr und die Hunde beginnen zu bellen, da sie den ersten Fund riechen. Es gilt schnell zu reagieren und die Trüffel aus dem Erdreich zu bergen, denn genauso wie bei Schweinen sind die Trüffel auch die Lieblingsspeise der Hunde.

Nach weiteren zwei Stunden durch die dichten Wälder beendeten wir die Trüffelsuche und waren schon sehr gespannt auf die Ausbeute: bescheidene 30 Gramm weiße Trüffel zeigte die Apothekerwaage an. Ab diesem Zeitpunkt ist auch uns Laien bewusst, warum Trüffel zu den teuersten Lebensmitteln der Welt zählen. Hartumkämpfte Suchgebiete, die stetig steigende Nachfrage, kleine Ernten, keine maschinelle Unterstützung sorgen Jahr für Jahr für stolze Preise im vierstelligen Euro-Bereich.

Bei der Trüffelsuche setzt man auf die Spürnase von speziell ausgebildeten Hunden.
Bei der Trüffelsuche setzt man auf die Spürnase von speziell ausgebildeten Hunden.

© Julian Kutos

Pasta, Ei & Trüffel – das Genusstrio

Im Anschluss an die Ernte lieferten wir die Trüffel stolz in der Küche ab. Signora Anna Formica, Inhaberin und Chefköchin des Agriturismo Ca'Serrantonio, teilt ihre Leidenschaft für die Küche der Marken gerne mit ihren Gästen. Frische Pasta und die Tartufo-Sauce bereitete sie frisch vor unseren Augen zu, die Vorfreude auf das Mittagessen stieg ins Unermessliche.

Frisch gehobelte Trüffel, Pasta al dente und eine cremige Sauce – dieser Klassiker aus der Cucina Tartufo findet sich auch in vielen anderen Restaurants der Region, unter anderem im bei Einheimischen sehr beliebten »Ristorante Andreina«.

Hier wird die Trüffel vergöttert und bis zur Vollendung mit unterschiedlichsten Gerichten gepaart. Chefkoch Errico Recanati begeistert in seinem mit zwei Michelin-Sternen prämierten Lokal mit raffinierter Schlichtheit: knuspriges Perlhuhn im Brotteig, ein pochiert-frittiertes Ei oder Cappeletti vereinen sich mit der Trüffel und werden zum Himmel auf Erden.

Rezepttipp: Pasta al Tartufo
Die Trüffel ist in der Küche der Marken allgegenwärtig.
Die Trüffel ist in der Küche der Marken allgegenwärtig.

© Julian Kutos

Agriturismo Cà Serrantonio

Via Candigliano 3, 61049 Urbania
www.caserrantonio.com

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