La Morra, die größte der Barolo-Gemeinden
La Morra, die größte der Barolo-Gemeinden / Foto: Othmar Kiem

Barolo braucht lange Reife, er muss mindestens zehn Jahre auf dem Buckel haben, bevor er wirklich mit Genuss getrunken werden kann. Mit dieser Einschätzung – lange Zeit völlig korrekt – wurde mit den Jahrgängen in den letzten beiden Jahrzehnten gründlich gebrochen. Seit der zweiten Hälfte der 90er-Jahre gibt es häufig Barolos, die von Beginn an wunderbar zugänglich und trinkbar sind. »Die Traubenreife und der Vegetationszyklus der Rebe sind heute anders als bis Mitte der 80er-Jahre«, sagt Angelo Gaja, wohl der bekannteste Produzent im Piemont, »alles findet zeitlich früher statt, vom Austrieb bis zur Lese.« Michele Chiarlo, der seit den frühen 70er-Jahren Wein keltert, pflichtet dem bei: »In den letzten beiden Dekaden ist eine deutliche Veränderung festzustellen. Beginnend mit 1996 hatten wir eine ganze Reihe von herausragenden Jahrgängen, wie das vorher in dieser Häufigkeit nie der Fall war.«

V.l.: Elio Altare erzeugt Barolo in La Morra und Serralunga; Roberto Voerzio macht Barolo in La Morra und Barolo; Alessandro Ceretto produziert Barolo in La Morra, Castiglione Falletto, Serralunga sowie Barbaresco in Barbaresco und Treiso; / Fotos: Othmar Kiem
V.l.: Elio Altare erzeugt Barolo in La Morra und Serralunga; Roberto Voerzio macht Barolo in La Morra und Barolo; Alessandro Ceretto produziert Barolo in La Morra, Castiglione Falletto, Serralunga sowie Barbaresco in Barbaresco und Treiso; / Fotos: Othmar Kiem


V.l.: Elio Altare erzeugt Barolo in La Morra und Serralunga; Roberto Voerzio macht Barolo in La Morra und Barolo; Alessandro Ceretto produziert Barolo in La Morra, Castiglione Falletto, Serralunga sowie Barbaresco in Barbaresco und Treiso;

V.l.: Antonio Deltetto macht Roero in Canale; Franco Massolino erzeugt Barolo in Serralunga; Pietro Ratti produziert Barolo in La Morra; / Fotos: Othmar Kiem
V.l.: Antonio Deltetto macht Roero in Canale; Franco Massolino erzeugt Barolo in Serralunga; Pietro Ratti produziert Barolo in La Morra; / Fotos: Othmar Kiem


V.l.: Antonio Deltetto macht Roero in Canale; Franco Massolino erzeugt Barolo in Serralunga; Pietro Ratti produziert Barolo in La Morra;

Barolo entsteht wie Barbaresco und Roero aus Nebbiolo-Trauben. Diese autochthone Sorte ist sehr spät reifend – in der Regel die letzte Sorte, die eingebracht wird –, enthält viel Tannin und Säure und ist in der Farbe eher von mittlerer Dichte. Durch die späte Reife ist für die Nebbiolo-Traube das Klima im September ausschlaggebend. »Ein schöner September kann dir den Jahrgang retten«, sagt Roberto Voerzio, »ein schlechter auch den besten Sommer zunichte machen.« Der Charakter der Nebbiolo-Trauben ist auch stark abhängig vom Boden. So gelten Barolos aus Lagen in La Morra und Barolo als die duftigsten und am frühesten zugänglichen; Weine aus den Lagen von Serralunga und Monforte reifen langsam und sind verschlossen, haben dafür aber das kräftigste Tannin. Zwischen diesen beiden sind die Weine aus Lagen von Castiglione Falletto angesiedelt. Die Bodenverhältnisse in Barbaresco sind ähnlich wie jene in La Morra und Barolo, die Weingärten liegen aber tiefer. Barbaresco gilt daher als die elegante Version des Barolos und reift in der Regel rascher. Während Barolo erst nach vier Jahren auf den Markt kommt, gelangt Barbaresco schon nach drei Jahren in den Verkauf. ­Roero liegt auf der anderen Seite des Tanaro-Flusses, dort sind die Böden sandiger und ­leichter. Entsprechend fällt der Roero duftiger und feiner aus und kommt so wie der Barbaresco schon nach drei Jahren in den Handel. Was ist die Ursache für die starke Veränderung im Charakter der Nebbiolo-Weine seit den 90er-Jahren? Da ist zum einen der allgemeine Klimawandel mit höheren Durchschnittstemperaturen. Pietro Ratti: »Das Klima hat sich gewandelt und uns begünstigt. Eigentlich dauert die Serie der hervorragenden Jahrgänge ja schon seit 1996 an. Die beiden Ausnahmen waren lediglich 2002 mit sehr starkem Hagelschlag in der ganzen Region und 2003 mit großer Hitze.« Aber auch die Arbeit im Weinberg hat sich gewandelt. »Sie verläuft heute viel genauer als noch vor zwanzig Jahren.« Und Michele Chiarlo präzisiert: »Entscheidend war die Reduzierung des Behangs. Ich nenne das immer die Revolution mit der Schere. Bis 1985 war Ertragsbegrenzung bei uns unbekannt.«

Serralunga: Von hier kommen die tanninreichsten und lang­lebigsten Barolos. / Foto: Othmar Kiem
Serralunga: Von hier kommen die tanninreichsten und lang­lebigsten Barolos. / Foto: Othmar Kiem



Der Klimawandel verändert auch die Einstufung der einzelnen Lagen, die ja bei Barolo so wichtig sind. Ceretto: »Während in den 60er- und 70er-Jahren vor allem die Lagen in La Morra und Barolo großartige Weine hervorbrachten, sind heute mehr Castiglione Falletto, Monforte und Serralunga angesagt.«

Und die einzelnen Jahrgänge? Übereinstimmend sehen alle zwei große Gruppen: 2006, 2008 und 2010 werden als kühlere Jahrgänge eingestuft und im weitesten Sinn als klassisch bezeichnet. Die Weine sind in der Jugend unzugänglicher, härter und tanninreicher, gelten aber als sehr langlebig. Die Jahrgänge 2007, 2009 und 2011 waren warm bis heiß und erbrachten Weine, die als elegant charakterisiert werden und schon von ihrer Jugend an zugänglich sind. Während die Jahrgänge bis 2008, zum Teil auch schon 2009, bereits auf der Flasche sind, sind die Urteile über die folgenden Jahre noch mit Vorsicht zu genießen. Denn, so Michele Chiarlo, »Nebbiolo ist eine komplizierte Sorte, schon oft lagen wir mit unserem Urteil bei der Lese stark da­neben. Um ein definitives Urteil abgeben zu können, muss man bei Nebbiolo drei bis vier Jahre warten.«


Barolo/Barbaresco - Über die Jahrgänge

Details zu Roero, Barbera und Gavi


Text von Othmar Kiem
Aus Falstaff Nr. 08/2012 bzw. Falstaff Deutschland Nr. 06/2012

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  • 20.12.2012
    Barolo/Barbaresco
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