Wenn es um deutsche Spitzenrotweine geht, denken die wenigstens an den Osten oder gar an den Norden Deutschlands. Dabei gibt es auch dort inzwischen eine Handvoll Erzeuger wie Schloss Proschwitz, Kirmann oder Lützkendorf, die Jahr für Jahr mit erstklassigen Pinot Noirs aufwarten.
Es wird Zeit, dies zur Kenntnis zu nehmen – nicht zuletzt angesichts von Weinen wie die des Siegers bei der kleinsten Vorrunde des Deutschen Spät- burgunderpreises 2010, in der Weine aus Sachsen und Saale-Unstrut auf den Prüfstand kamen. Es ist der »Drei Musketiere« vom Meissener Weinhaus – Prinz zur Lippe, einer Schwesterfirma des VDP-Weingutes Schloss Proschwitz, in dem u. A. auch Weine von Vertragswinzern verarbeitet und vermarktet werden.

Das Lesegut für diesen Wein stammt aus einer besonders steilen Parzelle (bis zu 40 Grad Hangneigung) in der Lage Bauernberg in Merbitz auf dem linken Elbufer. Merbitz ist heute ein Stadtteil von Dresden. Die 1994 angepflanzten Reben wurzeln dort auf einem Löss-Lehm Boden, der mit Verwitterungsgestein (Granit und Cyanit) durchsetzt ist. Der Weinberg gehört dem Winzer Rolf Fehrmann, der ihn nach Vorgaben aus Proschwitz bewirtschaftet.

Der Wein ist ein Gemeinschaftsprojekt von Dr. Georg Prinz zur Lippe, dem Inhaber des Weingutes Schloss Proschwitz, sowie Peter Bohn, Marketing- und Vertriebsleiter und Martin Schwarz, dem Kellermeister von Schloss Proschwitz. Den Namen dafür borgten sie sich sie sich aus der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts – er stammt von den trinkfesten Titelhelden Porthos, Aramis und Athos aus dem Roman »Die drei Musketiere« von Alexandre Dumas.

Der Spätburgunder hat im Osten Deutschlands eine weit zurückreichende Tradition, die allerdings im Bewusstsein der heutigen Weinfreunde einigermaßen in Vergessenheit geraten ist. Auf den königlichen Weinbergen in Pillnitz wurden nachweislich vor ca. 150 Jahren schon vorwiegend rote Rebsorten, hauptsächlich Blauer Spätburgunder, angebaut.

Seit einigen Jahren ist die Sorte dank des Engagements einiger Betriebe – allen voran Schloss Proschwitz – im Kommen. Der Spätburgunder ist mittlerweile die am häufigsten angebaute rote Rebsorte im Elbtal. Mit einer Fläche von knapp 34 Hektar und einem Anteil von 7,8 % liegt er hinter Müller-Thurgau (18,3 %), Riesling (15,2 %), Weissburgunder (11,8 %) und Gauburgunder (9,2 %) auf Platz fünf der Rebsortenstatistik.

Inzwischen ist die Sorte Pinot Noir aber auch noch wesentlich weiter nach Norden gewandert und bringt auch dort erstaunlich gute Ergebnisse, wie es der zweitplatzierte Wein zeigt. Mit dem Harzer Weingut Kirmann konnte sich eines der nördlichsten deutschen Qualitätsweingüter erstmals auf Platz zwei dieses regionalen Wettbewerbs vorschieben, nachdem dieser bereits 2005 Platz drei belegt hatte.

Dieser Wein kommt aus einer jener zahllosen, kleinen Weinnischen, die es inzwischen überall im Norden Deutschlands verstreut gibt und die man mangels eines eigenen Qualitätsweinbaugebietes gesetzlich dem Gebiet Saale-Unstrut zugeschlagen hat. Wer weiß schon, dass nördlich des Harz-Gebirges überhaupt Wein wächst und dazu noch ein derart kraftvoller Rotwein wie der von Kirmann, gewachsen auf den Südhängen des Königstein, nahe der alten Kaiserstadt Quedlinburg.

Der Siegerwein


2007 Spätburgunder »Drei Musketiere« Meissener Weinhaus – Prinz zur Lippe
Gelesen am 30.09.2007

Flaschen:  1.860

Preis: 22 Euro 


Degustationsnotiz von Mario Scheuermann: 

Rubinrot. In der Nase zeigt der Wein eine deutliche rote Beerenfrucht, ganz dezent etwas Milchschokolade und kaum Holz. Am Gaumen ausgewogen reif und sehr elegant, auch hier mit sehr fein integrierten Holznoten. Finesse pur!
www.schloss-proschwitz.de

Die weiteren Bestplatzierten der Regionalentscheidung Sachsen / Saale-Unstrut: 



Platz 2
2007 Westterhausen Königstein Spätburgunder Auslese trocken

Harzer Weingut Kirmann
www.harzer-weingut.de

Platz 3


2007 Schloss Proschwitz Spätburgunder trocken


Francos Pinot-Kreation (6): Mortadella-Parmiggiana
Mit dem »Drei Musketiere« 2007 aus dem Weinhaus Meissen von Prinz zur Lippe zeichnete die Jury einen Wein aus, der im Glas eine wunderbare Feinheit und Eleganz zeigt. Da musste der italienische Maestro vom Hamburger Restaurant San Michele nicht lange nachdenken: Er empfiehlt einen Klassiker der neapolitanischen Küche, leicht abgewandelt: eine Parmiggiana. Dieser Gemüseauflauf wird normalerweise mit Auberginen und Zucchini als Haupt- bestandteilen zubereitet. Franco nimmt in seiner »Pinot-Version« dafür eine Kombination aus Aubergine und Mortadella.

(von Mario Scheuermann)

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